Hausärzteverband: Tardoc benachteiligt die Hausarztmedizin
Der Verband der Haus- und Kinderärzte Schweiz hat den neuen Arzttarif Tardoc in einer Stellungnahme vom Donnerstag scharf kritisiert.

Der Haus- und Kinderärzteverband Schweiz kritisiert den neuen Arzttarif Tardoc. Die politisch angestrebte Aufwertung der Hausarztmedizin sei mit der Einführung nicht gelungen, während die Gesamtkosten im ambulanten Bereich deutlich stiegen, so der Verband.
Die Hausarztmedizin erfahre mit Tardoc keine Aufwertung und in einzelnen Kantonen sogar eine Abwertung, teilte der Hausärzteverband weiter mit. Demgegenüber stehe eine deutliche Kostensteigerung im gesamten ambulanten Bereich. Eine moderate Verbesserung zeige sich lediglich bei den Kinder- und den praktischen Ärztinnen und Ärzten.
Das bestehende tarifarische Ungleichgewicht zuungunsten der Grundversorgung drohe sich zu verschärfen. «Gesamthaft zeichnet sich unter Tardoc eine erhebliche Kostensteigerung ab, gleichzeitig ist die von allen Seiten geforderte Aufwertung der Hausärztinnen und Hausärzte ausgeblieben», wird Co-Präsidentin Monika Reber in der Mitteilung zitiert.
Verband lehnt lineare Abwertung ab
Wegen der Kostensteigerung seien Korrekturen zur Einhaltung der Kostenneutralitätsvorgaben des Bundesrats unumgänglich. Der Verband lehne jedoch eine lineare Abwertung über alle Fachrichtungen hinweg ab. Korrekturen müssten vielmehr gezielt dort ansetzen, wo die Tarife nicht sachgerecht seien, etwa bei überhöhten Minutagen (Minutenberechnungen), aber auch bei zu tief berechneten Infrastruktur- und Personalkosten.
Die Entwicklung sei ein fatales Signal an den ärztlichen Nachwuchs und verschärfe den Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten. «Ein Tarifsystem, das die Grundversorgung so klar benachteiligt, verschärft den Hausärztemangel, statt ihn zu bekämpfen», wird Co-Präsident Sébastien Jotterand in der Mitteilung zitiert.
Junge Ärztinnen und Ärzte würden sich gegen die Grundversorgung entscheiden, wenn diese Arbeit bei vergleichbarer Ausbildung und hoher Verantwortung wirtschaftlich weiterhin deutlich weniger attraktiv bleibe als andere Fachrichtungen, schreibt der Hausärzteverband.






