Im Jahr 2018 – vor der Pandemie – klagte das Pflegepersonal bereits über die Arbeitszeiten, den Lohn und die Erschöpfung. Viele erwogen einen Jobwechsel.
Rückenschmerzen, niedriger Lohn, schlechtes Image, wenig Privatleben: Das Fachpersonal in Alters- und Pflegeheimen steht unter Druck, viele wollen den Beruf aufgeben. Und zwar nicht erst seit Covid, wie eine frisch publizierte Erhebung zeigt (Symbolbild).
Rückenschmerzen, niedriger Lohn, schlechtes Image, wenig Privatleben: Das Fachpersonal in Alters- und Pflegeheimen steht unter Druck, viele wollen den Beruf aufgeben. Und zwar nicht erst seit Covid, wie eine frisch publizierte Erhebung zeigt (Symbolbild). - sda - Keystone/GAETAN BALLY

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2018 war nur die Hälfte des Pflegepersonals in Heimen mit dem Lohn zufrieden.
  • Auch die Arbeitszeiten und Erschöpfung durch den Job werden bemängelt.
  • Mittlerweile dürften die Daten noch alarmierender sein.

Nur etwa die Hälfte des Pflege- und Betreuungspersonals in Alters- und Pflegeheimen ist mit dem Lohn zufrieden. Ein Viertel erwägt, den Beruf zu wechseln. Das zeigen Zahlen aus dem Jahr 2018. Mittlerweile dürfte der Befund noch alarmierender sein.

Dabei wären 84 Prozent der damals befragten Pflegenden an sich mit ihrer Arbeitsstelle zufrieden, wie eine neu veröffentlichte Erhebung zeigt.

Dieser Anteil sei vergleichbar mit dem Zufriedenheitsgrad in anderen Berufsfeldern. Dies heisst es in einem am Dienstag vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) veröffentlichten Bericht.

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Ein Mann wird im Bett von einer Betreuerin gepflegt. (Symbolbild) - Keystone

22 Prozent des Personals ist aber unzufrieden mit den Arbeitszeiten. Und 24 Prozent sehen sich ausserstande, die notwendige Pflege bieten zu können. 24 Prozent klagen über Erschöpfung, 22 Prozent haben starke Rückenschmerzen. Und 22 bis 40 Prozent des Personals sieht sein Privatleben mehr oder weniger stark durch die Arbeitsbelastung beeinträchtigt.

Probleme bei Rekrutierung von Personal der Tertiärstufe

Je besser die Fachausbildung und je grösser die Verantwortung, umso stärker werden die Beeinträchtigungen empfunden: 24 bis 26 Prozent des Pflegepersonals der Tertiärstufe oder mit Fähigkeitszeugnis erwägen, den Bereich zu wechseln. Währenddessen tun das nur 15 Prozent des ungelernten Hilfspersonals.

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Eine Pflegerin wechselt den Verband. (Symbolbild) - Keystone

Das wirkt sich auf die Rekrutierung aus: Fast alle Heimleitungen (94 Prozent) bekunden Mühe, Personen mit einem Abschluss einer Fachhochschule (FH) oder höheren Fachschule (HF) zu finden. Stellen für nicht qualifizierte Hilfskräfte lassen sich viel leichter besetzen, nur 12 Prozent der Verantwortlichen berichten von Problemen.

Die Zahlen aus dem Jahr 2018 zeigen: Pflege- und Betreuungspersonal in Alters- und Pflegeheimen stand bereits vor der Covid-19-Pandemie stark unter Druck stand und entwickelte häufig Fluchtreflexe. Die Pandemie hatte gemäss Obsan-Bericht «zweifellos einen negativen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in den Alters- und Pflegeheimen».

Chancen in Langzeitpflege sollen bekannter werden

Die Schlussfolgerung lautet: «Deshalb müssen Faktoren, welche die Arbeitszufriedenheit des Personals positiv beeinflussen und dieses zum Verbleib im Alters- und Pflegeheim motivieren, gefördert werden». Neben der Anpassung der Entlöhnung könnte auch die Aufpolierung des Berufsimages helfen, genug Personal zu finden.

Altersheim
Ein Betreuer hilft einer Bewohnerin in einem Altersheim. - Keystone

Es herrsche immer noch die Ansicht vor, Ausbildung und Arbeit in der Langzeitpflege seien weniger anspruchsvoll als in der Akutpflege. Dies schreibt Daniel Höchli, der Direktor des Branchenverbands Curaviva, im Vorwort zum Bericht.

Deshalb habe der Bund Curaviva Schweiz, Spitex Schweiz und die OdA-Santé beauftragt, die Chancen und Attraktivität der Berufe in der Langzeitpflege bekannter zu machen. Dies im Rahmen der Kampagne «Karriere machen als Mensch».