Iran und Rhein: Müssen wir im Winter mit hohen Heizölkosten rechnen?
Innert einem Jahr ist der Preis für Heizöl um 76 Prozent angestiegen. Ein Branchenvertreter rechnet derzeit nicht mit einer Entspannung.

Das Wichtigste in Kürze
- Viele Haushalte warten mit dem Kauf von Heizöl, obwohl der Winter näher rückt.
- Der tiefe Rhein verteuert den Öltransport und belastet die Heizölpreise.
- Ein Branchenvertreter erwartet vorerst keine Entspannung bei den Heizölkosten.
In Deutschland steigen die Kosten fürs Heizen deutlich – vor allem bei Heizöl und Holzpellets. Auch in der Schweiz wächst die Unsicherheit: Viele Haushalte warten derzeit mit dem Kauf von Heizöl und hoffen auf sinkende Preise.
Derzeit kostet ein Liter Heizöl – je nach Bestellmenge – rund 1.65 Franken. Das sind etwa 50 Rappen mehr als noch Mitte Juni. Innerhalb von nur zwei Monaten ist der Preis um rund 40 bis 50 Prozent angestiegen.
Gleichzeitig sorgt die angespannte geopolitische Lage, etwa der USA-Iran-Krieg, für zusätzliche Nervosität an den Energiemärkten. Droht damit hierzulande ein teurer Winter?
Nachfrage noch deutlich niedriger
«Die Nachfrage ist tatsächlich deutlich niedriger als in den anderen Jahren», sagt Ueli Bamert von «Swissoil» auf Anfrage von Nau.ch. Es sei offensichtlich, dass die Kundschaft wegen des hohen Preisniveaus mit der Bestellung zuwarte.
Dennoch empfiehlt er Kunden, «mit der Bestellung nicht bis zum letzten Tropfen zuzuwarten, sondern den Füllgrad zu prüfen und rechtzeitig zu bestellen.»
Würden alle gleichzeitig Heizöl bestellen, könnte es zu «kurzfristigen Lieferverzögerungen» kommen.
Laut Bamert gibt es zwei konkrete Gründe für den raschen Anstieg der Heizölpreise: «Einerseits die hohen Ölpreise aufgrund multipler weltpolitischer Krisen.» Beispielsweise der USA-Iran-Krieg, Huthi-Angriffe in Saudi-Arabien oder der Ukraine-Krieg.
Andererseits steigen die Frachtkosten wegen des niedrigen Rheinpegels. «Bei niedrigem Pegelstand kann kaum noch Öl auf dem Rhein transportiert werden», erklärt Bamert.

Wie sich die Preise künftig entwickeln, lässt Bamert offen: «Wir geben keine Prognose ab, das wäre unseriös.»
«Anhaltend hohe Preise»
Eine «verlässliche Prognose» zur Preisentwicklung ist auch für die Migrol AG schwierig. Doch Andreas Flütsch, CEO der Migrol AG, sagt auf Anfrage: «Wir gehen anhand der aktuellen Rahmenbedingungen eher von anhaltend hohen Preisen aus als von einer Entspannung.»
Die hohen Transportkosten, die geopolitische Lage sowie die schwierige Situation auf den internationalen Energie- und Raffineriemärkten würden weiterhin für erheblichen Preisdruck sorgen, erläutert Flütsch.
Auf dem Rhein könne man derzeit keine Mineralölprodukte mehr transportieren. «Nun steigt durch den Ausfall der Schifffahrt die Nachfrage nach alternativen Transportkapazitäten, was ebenfalls zusätzlichen Kostendruck verursacht», so der Migrol-CEO.
Heizölpreis in einem Jahr um 76 Prozent gestiegen
Weder die Konflikte und Kriege, noch die Problematik der ausgetrockneten Gewässer dürfte sich kurzerhand entspannen. Was die Prognose der weiterhin hohen Preise stützt.

Das zeigt sich auch beim Vergleich des aktuellen Heizölpreises mit jenem vor einem Jahr: Laut «Heizöl24» liegt der Preis aktuell bei 1.64 Franken pro Liter. Vor einem Jahr betrug dieser noch 0.93 Franken pro Liter. Das entspricht einem Anstieg von gut 76 Prozent.













