Hälfte der Spital-Infektionen liesse sich verhindern
Die Brandkatastrophe hat am Wochenende ein 41. Todesopfer gefordert. Es infizierte sich mit einem Spitalkeim. Gibt es in Schweizer Spitälern ein Problem damit?

Das Wichtigste in Kürze
- Am Samstag verstarb ein Brandopfer von Crans-Montana. Es litt an einer Spitalinfektion.
- In den letzten sechs Jahren kam es zu 200'000 solcher Infektionen und 9475 Toten.
- Die Hälfte der Spitalinfektionen würde sich vermeiden lassen, erklärt das BAG.
In der Silvesternacht kam es in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana zu einer Brandkatastrophe.
40 Menschen starben in den Flammen, 116 Personen wurden teils schwer verletzt. Am vergangenen Samstag verstarb – einen Monat nach der Katastrophe – eine der schwerverletzten Personen in Zürich im Spital.
Der 18-jährige Schweizer aus Lutry VD infizierte sich in seiner Zeit im Universitätsspital Zürich mit einem Spitalkeim. Und verstarb kurz darauf.
Nau.ch hat beim Bundesamt für Statistik nachgefragt: Wie viele Patientinnen und Patienten fangen sich in der Schweiz einen Spitalkeim ein?
Fast 9500 Menschen starben mit Spitalinfektion
Die Zahlen sind hoch. Von 2019 bis 2024 wurden mehr als 200'000 Spitalinfektionen verzeichnet.
Besonders tragisch: 9475 Menschen, die mit einem Spitalkeim infiziert waren, starben. Zwar gelten diese nicht als Todesursache, eine Ansteckung ist aber festgestellt worden.
Spitzenreiter in Sachen Spitalinfektionen sind der flächenmässig grösste Kanton Bern und der bevölkerungsreichste Kanton Zürich.
Bern verzeichnete 2024 insgesamt 5699 Spitalinfektionen und 276 Todesfälle, Zürich sogar 6647 Infektionen und 292 Todesfälle.
«Operationen und invasive Zugänge sind Risikofaktoren»
Das Inselspital in Bern erklärt, wie es dazu kommen kann: «Sogenannte ‹Spitalkeime› sind Mikroorganismen, die während eines Spitalaufenthalts Infektionen verursachen können.»
Diese Mikroorganismen seien jedoch nicht auf Spitäler beschränkt. «Sie können auch auf der Haut oder im Verdauungstrakt von gesunden Menschen auftreten, ohne Infektionen zu verursachen.»
Doch: «Bei schwerkranken Patient:innen mit geschwächter Immunabwehr können diese Keime zu Infektionen führen. Risikofaktoren für Infektionen sind auch komplexe Operationen und invasive Zugänge wie Katheter oder Implantate.»
Allerdings gebe es auch Infektionen, die beispielsweise über Hände übertragen würden, erklärt das Inselspital. Deshalb brauche es eine konsequente Basishygiene und Händehygiene sowie bei Infektion eine rasche Isolation.
«Bis zur Hälfte der Fälle lassen sich verhindern»
In Sachen Spitalkeime liege die Schweiz «im europäischen Mittelfeld», meint derweil das Bundesamt für Gesundheit (BAG).
Es seien rund sechs Prozent der Spitalpatientinnen und Spitalpatienten in der Schweiz, welche sich eine Infektion zuziehen würden.

Allerdings, so das BAG: «Bis zur Hälfte der Fälle lassen sich mit gezielten Massnahmen verhindern.»
Deshalb habe die Reduktion solcher Infektionen für den Bundesrat «eine hohe Priorität». Ziel sei es, «die Anzahl Infektionen bis 2030 auf fünf und bis 2035 auf vier Prozent zu senken».
«Bei einzelnen Keimen zeigt sich eine Zunahme»
Das Nationale Zentrum für Infektionsprävention (Swissnoso) und die Schweizerische Gesellschaft für Spitalhygiene (SGSH) erklären zur Senkungsstrategie: «Wichtig ist ein rationaler, gezielter Einsatz von Antibiotika.»
Durch Händedesinfektion und Isolierung infizierter Patienten lasse sich eine Ausbreitung verhindern. Auch «gute Reinigung und Desinfektion von Oberflächen und Geräten» sei entscheidend dafür, dass sich resistente Bakterien nicht weiterverbreiten würden.
Von den Spitalinfektionen betroffen seien vor allem ältere Menschen, erklären Swissnoso und die SGSH. Aber auch Menschen mit chronischen Krankheiten und geschwächtem Immunsystem seien anfällig für Spitalkeime.
Zwar sei in Schweizer Spitälern die Rate von Infektionen mit multiresistenten Keimen im Vergleich mit anderen europäischen Staaten eher tief. Aber: «Bei einzelnen Keimen zeigt sich im Verlauf der letzten Jahre eine Zunahme.»
«Wir erleben eine Zunahme von Ratsuchenden»
Das bestätigt auch die Schweizer Patientenorganisation SPO. Spitalkeime seien schon länger «ein Problem im Spital».
«Wir erleben eine Zunahme von Ratsuchenden zu dieser Thematik», so die SPO. Es gebe Anfragen von Patientinnen und Patienten, die sich eine Infektion zugezogen hätten.
Durch diese komme es teils zu Komplikationen. Patientinnen und Patienten hätten dann «den Verdacht, dass die Behandlung nicht korrekt war».
Auch angefragt wurde das Unispital Zürich, in dem letzte Woche das Brandopfer verstorben ist. Es teilte lediglich mit, aktuell keine Stellungnahme abzugeben und die Untersuchung der Behörden abzuwarten.
















