Hof zu Wil: Chaos erreicht erste Anlässe – Unternehmer mit Klartext
Unternehmer Marc Flückiger sieht beim Hof zu Wil nicht nur ein gastronomisches Problem, sondern einen Vertrauensverlust. Für ihn braucht es einen Neustart.

Eigentlich hätte es ein unkomplizierter Mitarbeiteranlass werden sollen. Am 26. Oktober plant Marc Flückiger mit rund 90 Mitarbeitenden der Sygma AG einen Nachmittag im Hof zu Wil. Von 16 Uhr an soll während zwei bis drei Stunden ein Apéro Riche stattfinden.
«Normalerweise mache ich den Mitarbeiteranlass im Kino. Das machen wir seit drei Jahren», erzählt der Wiler Kantonsrat. Dieses Jahr habe er sich gedacht: «Komm, wir gehen wieder einmal in den Hof.» Die Anfrage erfolgte kurzfristig.
Vor rund zwei Wochen meldete sich Flückiger beim Hof. Noch am selben Abend wurde bekannt, dass den bisherigen Pächtern gekündigt worden war. Danach herrschte zunächst Funkstille.
Erst am Donnerstag erhielt der Unternehmer die definitive Bestätigung per Mail. Darin entschuldigte sich Wirt Marcel Kampe für die lange Wartezeit und erklärte die Umstände. Gleichzeitig wurde Marc Flückiger zugesichert, dass der Hof an seinem Anlass am 26. Oktober noch zur Verfügung stehen werde.

Für den Unternehmer zeigt der Vorgang exemplarisch, welches Problem der Hof derzeit habe. «Als Aussenstehender: Viel schlimmer als das, was jetzt passiert ist, kann es gar nicht mehr werden», sagt er. Der Hof stehe ohnehin schon seit längerer Zeit negativ im Rampenlicht.
Besonders unglücklich sei der Zeitpunkt. «Jetzt beginnt die beste und wichtigste Zeit im Jahr mit den ganzen Events und Weihnachtsessen. Und gleichzeitig ist alles in der Schwebe.»
Unsicherheit als Problem
Flückiger ist selbst in der Immobilienbranche tätig und sagt deshalb, er kenne unterschiedliche Situationen rund um Miet- und Pachtverhältnisse. «Ich habe noch nie erlebt, dass so schnell ein Pächter ausgewiesen werden konnte. In der Regel dauert so was Monate, wenn nicht Jahre.»
Gleichzeitig betont er, dass er die Hintergründe der aktuellen Situation nicht kenne und deshalb nicht beurteilen könne, weshalb es zu diesem Schritt gekommen sei. Was ihn beschäftigt, ist vor allem die Wirkung nach aussen. Immer wieder werde er von Personen ausserhalb der Region gefragt, wo man in Wil gut essen könne.
«Stand heute ist der Hof bei mir etwa auf Position sechs, wenn ich etwas empfehle. Nicht wegen der Pächter, sondern wegen der Gesamtsituation. Das tut mir jedes Mal weh.» Der Ruf des Hofs sei aus seiner Sicht inzwischen so schlecht, dass dies direkte Folgen für die Nachfrage habe.
Dabei sieht Flückiger den Hof grundsätzlich als wichtigen Ort für Wil. Gerade deshalb habe er seinen Mitarbeiteranlass bewusst dort durchführen wollen. «Als Wiler hast du alle Interessen, dass der Hof zum Fliegen kommt.»
Stattdessen herrsche nun eine extreme Unruhe. Wer einen Anlass plane, müsse sich fragen, ob der Hof in einigen Wochen überhaupt noch so funktioniere wie geplant. Für den eigenen Mitarbeiteranlass hat Flückiger deshalb bereits einen Plan B.

Sollte die Durchführung im Hof nicht möglich sein, könne die eigene Halle innerhalb eines Tages mit Festbänken umgerüstet werden. «Im schlimmsten Fall machen wir es dort.»
Am Anlass im Hof will er aber weiterhin festhalten. Bei einem Firmenanlass mit Kunden wäre die Situation für ihn allerdings eine andere gewesen. «Dann hätte ich abgesagt.»
Auch WPO-Anlass ist betroffen
Noch schwieriger ist die Situation für den bevorstehenden WPO-Anlass. Am 11. November soll dort ein Anlass mit Bundesrat Martin Pfister stattfinden. Rund 150 Personen werden erwartet.
Die Planung sei bereits weit fortgeschritten, Einladungen würden teilweise persönlich verschickt. «Da kannst du nicht einfach zwei Wochen vorher sagen, wir machen es jetzt an einem anderen Ort.» Auch deshalb müsse er derzeit in Varianten denken.
Eine Möglichkeit wäre, die Räumlichkeiten des Hofs zu nutzen und einen eigenen Caterer zu engagieren. Damit wäre die gastronomische Seite abgesichert. «Das tut mir weh», sagt Flückiger.
Schliesslich wolle man mit solchen Anlässen auch die lokale Gastronomie unterstützen. Beim WPO-Anlass könne er den Veranstaltungsort nicht alleine bestimmen. Als WPO-Präsident sei er zudem direkt mit der Reputation des Anlasses verbunden. Eine kurzfristige Änderung würde deshalb nicht nur organisatorische, sondern auch kommunikative Folgen haben.
«Es braucht einen Neustart»
Flückiger glaubt, dass die wiederkehrenden Diskussionen um den Hof mittlerweile selbst zum Problem geworden sind. «Ich denke, die meisten, die jetzt darüber nachdenken, im Hof etwas zu machen, machen es nicht.» Zu gross sei die Unsicherheit.
Seine Vorstellung für die Zukunft ist deshalb radikal: «Ctrl, Alt, Delete wäre der richtige Schritt.» Aus seiner Sicht müsse Tabula rasa gemacht werden. Auch eine Neuaufstellung des Stiftungsrats gehört für ihn dazu. Dieser müsse laut Flückiger nicht zwingend wieder dieselbe Grösse haben.
«Ich würde ihn nur noch halb so gross machen, weil dann Verantwortungen klar sind.» Flückiger betont, dass er damit niemandem persönlich einen Vorwurf machen wolle. Auch im Stiftungsrat kenne er gute Leute. Trotzdem seien über die vergangenen Jahre zu viele Fronten entstanden.
Vertrauen müsse nun zuerst wieder aufgebaut werden. Auch eine politische Aufarbeitung schliesst Flückiger nicht grundsätzlich aus: «Ich bin in Bezug auf eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) offen, das Problem wird diese aber wohl nicht lösen.»
Gleichzeitig fügt der Wiler an, dass dies an der heutigen Situation nichts mehr ändere. Die Personen, die vieles zu verantworten hätten, seien teilweise nicht mehr da. «Wir müssen nun vorwärts schauen.» Entscheidend sei für ihn deshalb, die Reputation des Hofs wiederherzustellen.
Biergarten als Chance
Einen konkreten Ansatz sieht Flückiger im Biergarten. Dieser könne Frequenz in den Hof bringen und Menschen wieder an den Ort locken. «Den müsste man eröffnen.» Gerade ein unkompliziertes Angebot könne dazu beitragen, den Hof wieder stärker im Alltag der Bevölkerung zu verankern.
Die Stadt habe ihre Gründe für die aktuelle Situation, räumt Flückiger ein. Gleichzeitig müsse nun eine Lösung gefunden werden, die den Hof wieder zu einem funktionierenden und akzeptierten Ort mache.

Denn eines sei für ihn klar: «Wenn ich gewusst hätte, dass der Hof dieses Theater hat, hätte ich für meinen Mitarbeiteranlass gar nicht erst angefragt.» Seine Sorge richtet sich deshalb weniger auf den einzelnen Anlass vom 26. Oktober oder den WPO-Anlass als auf die langfristige Wirkung.
Solange unklar sei, wer den Hof künftig betreibe, wie das gastronomische Angebot aussehe und was mit den bestehenden Veranstaltungen geschehe, bleibe die Unsicherheit bestehen. Und genau diese Unsicherheit sei Gift für einen Betrieb, der eigentlich wieder Vertrauen und Besucher gewinnen müsse.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.








