Appenzellerland

Im Alpstein wächst Sorge ums Futter!

Sabine Itting
Sabine Itting

Appenzell,

Schneearmer Winter und Hitze setzen den Bauern im Alpstein zu: Auf den Alpen fehlt Futter und Wasser. Anderswo ist die Trockenheit noch dramatischer.

Hitze
Auf den Alpen im Appenzellerland fehlt es an Futter und Wasser. Der Grund: der schneearme Winter und die anhaltende Hitze sowie der ausbleibende Regen. (Symbolbild) - AdobeStock

Guido Inauen kennt die Schweiz aus einer besonderen Perspektive. Der Chauffeur aus Brülisau ist täglich zwischen der Ost- und der Westschweiz unterwegs.

Aufgewachsen auf einem Bauernhof, fällt ihm auf seinen Fahrten besonders auf, wie unterschiedlich die anhaltende Trockenheit die Landwirtschaft trifft. In vielen Regionen, durch die er fährt, sind die Wiesen mittlerweile braun und vertrocknet.

Auch in Gesprächen mit Menschen vor Ort ist der Hitzesommer immer wieder ein Thema. Dabei erfährt Inauen, wie dramatisch die Lage für die Landwirtschaft inzwischen ist: Es fehle an Gras, und man wisse langsam nicht mehr, wie das Vieh in den kommenden Monaten gefüttert werden solle.

Je näher Inauen auf seinen Fahrten wieder seiner Heimat kommt, desto entspannter präsentiert sich die Situation. Besonders im Raum Weissbad und Brülisau haben die kräftigen Gewitterregen der vergangenen Tage für Entlastung gesorgt.

Ausgedörrte Felder
Die anhaltende Hitze und Trockenheit lassen Felder und Wiesen austrocknen. (Symbolbild) - keystone

Die Wiesen sind wieder schön grün, und die Bauern können sich bereits auf den dritten Schnitt vorbereiten. Doch die Niederschläge haben nicht alle Regionen des Appenzellerlands gleich stark erreicht. Andernorts sind die Folgen der Trockenheit deutlich stärker zu spüren.

Im Alpstein fehlt Wasser

Im Alpstein sind die Auswirkungen der Trockenheit unterschiedlich stark. Während auf der Alp Sol dank eigener Quellen die Wasserversorgung derzeit relativ stabil ist, ist die Alp Sigel stärker auf Niederschläge angewiesen. Albert Neff-Rusch, der seit Jahrzehnten als Älpler tätig ist, berichtet, dass es kaum je so trocken gewesen sei.

Neben dem fehlenden Regen macht sich vor allem der schneearme Winter bemerkbar: Es fehlt das Schmelzwasser, das zusammen mit den Niederschlägen normalerweise bis in den Spätsommer für die Wasserversorgung sorgt.

Auf beiden Alpen finden die Tiere auf den trockenen Weiden weniger Gras als gewohnt. Neben dem fehlenden Wasser zum Tränken des Viehs fehlt es auf beiden Alpen auch an Futter.

Der Gewitterregen hat die Situation zuletzt etwas entspannt, das Defizit aber längst nicht ausgeglichen. Im benachbarten Toggenburg haben erste Betriebe ihre Tiere bereits vorzeitig ins Tal zurückgebracht.

Auch im Appenzellerland mussten einzelne Alpen den Alpsommer früher beenden.

Mit Lastwagen ins Tal

Für den vergangenen Samstag waren auf der Webseite von Appenzell Tourismus bereits erste Alpabfahrten angekündigt. Auf Nachfrage, ob es normal sei, dass bereits in der ersten Augusthälfte die ersten Älpler mit ihren Tieren zurück ins Tal gehen, verwies Appenzell Tourismus lediglich auf das reguläre Zeitfenster der Abfahrten bis Oktober.

Ob die frühen Termine direkt mit der Trockenheit zusammenhängen, konnte man dort nicht beantworten.

Deutlicher fällt die Auskunft von Christian Brunner, Ressortleiter Alpwirtschaft und Präsident der Appenzeller Bauern, aus: Für einige Älpler sei die reguläre Alpzeit zwar erreicht, bei vielen mache der Futter- und Wassermangel einen verfrühten Abzug jedoch unumgänglich.

Trockenheit
Die aktuelle Hitze und Trockenheit macht vielen Landwirten in der Schweiz zu schaffen. (Symbolbild) - keystone

Es fehle schlicht am Gras auf den Wiesen. Um die Weiden zu entlasten, werden von manchen Alpen vorerst vor allem die Milchkühe ins Tal gebracht – wenn möglich direkt mit dem Lastwagen.

Das Jungvieh bleibt vorerst oben. Das hat Auswirkungen auf die gewohnte Tradition: Die farbenfrohen Alpabfahrten dürften in diesem Jahr mancherorts kleiner ausfallen oder ganz entfallen.

«Für ein gutes Dutzend Rinder lohnt sich eine traditionelle Abfahrt nicht», sagt Brunner.

Fehlender Grasschnitt mit Folgen

Die Niederschläge der letzten Tage haben nicht überall für eine ausreichende Erholung der Wiesen gesorgt. So fehlt in einigen Regionen der Ostschweiz aufgrund der Trockenheit bereits ein ganzer Grasschnitt, und damit wichtiger Vorrat für die Wintermonate.

Müssen Kühe wegen des Wasser- und Futtermangels früher von der Alp ins Tal gebracht werden, verschärft sich die Situation zusätzlich: Die Tiere fressen nun Gras, das eigentlich für die Wintermonate vorgesehen war. Damit schrumpfen die ohnehin knappen Reserven weiter.

Reicht das vorhandene Angebot auch im Tal nicht aus, können die Betriebe ihren Bestand nicht wie geplant weiterhalten. Für einzelne Landwirte bedeutet das, dass Tiere früher als vorgesehen verkauft oder geschlachtet werden müssen.

Druck auf die Vorräte im Tal

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Ein fehlender Grasschnitt schmälert die Reserven und kann zusätzliche Kosten verursachen. Kommen frühere Alpabfahrten und der Verlust von Tieren hinzu, kann die Trockenheit für einzelne Betriebe zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden.

Machst du dir Sorgen wegen der zunehmenden Trockenheit?

Ernteausfälle sind für Landwirte in der Regel nicht versicherbar. Auch der Zukauf gestaltet sich schwierig. Laut Christian Brunner haben Deutschland und Frankreich wegen der geringen Erträge den Export von Raufutter bereits unterbunden.

Digitale Börsen sollen Angebot und Nachfrage innerhalb der Schweiz ausgleichen, doch der Markt ist weitgehend leer: Auf Plattformen wie Zalp.ch wird verbliebenes Futter teils dem Meistbietenden angeboten.

Unterschiedliche Situationen

Die jüngsten Gewitter haben die Situation in einzelnen Regionen zwar etwas entspannt. Doch längst nicht überall haben die Niederschläge ausgereicht, um die Folgen der Trockenheit auszugleichen.

Für die Älpler bleibt deshalb entscheidend, wie viel Regen in den kommenden Wochen vom Himmel kommt. Hält die Trockenheit an, dürfte sich der Futter- und Wassermangel weiter verschärfen.

Für die betroffenen Landwirte geht es dabei um weit mehr als einen schönen, traditionellen Alpabzug: Wo das Futter nicht reicht, müssen Tiere verkauft werden – teilweise führt ihr Weg direkt zum Schlachthof.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Herisauer Nachrichten» erschienen.

Kommentare

User #4832 (nicht angemeldet)

Nicht jeder macht sich Sorgen deswegen….weil ja das Fleisch wie das Gemüse aus dem Supermarkt herstammt…..die Tourismus-und Immobilienbranche zbs, oder im sportbegeisterten Sportbereich wirken sehr viele irgendwie sehr Sorglos.

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