«Gibt keine Aufgabe, die ich nicht gerne mache»
Die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit ist vielseitig und anspruchsvoll. Selina Hafner und Annika Langen absolvieren sie im Alterszentrum Churfirsten.

Für Selina Hafner und Annika Langen war bei der Berufswahl vor allem eines entscheidend: Sie möchten Menschen helfen. Gleichzeitig interessierten sich beide für medizinische Themen. «Als Fachperson Gesundheit haben wir eine gute Kombination aus dem Medizinischen und der Betreuung», erklärt Selina.
Die 17-Jährige befindet sich aktuell im zweiten von insgesamt drei Lehrjahren. Besonders schätzt sie den direkten Kontakt mit den Bewohnenden: Sie hilft ihnen im Alltag und verbringt Zeit mit ihnen. Annika, im dritten Lehrjahr, gefallen vor allem die Aktivierungen.
Dabei handelt es sich um Übungen und Spiele, welche die Motorik und das Gedächtnis fördern. «Zum Beispiel sagen wir den ersten Teil eines Sprichworts und die Bewohnenden müssen es vervollständigen», erzählt die 18-Jährige. Auch gemeinsames Puzzeln gehört dazu.
Abwechslung gehört dazu
Im Alterszentrum Churfirsten gibt es drei Pflegestationen, darunter eine Station für Bewohnende mit demenzieller Entwicklung und Weglaufgefahr. Damit die Lernenden möglichst viele Erfahrungen sammeln, wechseln sie alle zwölf Monate die Station.

So lernen sie unterschiedliche Bereiche, Abläufe und Bewohnende kennen. Insgesamt absolvieren derzeit fünf Lernende ihre Ausbildung im Alterszentrum in Nesslau.
Vier davon machen die reguläre dreijährige Ausbildung, eine Person absolviert die verkürzte Variante. Wenn es die Möglichkeiten zulassen, werden Lernende nach ihrem Abschluss auch weiterbeschäftigt.
Auch wenn der Tagesablauf im Alterszentrum eigentlich immer derselbe ist, so sind die Tätigkeiten sehr abwechslungsreich: Der Tag beginnt mit der Morgenpflege und dem Frühstück. Danach stehen Aktivierungen und das Mittagessen auf dem Programm.
Am Nachmittag haben die Bewohnenden Zeit für eine Ruhepause, anschliessend gibt es ein Dessert und weitere Aktivierungen. Nach dem Abendessen wird die Nachtruhe vorbereitet. «Es gibt keine Aufgabe, die ich nicht gerne mache», sagt Annika. Gerade diese Abwechslung gefällt ihr und Selina.
Nicht alles ist einfach
Zum Berufsalltag gehören jedoch auch schwierige Momente. Besonders belastend ist es für Annika, wenn sich der Zustand eines Bewohnenden verschlechtert: «Wenn jemand beispielsweise dement wird, ich aber weiss, wie die Person davor war, ist das nicht einfach.»
Zudem hatte sie am Anfang Mühe, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner gestorben ist: «Das ging mir sehr nahe. Ich habe mir dann aber immer gesagt, dass sie bei uns ein schönes Lebensende verbringen durften und wir ihnen ihr Leiden erleichtert haben.»
Ausserdem haben die Lernenden jederzeit die Möglichkeit, mit der Stationsleitung über solche Themen zu sprechen. Daneben gibt es natürlich auch schulische Herausforderungen. Für Selina war besonders das erste Lehrjahr schwierig.
«Alles war neu. Ich kannte den Ablauf im Betrieb nicht, in der Schule gab es viele neue Fachbegriffe», erzählt sie. Mit der Zeit fand sie sich jedoch besser zurecht.
Dabei merkte sie auch, dass sich das Gelernte aus der Schule nicht immer eins zu eins auf die Praxis übertragen lässt. «Wir müssen auf die einzelnen Bedürfnisse eingehen und können nicht einfach jedes Schema aus der Schule genau so übernehmen», sagt Selina.
Mit Empathie und Fachwissen
Für den Beruf braucht es ihrer Meinung nach deshalb nicht nur Fachwissen. Selina und Annika nennen körperliche und emotionale Belastbarkeit, Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft und Teamfähigkeit als wichtige Eigenschaften.

Ebenso wichtig sei eine professionelle Distanz. Schliesslich müsse man lernen, schwierige Erlebnisse nicht mit nach Hause zu nehmen.
Umso grösser ist die Freude, wenn eine Aufgabe gelingt und die Arbeit von den Bewohnenden oder Betreuenden geschätzt wird. Besonders positives Feedback bedeutet den beiden viel. «Es ist immer schön zu hören, dass man eine gute Pflegerin ist», sagt Annika.
Sie schätzen es zudem, mit ihrer Arbeit direkt zur Lebensqualität der älteren Menschen beizutragen. Ein wichtiger Teil ihrer Aufgabe sei es, die Bewohnenden dabei zu unterstützen, möglichst lange selbstständig zu bleiben und alltägliche Dinge eigenständig zu erledigen.
Auch ihre Zukunft haben die beiden bereits im Blick. «An oberster Stelle steht ganz klar der Abschluss», sind sie sich einig. Anschliessend möchten beide zunächst einige Jahre Berufserfahrung sammeln.
Annika hat darüber hinaus einen besonderen Wunsch: Sie könnte sich vorstellen, später für ein Jahr nach Spanien oder Kanada zu gehen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Toggenburger Zeitung» erschienen.








