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Hof zu Wil, Gas, Sparpaket: Neuer Wiler Stadtpräsi muss anpacken

Lui Eigenmann
Lui Eigenmann

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Andreas Breitenmoser ist neuer Stadtpräsident von Wil SG. Im Interview spricht er ausführlich über seine Ziele.

Der neue Stadtpräsident muss gleich anpacken
Der neue Stadtpräsident von Wil, Andreas Breitenmoser, muss gleich anpacken. - Lui Eigenmann

Andreas Breitenmoser ist neuer Stadtpräsident von Wil. Im Interview spricht er über seine Ziele, den Gasausstieg, die Millionenlücke beim Hof zu Wil und weshalb er dessen Stiftungsrat nicht präsidieren will.

Redaktion: Andreas Breitenmoser, Sie sind jetzt Stadtpräsident von Wil. Was ist Ihr wichtigstes Ziel für die ersten 100 Tage im Amt?

Andreas Breitenmoser: Ein zusätzliches Ziel gibt es eigentlich nicht. Viele Herausforderungen sind bereits da, in die muss ich mich einarbeiten und hineinkommen. Das braucht Zeit. Es gibt einige anstehende Probleme, die wir lösen müssen. Diese gehen wir an.

Redaktion: Sie kennen den Stadtrat und die Verwaltung seit Jahren. Was wollen Sie als Stadtpräsident anders machen als Ihr Vorgänger Hans Mäder?

Breitenmoser: Ich möchte nicht zwanghaft alles anders machen, aber sicher meine eigene Note hineinbringen. Ich bin ein anderer Typ, das wird automatisch spürbar sein. Hans Mäder hat einen guten Job gemacht und den Stadtrat als Team immer zusammengehalten. Diesen Teamgedanken möchte ich weiterführen und noch stärker machen.

Redaktion: Sie gelten als pragmatischer und eher ruhiger Politiker. Als Stadtpräsident werden Sie aber auch unangenehme Entscheide treffen müssen. Wie konfliktscheu sind Sie tatsächlich?

Breitenmoser: Das habe ich tatsächlich gerade heute Mittag beim Essen mit Hans Mäder angesprochen. Früher bin ich Konflikten eher aus dem Weg gegangen und habe sie erst angepackt, wenn sie bereits aufgeflammt sind.

Mittlerweile gehe ich direkt auf die Leute zu, wenn ich einen Konflikt sehe, und spreche ihn an. Das ist die bessere Lösung. Wenn man einen Konflikt frühzeitig angeht, stellt sich manchmal heraus, dass es nur ein Missverständnis ist. Das hat sich für mich immer ausgezahlt. In den fünfeinhalb Jahren im Stadtrat habe ich diesbezüglich dazugelernt und spüre, dass ich heute besser damit umgehen kann.

Hof zu Wil: Breitenmoser will die Doppelrolle beenden
Hof zu Wil: Breitenmoser will die Doppelrolle beenden. - Lui Eigenmann

Redaktion: Sie waren bisher für Versorgung und Energie verantwortlich und haben den Wiler Gasausstieg mitgeprägt. Jetzt sind Sie Stadtpräsident: Stehen Sie weiterhin voll hinter dem Ziel, dass Wil bis 2050 aus der Gasversorgung aussteigt?

Breitenmoser: Das ist nicht nur ein Wiler Ziel, sondern betrifft die ganze Schweiz. Wil muss diesen Weg weiterverfolgen. Das funktioniert aber nur gemeinsam mit anderen Städten und Gemeinden, weil wir ein grosses Gasnetz haben.

Wil ist mit 13 Aussengemeinden verbunden. Solange wir keine grüne Alternative haben, können wir nicht gleichzeitig Klimaneutralität anstreben und das Gasnetz einfach weiterlaufen lassen. Diese beiden Ziele lassen sich nicht miteinander vereinbaren.

Redaktion: Beim Hof zu Wil ist inzwischen eine Finanzierungslücke von 4,9 Millionen Franken bekannt. Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Breitenmoser: Ich war nicht von Anfang an dabei und daher nicht in allen Details informiert. Was ich weiss: Nach dem ersten Kostenvoranschlag stellte sich heraus, dass darin ein Excel-Fehler enthalten war. Das Projekt wurde nochmals überprüft und ein zweiter Kostenvoranschlag erstellt – mit dem Wissen, dass eine Lücke von rund 4,4 Millionen Franken besteht.

Die Hoffnung, einen Teil der Differenz anderweitig auffangen zu können, hat sich nicht erfüllt. Jetzt müssen wir eine Lösung finden. Es wäre für die Region Wil doppelt negativ, wenn die vielen beteiligten Handwerker am Ende ihre Rechnungen nicht bezahlen könnten.

Redaktion: Werden Sie als Stadtpräsident dem Stadtparlament einen weiteren grossen Kredit für den Hof zu Wil empfehlen, wenn dieser nötig wird? Oder sagen Sie: Irgendwann ist Schluss mit zusätzlichem städtischem Geld?

Breitenmoser: Zuerst muss man die Betriebsrechnung genau kennen. Offenbar hat die Stiftung keinen Kredit von einer Bank erhalten, was allenfalls bereits Teil des Problems ist. Natürlich könnte die Stiftung mit einer Absicherung durch die Stadt Wil möglicherweise Geld aufnehmen. Aber zu welchem Preis?

Wenn die Betriebsrechnung negativ ist, löst auch ein zusätzlicher Kredit das Problem nicht. Diese Abklärungen sind noch nicht abgeschlossen. Ich möchte mir das deshalb vertieft anschauen, bevor ich dazu eine abschliessende Aussage machen kann.

Ist Andreas Breitenmoser der richtige Stadtpräsident für Wil?

Redaktion: Werden Sie Präsident des Stiftungsrats des Hofs zu Wil?

Breitenmoser: Ich gehe eher davon aus, dass es nicht dazu kommen wird. Wenn ich den Stadtrat richtig spüre, wollen wir nicht, dass diese beiden Ämter weiterhin miteinander verknüpft sind. Das würde zu Problemen führen, weil man immer die Frage hätte, welchen Hut man gerade trägt. Man kann meiner Meinung nach durchaus Mitglied des Stiftungsrats sein, aber nicht gleichzeitig dessen Präsident und Stadtpräsident.

Redaktion: Wie kann man diese beiden Ämter konkret trennen?

Breitenmoser: Das müsste man über die Stiftungsurkunde lösen. Dort steht, dass ein amtierendes Mitglied des Stadtrats das Präsidium führen soll, aber nicht zwingend der Stadtpräsident. Diese Formulierung gibt uns grundsätzlich die Möglichkeit, die beiden Ämter zu trennen.

Wenn wir die Regelung zum Stiftungspräsidium ändern, müssen wir uns aber sicher auch die weiteren Bestimmungen der Stiftungsurkunde anschauen. Das ist deshalb etwas, das wir sorgfältig prüfen müssen. Ich gehe aber schon davon aus, dass sich die Urkunde ändern lässt.

Redaktion: Falls Sie das Präsidium übernehmen: Wie wollen Sie verhindern, dass Sie als Stadtpräsident und gleichzeitig als Stiftungsratspräsident des Hofs am Ende über Geld mit sich selbst verhandeln?

Breitenmoser: Gerade in diesem Geschäft braucht es volle Transparenz, wir müssen alles offenlegen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass gewisse Dinge unter dem Deckel gehalten oder nur teilweise kommuniziert werden.

Redaktion: Der Hof soll sich langfristig möglichst eigenwirtschaftlich tragen. Glauben Sie, dass das nach den nun bekannt gewordenen Mehrkosten realistisch ist – oder müssen sich die Wilerinnen und Wiler darauf einstellen, dass der Hof dauerhaft ein Zuschussbetrieb bleibt?

Breitenmoser: Wie bereits erwähnt, hängen diese Fragen voneinander ab. Die Stiftung könnte grundsätzlich einen Kredit aufnehmen, gleichzeitig aber jedes Jahr ein Betriebsdefizit einfahren.

Dann stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, das Problem mit einem einmaligen Kredit beziehungsweise einer einmaligen Zahlung zu lösen.

Mir fehlt im Moment noch der vertiefte Einblick in die Zahlen. Zum Glück bin ich Betriebsökonom und kann solche Fragen entsprechend analysieren. Am Ende müssen wir entscheiden, was das kleinere Übel ist: eine einmalige Zahlung oder eine dauerhafte finanzielle Belastung.

Die Eröffnung des Hof zu Wil wird von der prekären Finanzlage der Stiftung überschattet.
Die Eröffnung des Hof zu Wil wird von der prekären Finanzlage der Stiftung überschattet. - Linda Bachmann

Redaktion: Sie übernehmen das Stadtpräsidium in einem Moment, in dem Wil finanziell nicht gerade mit vollen Kassen dasteht. Wo würden Sie persönlich als Erstes den Rotstift ansetzen – und wo auf keinen Fall?

Breitenmoser: Das möchte ich im Moment noch nicht beantworten. Der Stadtrat hat ein Sparpaket mit verschiedensten Massnahmen erarbeitet, wir müssen uns die Situation indes anschauen. Deshalb möchte ich heute nichts vorwegnehmen und auch nicht sagen, welche Massnahmen ich persönlich favorisiere.

Redaktion: Das Stadtpräsidium bedeutet deutlich mehr Termine, Sitzungen und öffentliche Auftritte. Was wird in Ihrem Privatleben als Erstes zu kurz kommen – und worauf wollen Sie trotzdem auf keinen Fall verzichten?

Breitenmoser: Während des Wahlkampfs sind meine Freunde etwas zu kurz gekommen, da möchte ich mir wieder etwas mehr Zeit nehmen. Aber an erster Stelle steht für mich die Familie.

Wenn ich bei meiner Familie bin, möchte ich auch wirklich mit dem Kopf dort sein und die Zeit bewusst mit ihr verbringen. Ich habe eine tolle Frau und drei wundervolle Kinder. Mir ist wichtig, dass wir als Familie zusammenbleiben und eng verbunden sind. Für mich geht die Familie über alles.

Redaktion: Wenn Sie einmal einen richtig schlechten Tag als Stadtpräsident haben: Wen rufen Sie an und wer darf Ihnen dann auch einmal sagen, dass Sie falschliegen?

Breitenmoser: Das kommt auf das Thema an. Ich habe viele Menschen in meinem Umfeld, mit denen ich mich austauschen und bei denen ich mir Rat holen kann. Ich finde es grundsätzlich gut, wenn man sich Unterstützung und eine zweite Meinung holt.

Als Stadtpräsident wird man mit sehr unterschiedlichen Themen konfrontiert und kann unmöglich überall der Fachspezialist sein. Mein Ego ist deshalb auch nicht gekränkt, wenn jemand anderes etwas besser weiss als ich. Im Gegenteil: Ich bin froh, wenn jemand sein Wissen einbringt und wir gemeinsam die beste Lösung finden.

Redaktion: Lukas Reimann hat knapp 700 Stimmen als Stadtpräsident im zweiten Wahlgang geholt, rechnen Sie damit, bei den nächsten Wahlen von ihm angegriffen zu werden?

Breitenmoser: Das wird sich weisen. Es ist sein gutes Recht, jeder kann für ein Amt kandidieren. Ich finde es grundsätzlich nicht schlecht, dass Lukas Reimann jetzt zuerst die Exekutive kennenlernen will. Er bringt sehr viel Erfahrung aus der Legislative mit, aber die Exekutive ist nochmals ein anderes Paar Schuhe.

Nun geht es zunächst darum, sich in die neue Aufgabe einzuarbeiten. Was später politisch passiert, wird sich zeigen.

Redaktion: Sie sind gerade dabei, Ihr neues Büro einzurichten, welcher Gegenstand darf auf keinen Fall fehlen?

Breitenmoser: Ein ganz besonderes Geschenk ist ein selbst gebastelter Stiftehalter, auf dem «Best Papa» steht. Mein Sohn hat ihn mit fünf Jahren für mich gebastelt. Der wird in meinem neuen Büro ganz sicher zum Einsatz kommen.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.

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