Illegal: Minderjährige Gymi-Schüler zocken schon im Online-Casino
Glücksspielwerbung begeistert Jugendliche via Social Media bereits lange vor dem 18. Lebensjahr. Effektive Hürden existieren im digitalen Raum kaum.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Grossteil der Jugendlichen unter 18 Jahren hat schon einmal um Geld gespielt.
- Das zeigt eine nicht-repräsentative Umfrage in Zürcher Kantonsschulen.
- Demnach war mehr als die Hälfte beim ersten Glücksspiel höchstens 15 Jahre alt.
Im digitalen Netz ist Werbung allgegenwärtig. Auf Instagram verspricht ein Casino den schnellen Gewinn, auf Facebook locken Sportwetten mit Bonusangeboten.
Glücksspielwerbung gehört für viele Jugendliche längst zum digitalen Alltag. Obwohl Online-Casinos und Sportwetten für Minderjährige verboten sind, erreichen die Angebote ihre Zielgruppe offenbar trotzdem.
Dass die Werbung Wirkung zeigt, belegt eine nicht-repräsentative Online-Befragung von «casinorating.ch», einer Vergleichs- und Informationsplattform für legale Schweizer Online-Casinos. Die Bilanz lässt aufhorchen.
Das erste Glücksspiel mit 15 Jahren
Von 1102 Schülerinnen und Schülern Zürcher Kantonsschulen geben 51 Prozent an, bereits einmal um Geld gespielt zu haben. Unter den 660 Minderjährigen liegt der Anteil bei 45 Prozent – also fast jeder Zweite.
Dabei dürfte das gesetzliche Mindestalter viele kaum abschrecken. Mehr als die Hälfte der Befragten war beim ersten Glücksspiel höchstens 15 Jahre alt.
Auf die Werbung treffen Jugendliche genau dort, wo sie ohnehin ihre Freizeit verbringen: In den sozialen Medien.
«Speziell auf Tiktok oder Insta sieht man sehr viel Pro-Online-Casino-Content», antwortet ein 16-jähriger Schüler in der Umfrage. Dieser werde «lustig» dargestellt – und richte sich klar an ein junges Publikum.
Eine physische Hürde, wie es beispielsweise in einem Casino der Fall ist, existiert im digitalen Raum praktisch kaum.
Rund 76 Prozent der Befragten geben an, in den letzten 30 Tagen Werbung für Online-Casinos oder Sportwetten gesehen zu haben.
Insbesondere während der WM befinden sich Jugendliche in einem emotional aufgeladenen Umfeld – und lassen sich leicht zum Glücksspiel verleiten.
«Farbig, fruchtig, etwas ‹Cooles›»
Die Werbung nicht als solche zu verpacken, macht das Ganze ohnehin noch gefährlicher. «Mir kommt in den Sinn, es mit Vapes zu vergleichen: Farbig, fruchtig, etwas ‹Cooles›», antwortet eine 18-jährige Schülerin in der Umfrage.
Eine 19-jährige Schülerin führt aus: «Es wird als Werbung angezeigt, die aussieht wie ein normales Handy-Spiel.»
Das Vorgehen in solchen Videos sei dabei immer spontan, bemerkt ein 16-jähriger Schüler. «Mitten im Video holt er sein Handy raus und gambelt schnell.»
Unter «Gambling» versteht man den geldwerten Einsatz auf einen unsicheren Ausgang.
Die Botschaft dahinter ist immer dieselbe: Glücksspiel soll möglichst alltäglich und harmlos wirken.
Selbsteinschätzung fällt gering aus
Dabei fehlt den Jugendlichen das Bewusstsein für die Gefahren keineswegs. 80 Prozent erachten die Angebote als gefährlich. 79 Prozent wissen zudem, dass sich langfristig kaum Geld gewinnen lässt.
Dennoch wird das allgemeine Suchtrisiko mit 7,7 von 10 Punkten deutlich höher als das eigene eingestuft.
Dort wird das Risiko lediglich auf 3,9 Punkte geschätzt. Dabei geben 58 Befragte an, regelmässig zu spielen.
Ein Schüler gibt an, sogar im Unterricht spielen zu müssen. «Sonst werde ich unruhig.»













