Kater Max sorgt in Thurgauer Altersheim für Senioren-Aufstand

David A. Giger
David A. Giger

Bodensee,

Eine Katze spaltet ein Altersheim in Amriswil TG: Wegen Beschwerden einzelner Bewohner drohte ihr sogar die Umplatzierung.

Kater Max darf sein Streunerleben weiterführen und weiterhin Obdach bei Verena Beer (links) und Wanda Wolf geniessen. ⋌dag
Kater Max darf sein Streunerleben weiterführen und weiterhin Obdach bei Verena Beer (links) und Wanda Wolf geniessen. - dag

Das Wichtigste in Kürze

  • Kater Max spaltet die Bewohnerinnen und Bewohner eines Altersheims in Amriswil TG.
  • Aufgrund von Beschwerden soll die Katze umplatziert werden.
  • Dagegen wehren sich 33 Bewohnerinnen und Bewohner – so gibt es ein Happy End.

Die Anfänge der ganzen Geschichte hören sich an, wie ein Krimi von Agatha Christie: Die besorgte Bürgerin Josephine Wirz meldet sich bei der Redaktion, da sie während des Spazierengehens mit ihrem Hund von mehreren Bewohnerinnen und Bewohnern des Alters- und Pflegezentrums (APZ) Amriswil auf das drohende Schicksal von Kater Max aufmerksam gemacht wurde.

Obwohl der Kater schon seit neun Jahren im APZ Amriswil lebe, müsse er wohl bald umquartiert werden, da sich einige Bewohnerinnen und Bewohner bei der Geschäftsleitung über ihn beschwert hätten.

«Und da Max und mein Hund Toran sich gut kennen und beide für viele Menschen Aufsteller und Seelsorger sind, musste ich einfach etwas machen», erklärt Josephine Wirz. Damit waren es dann schon 33 Menschen, die sich für den Verbleib von Kater Max einsetzen wollten.

Altersheim
Dass es eine einzelne Katze schafft, den Haussegen in einem ganzen Altersheim zu gefährden, dürfte noch nicht häufig vorgekommen sein. (Symbolbild) - keystone

Denn 31 taten dies mit einer Unterschriftensammlung und einem Brief an die Geschäftsleitung und ein weiterer kam nach dem Telefonat an die Redaktion dazu.

Keine Krisensitzung, sondern ein «Kafikränzli»

Dass es sich bei der auf Donnerstag, 13. August um 14 Uhr einberufenen Versammlung nicht wie angenommen um ein Krisentreffen handelte, sondern um das mehrmals im Jahr stattfindende «Kafikränzli» der Bewohnerinnen und Bewohner des APZ Amriswil, stellte sich dann erst vor Ort heraus.

Nichtsdestotrotz war die Stimmung angespannt im Saal und es gab unter den Bewohnerinnen und Bewohnern nur ein Thema. «90 Prozent der Anwesenden sind sicher auf der Seite von Mäxli. Er ist so ein ‹Schnügel› und macht allen Freude», erklärt eine besorgte Bewohnerin.

Sie habe nicht gerne Streit und hoffe darum, dass noch heute eine Lösung gefunden werde. Denn das Leben sei seit diesem Politikum nicht mehr das Gleiche im APZ Amriswil: «Selbst der so schöne ‹Samstagshöck›, an dem jeweils bis zu 18 Bewohnerinnen und Bewohner teilnehmen, droht wegen der Sache auseinanderzubrechen.»

Und auch für ihren Sitznachbarn, der sich eigentlich neutral verhalten will, ist die «Causa Max» total aus dem Ruder gelaufen: «Ich bin kein grosser Tierfreund und müsste Max nicht unbedingt hier haben. Doch wenn er schon hier ist, dann stört mich das doch nicht!»

Es lebe die Demokratie!

Die Spannung steigt, als die Veranstaltung schliesslich von Ursula Knellwolf, der Leiterin Betreutes Wohnen im APZ Amriswil, eröffnet wird. Es herrscht gespenstische Ruhe im Saal – und dies nicht nur während einer Schweigeminute für eine kürzlich verstorbene Bewohnerin.

Als dann schliesslich das Mikrofon an Dominique Nobel, den Leiter des APZs Amriswil, übergeben wird, um über die jüngsten Entwicklungen im Fall Max zu berichten, ist die Anspannung in ganz vielen Gesichtern zu lesen.

Symbolbild einer Katze.
Obwohl der Kater schon seit neun Jahren im APZ Amriswil lebt, wurde er beinahe umplatziert. (Symbolbild) - keystone

«Es gab immer wieder Reklamationen von Mietern, die sich durch Maxi gestört fühlten. Sie sind erschrocken, weil er plötzlich auf ihrem Balkon, in ihrer Wohnung oder sogar in ihrem Bett war», informiert Dominique Nobel. Und da seine Besitzerin, Verena Beer, auch nicht immer wusste, wo genau sich Max aufhielt, sei eine Umplatzierung diskutiert worden.

Denn während Hauskatzen in den APZ-Wohnungen grundsätzlich erlaubt seien, könne im Fall des Katers nicht von einer solchen gesprochen werden, so der Leiter des APZ: «Wir dachten, dass es gut für Mäxli ist, wenn wir ein Plätzchen für ihn finden, an dem er keine Hauskatze sein muss. Denn er ist wild und nicht einfach zu bändigen.»

Doch bald habe man feststellen müssen, dass nicht nur sein Mami keine Freude an dieser Idee hatte. Und der demokratische Prozess, der durch das Verfassen eines Briefes und eine Unterschriftensammlung deswegen gestartet wurde, sei eine solch tolle Sache, dass man die ganze Angelegenheit nochmals überdacht habe, erklärt Dominique Nobel: «Wenn so viele Menschen Freude an dieser Katze haben, dann lassen wir sie doch hier und vergessen das Thema Fremdplatzierung.»

Obwohl Dominique Nobel noch nicht fertig mit seinen Ausführungen war, wurde er an dieser Stelle abrupt von grossem Applaus und Jubelschreien unterbrochen. Die Erleichterung war jedoch nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar.

Plötzlich lachte der ganze Saal und das Stimmungsbarometer stieg in Sekundenschnelle von tristem Regenwetter auf heiteren Sonnenschein.

«Ich möchte allen Danke sagen, die mit mir mitgelitten haben», meint Wanda Wolf, die sich zusammen mit Edith Cina bereit erklärte, künftig als Gotti von Max auch etwas Verantwortung für ihn zu tragen.

Und auch Ursula Knellwolf, die Leiterin Betreutes Wohnen im APZ, ist sichtlich erleichtert, dass Mäxlis Zukunft nun gewiss ist: «Das war eine Sache, die mir richtig auf den Magen geschlagen hat.»

Ein Kater mit Charakter

Kater Max verzieht keine Miene, als er von Verena Beer und Wanda Wolf über die erfreulichen Neuigkeiten unterrichtet wird. Denn Kater Max hat Hunger, was er jeweils kundtut, indem er sich auf seinen Stuhl in der Küche setzt.

Sollten Haustiere in einem Altersheim erlaubt sein?

Doch bevor es etwas zu essen gibt, müssen Verena Beer und Wanda Wolf ihrer Freude erst etwas Ausdruck verleihen. Und Kater Max scheint nichts gegen die Streicheleinheiten einzuwenden zu haben, denn sein erstaunlich lautes Schnurren lässt keine anderen Rückschlüsse zu.

«Er ist ein Streuner und ein Lausbub – doch ein so süsser», meint Verena Beer. Und auch wenn er gelegentlich etwas Stress mache, sei dieser doch immer positiv.

Als Wanda Wolf kurz darauf von ihrer Freundin gefragt wird, ob sie nicht auch noch dem Zauberer zuschauen wolle, der ebenfalls zum Programm des «Sommer-Kafi kränzlis» gehörte, lehnt sie mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht ab: «Dass Max bei uns bleiben darf, ist für heute genug Zauber für mich.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Oberthurgauer Nachrichten» erschienen.

Kommentare

User #2979 (nicht angemeldet)

Einerseits verstehe ich, dass manche Menschen keine Katzen mögen, so wie andere keine Hunde mögen. Aber die Katze ist bereits jahrelang dort und ich hoffe doch sehr, neuen Bewohnern sagt man wenn sich die das Altersheim anschauen, dass eine "freie Katze" herumlaufe, und wenn man das gar nicht möge, halt wo anders unterkommen muss. So was es übrigens bei meiner Mutter in einem Heim in Zürich, wobei die Katze bei ihr sogar ein Motivationsgrund war dort zu bleiben. Aber ja, sogar ich mit weniger als 50 Jahre weiss, wie extrem man erschrecken kann, wenn da plötzlich eine Katze hinter einem hockt, oder auf den Tisch springt.

User #2410 (nicht angemeldet)

Der Gesichtsausdruck der Katze sagt Alles !

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