In Freiburg geht die Krätze um – viele Verdachtsfälle
Die Hautkrankheit Krätze geht um in Freiburg und in der Waadt. Es wurde eine Spezial-Sprechstunde eingerichtet. Die Wartezeit beträgt 4 bis 5 Stunden.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Westschweiz gibt es einen Krätze-Ausbruch.
- Die ansteckende Hauterkrankung juckt gewaltig, vor allem nachts.
- Die Aufnahme im Spital Payerne VD wird überrannt – aber nur wenige Fälle sind bestätigt.
Das nächtliche Jucken ist bei der aktuellen Hitze noch unerträglicher als sonst. «Es ist zermürbend, ich kann nur noch ans Kratzen denken», sagt eine Freiburgerin (40) zu Nau.ch.
Sie hat sich vor rund zwei Wochen mit Krätze angesteckt. Wie und wo, weiss sie nicht. Doch seither ist sie von Ausschlag am ganzen Körper und von «starkem Juckreiz» geplagt.

Zuerst ging sie von einer Erdbeerallergie oder einer anderen Krankheit aus. Erst später wurde Krätze diagnostiziert. Nun hat sie Medikamente verschrieben bekommen, und mit diesen soll es auch rasch aufwärts gehen.
«Massiver Patientenansturm»
Der Freiburger Kantonsarzt Thomas Plattner informierte Anfang Juni darüber, dass seinem Amt mehrere Fälle von Krätze in Familien, Schulen, Kindertagesstätten und spezialisierten Institutionen gemeldet wurden.
Krätze ist ein Befall der Haut mit der Krätzmilbe, einem Parasiten mit einer Lebenserwartung auf dem Menschen von 4 bis 6 Wochen.
Auch aus anderen Westschweizer Kantonen seien Fälle gemeldet worden. Wie stark sich die Krankheit seither ausgebreitet hat, kann Plattner auf Anfrage von Nau.ch nicht beziffern. «Da es sich nicht um eine meldepflichtige Krankheit handelt, können wir das nicht wissen.»
Es zeigt sich jedoch, dass es sehr viele Verdachtsfälle gibt. Das interkantonale Spital in Payerne VD hat eine spezialisierte Sprechstunde eingerichtet und spricht von einem «massiven Patientenansturm».

Doch: Von den mehreren Hundert Personen, die in der vergangenen Woche täglich das Spital aufsuchten, um sich auf Krätze untersuchen zu lassen, seien nur zwei oder drei Fälle bestätigt worden.
Auch Thomas Plattner betont, dass nicht jede juckende Rötung Krätze bedeuten muss. «Vor allem im Sommer gibt es zahlreiche Gründe für juckende Hautveränderungen: Insektenstiche, allergische Reaktionen, Hitzeurtikaria, Reaktionen auf Sonnencrème, Sonnenallergie, virale Erkrankungen, Entenflöhe, Prozessionsspinner und mehr.»
Krätze sei dabei bei weitem nicht die häufigste Ursache. Derzeit würden weniger als zwei Prozent der Patienten, die wegen Juckreiz und Hautausschlag in Behandlung waren, tatsächlich an Krätze leiden.
Händedruck führt nicht zu Ansteckung
Wen es aber trifft, der ist geplagt: «Der Juckreiz ist in der Regel sehr stark und tritt vorwiegend nachts auf», erläutert Plattner. Doch er betont auch: «Die Erkrankung ist zwar unangenehm, jedoch nicht gefährlich und kann wirksam medikamentös behandelt werden.»
Das Medikament werde allen betroffenen Personen sowie deren engen Kontaktpersonen empfohlen. Also Mitglieder desselben Haushalts, Personen, die ein Zimmer oder einen begrenzten Raum teilen – etwa in Heimen oder Kasernen – sowie Sexualpartnerinnen und -partner.

Erkrankt etwa ein Kind an Krätze und nimmt dann das Medikament ein, kann es 24 Stunden später wieder zur Schule gehen.
An Schulen würden keine Sondermassnahmen getroffen. Denn um sich mit Krätze anzustecken, sei ein enger und längerer Hautkontakt erforderlich. «Ein einfacher Händedruck reicht nicht aus, um Krätze zu übertragen», so das Kantonsarztamt.







