Goldach SG: Wie rüsten sich die Schulen nach dem Gross-Alarm?
Nach dem Grosseinsatz in Goldach SG: Die Schulen analysieren und ziehen eventuell Lehren. Metalldetektoren wie in den USA sind aber im Moment kein Thema.

Der Grosseinsatz der Kantonspolizei vorletzte Woche am Schulfest der Oberstufe Goldach hat die Gemeinde weit über den Abend hinaus beschäftigt.
Mehrere Hundert Schülerinnen und Schüler mussten während des Polizeieinsatzes im Schulhaus bleiben, nachdem Meldungen über eine Person mit einem Messer und schussähnliche Geräusche einen Grossalarm ausgelöst hatten.
Verletzt wurde niemand. Genau dieser Umstand prägt nun auch die Aufarbeitung.
Polizei: Ermittlungen dauern an
Bei der St. Galler Kantonspolizei gibt es derzeit keine neuen Erkenntnisse. Die Ermittlungen laufen weiter. Die Person, die von mehreren Menschen mit einem Messer gesehen worden war, wurde zunächst festgenommen, befindet sich inzwischen aber nicht mehr in Gewahrsam.
Offen ist nach wie vor, weshalb sie ein Messer bei sich trug und ob sie damit tatsächlich gedroht oder herumgefuchtelt hat. Das sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Fest steht gemäss Polizei jedoch, dass diese Person nichts mit den beinahe gleichzeitig wahrgenommenen schussähnlichen Geräuschen zu tun hatte. Diese stammen nach aktuellem Ermittlungsstand vermutlich von Pyrotechnik.
Schulsozialarbeit war gefragt
Für die Oberstufe Goldach stand in der vergangenen Woche vor allem die Verarbeitung des Erlebten im Zentrum. Schulpräsident Sandro Wasserfallen sagt, die Schulleitung habe unmittelbar nach dem Vorfall zunächst alle Lehrpersonen und anschliessend sämtliche Schülerinnen und Schüler informiert.
Das Thema wurde in den Klassenlehrerstunden besprochen. Zusätzlich fanden spezielle Klassenstunden statt, in denen die Ereignisse aufgearbeitet und Fragen beantwortet wurden.
Gleichzeitig machte die Schule darauf aufmerksam, dass sich Betroffene – ebenso wie Eltern oder Geschwister – an die Schulsozialarbeit wenden können. Dieses Angebot wurde genutzt: Bis Ende letzter Woche suchten rund 15 Kinder telefonisch oder persönlich das Gespräch mit der Schulsozialarbeit.
Eine kantonale Krisenintervention musste bislang nicht beigezogen werden. «Wäre die Belastung grösser gewesen, hätten wir diese Unterstützung angefordert», sagt Wasserfallen.
Was muss künftig anders laufen?
Trotz der aussergewöhnlichen Situation zieht Wasserfallen ein insgesamt positives Fazit. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Schulleitung, Lehrpersonen und Eltern habe ruhig und geordnet funktioniert. Dennoch will die Schule den Einsatz sorgfältig analysieren.
Während die strafrechtlichen Ermittlungen weiterhin laufen, richtet sich der Blick der Schule inzwischen nach vorne: Wie bereitet man sich auf einen solchen Ausnahmefall künftig noch besser vor – ohne das Schulleben grundlegend zu verändern? Geprüft wird unter anderem, ob das bestehende Notfallkonzept angepasst werden muss. Dabei geht es um Fragen wie: Müssen solche Szenarien künftig geübt werden?

Funktioniert die Notfall-App wie vorgesehen? Und welche Abläufe können im Ernstfall verbessert werden? Auch organisatorische Punkte stehen zur Diskussion.
So soll beispielsweise überprüft werden, ob bei grossen Schulanlässen künftig der Zugang für auswärtige Jugendliche stärker eingeschränkt werden soll. Konkrete Entscheide gibt es noch nicht. Die Auswertung soll mit etwas zeitlichem Abstand erfolgen, um aus den Erfahrungen gezielt Massnahmen abzuleiten.
Verstärkte Sicherheitskontrollen?
Nach dem Vorfall stellt sich auch die Frage, ob Schulfeste künftig nur noch mit Sicherheitskontrollen oder Metalldetektoren stattfinden sollen – ähnlich wie an manchen Schulen in den USA. Für Sandro Wasserfallen ist das nicht der richtige Weg. Man müsse den Grundsatz der Verhältnismässigkeit wahren.
Ziel sei es, sich auf die wesentlichen Vorbereitungsmassnahmen zu konzentrieren und nicht wegen eines Restrisikos das gesamte Schulleben zu verändern. «Es ist passiert, niemand wurde verletzt, und vieles hat gut funktioniert», sagt Wasserfallen. Gleichzeitig gelte es, aus dem Ereignis die richtigen Lehren zu ziehen.
Absolute Sicherheit gebe es nicht – und nicht alles liege in der eigenen Macht. Die Oberstufe Goldach will deshalb ihre Notfallplanung schärfen, hält aber am Grundsatz fest, dass auch grössere Schulanlässe weiterhin möglich bleiben sollen. Denn der Schulpräsident ist überzeugt: «Es ist leider so, dass bei weitem nicht alles, was in unserem Leben passiert, in unserer Macht steht.»
Kommunikation verbessern
Auch Schülerinnen und Schüler der Gemeinde Tübach waren an dem Anlass in Goldach. Gemeindepräsident Michael Götte bemängelt, dass die Kommunikation zwischen den Gemeinden an diesem Abend nicht optimal war und künftig überdacht werden müsse. So hätten sich zahlreiche besorgte Eltern, deren Kinder an dem Schulfest in Goldach waren, bei der Gemeinde Tübach gemeldet.
Doch auch dort wusste man nicht mehr als das, was man in den Medien lesen konnte. «Wir müssen als Partnergemeinden künftig einen besseren Austausch pflegen», so Götte. Auch habe er im Nachhinein erfahren, dass offenbar der Jugendraum in Mörschwil geschlossen wurde.
Der Jugendraum in Tübach hingegen blieb offen. Auch für den Anlass am Grümpelturnier seien keine Konsequenzen gezogen worden. «Dabei sind wir doch viel näher an Goldach als Mörschwil», meint Götte.
Keine Kontrollen wie in den USA
Grundsätzlich will man sich auch in Tübach Gedanken darüber machen, was dieses Ereignis für die Zukunft bedeutet. Ein Notfallkonzept mit Evakuierungsmassnahmen sei zwar vorhanden, allerdings «nur» auf dem Papier. Angedacht seien vermehrt «live»
Übungen zu verschiedenen Szenarien in Zukunft. Eine Abriegelung des Schulareals oder Sicherheitskontrollen wie in den USA kommen für den Tübacher Gemeindepräsidenten jedoch ebenfalls nicht infrage.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.








