Einsatz an Schulfest «war krass – wie in einem Terrorfilm»

Astrid Nakhostin
Astrid Nakhostin

Rorschach,

Ein vermeintlicher Schussalarm hat einen Grosseinsatz der Kantonspolizei St. Gallen in Goldach SG ausgelöst. Es sei wie «in einem Terrorfilm» gewesen.

Aus einem unbeschwerten Schulfest in Goldach wurde am Wochenende ein Polizei-Grosseinsatz.
Aus einem unbeschwerten Schulfest in Goldach wurde am Wochenende ein Polizei-Grosseinsatz. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Wegen einem vermeintlichen Schussalarm kam es in Goldach SG zu einem Polizei-Grosseinsatz.
  • Schwer bewaffnete Polizeikräfte rückten an, Strassen und Zufahrten wurden abgesperrt.
  • Laut einer Anwohnerin sei es «wie in einem Terrorfilm» gewesen.
  • Die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Ein vermeintlicher Schussalarm hat in der Nacht auf Samstag einen Grosseinsatz der Kantonspolizei St. Gallen in Goldach SG ausgelöst.

Wenige Minuten zuvor wurde noch gelacht, Musik gehört und gefeiert. Auf dem Areal des Oberstufenzentrums herrschte am Freitagabend eine ausgelassene Stimmung. Rund 300 Jugendliche feierten gemeinsam mit Eltern, Geschwistern und weiteren Gästen.

Das Wetter war sommerlich, die Stimmung entspannt. Zwischen 17.30 und 19.30 Uhr befanden sich nach Angaben von Schulpräsident Sandro Wasserfallen rund 400 bis 500 Menschen auf dem Areal und in den Gebäuden.

Plötzlich änderte sich alles

Dann, kurz nach 20.20 Uhr, änderte sich alles. Mehrere Notrufe gingen bei der Kantonspolizei St. Gallen ein. Die Meldungen sprachen von angeblichen Schüssen beim Oberstufenzentrum.

Nahezu gleichzeitig erreichte die Polizei eine weitere Meldung: Im Bereich der Schule soll eine Person mit einem Messer gesehen worden sein. Für die Einsatzkräfte war damit nicht mehr von einem gewöhnlichen Zwischenfall auszugehen. Es musste eine akute Gefahrenlage in Betracht gezogen werden.

Schulpräsident Sandro Wasserfallen war beim Polizeieinsatz vor Ort.
Schulpräsident Sandro Wasserfallen war beim Polizeieinsatz vor Ort. - zVg

Was folgte, war ein Grosseinsatz, der Goldach während Stunden in Atem hielt. Schwer bewaffnete Polizeikräfte rückten an, Strassen und Zufahrten wurden abgesperrt. Drohnen kamen zum Einsatz, ebenso ein Super Puma.

Auch Polizeikräfte aus benachbarten Kantonen wurden aufgeboten. Für die zu diesem Zeitpunkt noch rund 300 Anwesenden auf dem Schulareal begann eine lange Nacht.

Von der Feier zum Warten

Schulpräsident Sandro Wasserfallen hatte das Fest zum Zeitpunkt des Alarms bereits verlassen. Als ihn die Nachricht über den Polizeieinsatz erreichte, machte er sich umgehend wieder auf den Weg zum Oberstufenzentrum. Dort waren bereits erste Polizeikräfte eingetroffen.

Wasserfallen wurde zur Einsatzleitung begleitet. Die Situation sei für manche Anwesende zu Beginn nur schwer einzuschätzen gewesen. «Es brauchte viel Energie, um die Leute in die Gebäude zu bringen», sagt er.

Nicht alle hätten im ersten Moment die Tragweite der Situation erkannt. Doch das änderte sich rasch. Das gesamte Schulareal wurde gesichert und abgesperrt.

Die Polizei wies Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen an, sich in den Gebäuden aufzuhalten. Die Menschen wurden in der Aula und weiteren Räumlichkeiten untergebracht. Draussen warteten unterdessen Eltern auf ihre Kinder.

«Ich blickte dort zum Teil in sehr besorgte Gesichter», sagt Wasserfallen. Die Verantwortlichen hätten deshalb alles darangesetzt, Ruhe zu bewahren. Die Eltern wurden informiert, dass ihre Kinder in Sicherheit seien, sie aber vorerst nicht zu ihnen dürften.

Polizei-Grosseinsatz in Goldach.
Schwer bewaffnete Polizeikräfte rückten an. - zVg

Auch über Lautsprecher wurden Informationen weitergegeben. Drinnen sei die Stimmung erstaunlich ruhig geblieben. Doch die Zeit zog sich.

«Sie waren rund fünf Stunden im Innenteil und konnten diesen nicht verlassen», sagt Wasserfallen. Für die Eingeschlossenen wurde Verpflegung organisiert.

Kein Risiko eingehen

Für die Kantonspolizei war die Situation zu diesem Zeitpunkt alles andere als eindeutig. Mehrere Personen hatten unabhängig voneinander von Schüssen berichtet. Auch Wasserfällen selbst hatte einen Knall gehört.

Gleichzeitig lag die Meldung über eine Person mit einem Messer vor. Die Polizei musste deshalb verschiedene Szenarien in Betracht ziehen. Mehrere Patrouillen und Spezialeinheiten wurden zusammengezogen.

Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt und die Situation aus der Luft überprüft. Schritt für Schritt wurde der abgesperrte Bereich ausgeweitet. Der Schulpräsident spricht von einem «hochprofessionellen»

Einsatz. Die Polizei habe zunächst die Lage analysiert und anschliessend immer weitere Bereiche gesichert. Der Polizeieinsatz stand auch vor dem Hintergrund der tragischen Schiesserei an der Rave Parade in Aarau.

Eine Meldung über Schüsse bei einer Veranstaltung mit mehreren Hundert Jugendlichen musste von der Polizei sehr ernst genommen werden. Solange nicht zweifelsfrei feststand, was tatsächlich passiert war, herrschte deshalb vermutlich höchste Alarmbereitschaft.

«Wie in einem Terrorfilm»

Nicht nur für die Menschen im Schulhaus war die Situation beunruhigend. Auch die Anwohnerinnen und Anwohner bekamen den Grosseinsatz unmittelbar mit.

Hast du schon einmal einen Polizei-Grosseinsatz erlebt?

Eine Anwohnerin erzählt, ihre Kinder hätten das Geschehen von zu Hause aus beobachten können. «Es war schon krass», sagt sie. «Irgendwie war alles wie in einem Terrorfilm.»

Sie und ihr Mann waren zu diesem Zeitpunkt unterwegs und wollten gegen 1 Uhr nach Hause zurückkehren. Doch der direkte Weg war versperrt.

«Ganz Goldach war abgeriegelt»

An den Kreuzungen seien Polizisten in voller Montur, mit Waffen und Schutzausrüstung gestanden. Das Paar liess das Auto schliesslich ausserhalb des abgesperrten Bereichs stehen und versuchte, zu Fuss weiterzukommen.

Doch auch das war zunächst nicht möglich. «Niemand durfte in die Nähe der Schule und des Feuerwehrdepots.» Erst über grosse Umwege erreichten die beiden gegen 2 Uhr morgens ihre Wohnung.

Die Schüsse waren Böller

Während sich draussen das Polizeiaufgebot weiter hinzog, liefen im Hintergrund die Ermittlungen. Dann kam die entscheidende Entwarnung. Nach Angaben der Kantonspolizei St. Gallen gibt es keine Hinweise darauf, dass am Freitagabend Schüsse abgegeben wurden.

Die Knallgeräusche stammten von Böllern. Wer diese gezündet hat, ist weiterhin unbekannt. Damit bestätigte sich das zunächst befürchtete Szenario einer Schusswaffenlage nicht.

Die Gefahr, von der während Stunden ausgegangen werden musste, hatte sich zum Glück nicht bewahrheitet. Eine zweite Meldung beschäftigte die Polizei jedoch weiterhin.

Jugendlicher mit Messer ermittelt

Noch in derselben Nacht konnte die Kantonspolizei einen 15-jährigen Schweizer ermitteln. Er steht im Verdacht, am Abend im Umfeld des Schulfestes mit einem Messer aufgetaucht zu sein. Was genau passiert ist, wird nun unter der Leitung der Jugendanwaltschaft abgeklärt.

Schwer bewaffnete Polizisten durchsuchten das Gebäude.
Schwer bewaffnete Polizisten durchsuchten das Gebäude. - zVg

Insbesondere ist offen, ob und in welcher Form der Jugendliche Personen bedroht oder erschreckt hat. Fest steht: Er wurde nicht festgenommen. Nach Angaben der Kantonspolizei gibt es bislang auch keine Hinweise darauf, dass er jemanden mit dem Messer verletzen wollte.

Zwischen dem Jugendlichen und den Böllern besteht nach aktuellem Kenntnisstand kein Zusammenhang. Erst als die Einsatzkräfte das Gelände umfassend überprüft hatten, konnte die Evakuierung beginnen. Gegen 1.30 Uhr wurde die Aula geräumt.

Die Jugendlichen wurden nach draussen begleitet und über festgelegte Wege nach Hause geschickt. Dort warteten ihre Eltern. Nach rund fünf Stunden war die Ausnahmesituation damit vorbei.

Für Schulpräsident Sandro Wasserfallen bleibt vor allem die Erleichterung, dass niemand verletzt wurde. «Gott sei Dank ist es glimpflich über die Bühne gegangen. Doch auch wenn am Ende keine Schüsse gefallen waren, dürfte diese Nacht bei vielen Beteiligten noch länger nachwirken.»

Am Montag wurden die Ereignisse in den Klassen thematisiert. Die Lehrpersonen wollen die Stimmung unter den Schülerinnen und Schülern weiterhin beobachten. Wer sich durch das Erlebte stark betroffen fühlt, kann sich an die Schulsozialarbeit wenden.

Ermittlungen laufen noch

Auch die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Offen bleibt insbesondere, wer die Böller gezündet hat und wie es zu den Meldungen über die Schüsse kam.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.

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Kommentare

User #1388 (nicht angemeldet)

Ob es wirklich notwendig war die besucher derart lange festzuhalten, stelle ich hier mal in frage.

User #5944 (nicht angemeldet)

Terrorfilm?? Nein!! Nur der Alltag der Schweiz.

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