Niedrigwasser auf dem Rhein treibt Preise in der Schweiz
Das Niedrigwasser auf dem Rhein hat sich weiter verschärft. In Köln wurde am Montag ein neuer Niedrigwasser-Rekord gemessen. Für die Schweiz dürften die Folgen vor allem bei den Preisen spürbar bleiben, während die Wirtschaft solche Engpässe nach Ansicht eines Ökonomen vergleichsweise gut verkraftet.

Auf dem besonders betroffenen Mittelrhein zwischen St. Goar und Mainz seien «nur noch vereinzelt Güterschiffe unterwegs», sagte Fabian Spiess vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Schiffe könnten teilweise nur noch zu 30 bis 40 Prozent beladen werden, sagte BAK-Economics-Chefökonom Claude Maurer gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Entsprechend stiegen die Frachtkosten deutlich.
Wie gut die Schweiz aber solche Engpässe verkraftet, zeigt laut Maurer das Niedrigwasserjahr 2018. Damals hielt die Situation mehrere Monate an und der Güterumschlag der Schweizer Rheinhäfen sank im Gesamtjahr um knapp 19 Prozent. Dennoch sei kein grosser gesamtwirtschaftlicher Wachstumseinbruch aufgrund des Niedrigwassers festzustellen gewesen. «Das spricht dafür, dass die Schweizer Wirtschaft solche Engpässe relativ gut abfedern kann.»
Eine Schätzung von Raiffeisen, wonach der aktuelle Effekt höchstens rund 0,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht, hält Maurer für plausibel.
Deutlicher sind die Folgen bei den Preisen. Laut BAK Economics lagen die Preise für Erdölprodukte im Landesindex im dritten Quartal rund 5 bis 10 Prozent höher, als es allein aufgrund des Ölpreises zu erwarten gewesen wäre. Allerdings gehe nicht die gesamte Differenz auf das Niedrigwasser zurück.
Für die Gesamtteuerung beziffert Maurer den direkten Effekt auf rund 0,1 Prozentpunkte. Hinzu kämen indirekte Folgen höherer Transportkosten etwa bei Lebensmitteln und Baustoffen. Nach Berechnungen des TCS machte zuletzt allein der teurere Transport auf dem Rhein rund 15 Rappen pro Liter beim Treibstoffpreis an der Zapfsäule aus.
Insgesamt erwartet BAK Economics für 2026 weiterhin eine Inflation von 0,6 Prozent. Sollten die Pegel bis in den Winter tief bleiben, steige allerdings das Risiko, dass die höheren Transportkosten länger und breiter auf die Preise durchschlagen, sagte Maurer. Die deutschen Behörden rechnen ab Ende der Woche mit einer leichten Entspannung bei den Pegelständen.










