Hilfsorganisation: Millionen Flüchtlinge vernachlässigt

Keystone-SDA
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Bern,

Millionen Vertriebene weltweit werden nach Einschätzung des Norwegian Refugee Council (NRC) von der internationalen Gemeinschaft weitgehend im Stich gelassen. In seinem jährlichen Bericht zu den am meisten vernachlässigten Vertreibungskrisen verweist das Hilfswerk auf erhebliche Lücken bei der internationalen Reaktion auf humanitäre Notlagen.

Flüchtlinge
Millionen Vertriebene weltweit werden nach Einschätzung des Norwegian Refugee Council (NRC) von der internationalen Gemeinschaft weitgehend im Stich gelassen. - keystone

«Das ist ein Beleg dafür, dass die Welt nicht auf Krisen reagiert, die für reiche Länder nicht als strategisch wichtig erachtet werden», sagt Jan Egeland, Generalsekretär des NRC. «Millionen von Menschen werden im Stich gelassen, weil wir uns entschieden haben, nicht zu handeln».

Der Bericht bewertet jede Krise anhand von vier Merkmalen: Medienberichterstattung, Finanzierung, politische Aufmerksamkeit und Ausmass der Vertreibung. Je niedriger die Punktzahl ausfällt, desto grösser ist die Kluft zwischen dem Ausmass des menschlichen Leids und der Angemessenheit der internationalen Reaktion. Hier einige Beispiele:

Der Sudan steht an der Spitze der diesjährigen Liste. Seit mehr als drei Jahren herrscht in dem afrikanischen Land ein blutiger Bürgerkrieg, mehr als elf Millionen Menschen sind innerhalb des Sudan und in den Nachbarstaaten auf der Flucht. Fast 29 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.

«Es ist unbegreiflich, dass sich eine Vertreibungskrise, die in ihrem Ausmass mit den Krisen in Syrien und der Ukraine auf dem Höhepunkt vergleichbar ist, nahezu unbeachtet weiter verschärfen kann», so Egeland. Während des Anstiegs des Hungers im Sudan seien im vergangenen Jahr Mittel gekürzt worden.

Die Demokratische Republik Kongo steht bereits zum zehnten Mal auf der NRC-Liste der am meisten vernachlässigten Krisen. Die UN gehen von mehr als sieben Millionen Binnenvertriebenen aus. Im rohstoffreichen Osten des Landes gibt es mehr als 100 bewaffnete Gruppen. Millionen Menschen mussten vor lokalen Warlords, einer islamistischen Miliz oder der M23 fliehen, die einen grossen Teil der Provinz Nord-Kivu kontrolliert und nach Einschätzung internationaler Experten vom Nachbarland Ruanda unterstützt wird. Nun ist die nordostkongolesische Provinz Ituri zudem das Zentrum des aktuellen Ebola-Ausbruchs.

Nach Angaben des NRC wurden 2025 lediglich 20 Prozent der für die Bewältigung der Krise im Land benötigten Mittel bereitgestellt – der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Vor zehn Jahren habe die internationale Gemeinschaft in der DR Kongo noch 55 US-Dollar (etwa 47 Euro) pro hilfsbedürftiger Person bereitgestellt, so das NRC. Inzwischen seien es nur noch 24 US-Dollar.

Auch Kolumbien zählt nach Einschätzung des NRC zu den am meisten vernachlässigten Vertreibungskrisen der Welt. Die humanitäre Lage hat sich zuletzt deutlich verschlechtert: Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erlebte das südamerikanische Land 2025 die schwersten Folgen bewaffneter Konflikte seit einem Jahrzehnt. Mehr als 235.000 Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben – doppelt so viele wie im Vorjahr.

Trotz des Friedensabkommens mit der Guerillaorganisation FARC von 2016 kontrollieren bewaffnete Gruppen weiterhin Teile des Landes, insbesondere in abgelegenen Regionen. Besonders betroffen sind indigene und afrokolumbianische Bevölkerungsgruppen an der Pazifikküste sowie in Grenzregionen. «67 Prozent aller Gemeinden [...] sind den illegalen Netzwerken und Gruppen ausgesetzt», sagte die Leiterin des Kolumbien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Kristin Wesemann.

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