In der Stadt Bern ist es zu einem Anstieg an Gewalt von Teenagern und jungen Erwachsenen gegen ihre Eltern gekommen. Der Fall einer frustrierten Jugendlichen.
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Wegen des Coronavirus ist es in der Stadt Bern vermehrt zu Fällen häuslicher Gewalt gekommen. (Symbolbild) - dpa-infocom GmbH
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Gewalt durch Jugendliche und junge Erwachsene an ihren Eltern nimmt in Bern zu.
  • Nau.ch liegt der Fall einer 17-Jährigen vor, die im Lockdown gewalttätig wurde.

Die Stadt Bern registriert immer mehr Fälle von Gewalt durch Jugendliche und junge Erwachsene gegen ihre Eltern. Die Anzahl ist in den letzten vier Jahren kontinuierlich gestiegen. Besonders im Komplett-Lockdown im Frühling 2020 wurden viele Fälle gemeldet: Das Coronavirus brachte auch zwischenmenschliche Probleme.

Ester Meier, Leiterin des Stadtberner Amts für Erwachsenen- und Kindesschutz (EKS) sagt: «In der Corona-Zeit wurden Jugendliche gegenüber ihren Eltern öfter gewalttätig.» Die Stadt Bern legt Nau.ch den Fall einer Teenagerin vor, die gegenüber ihrer Mutter handgreiflich wurde.

Die Familie möchte anonym bleiben.

Junge Frau lässt Lehrstellen-Frust an Mutter aus

Eine Mutter meldet sich bei der Stadtberner Fachstelle Häusliche Gewalt wegen ihrer 17-jährigen Tochter, die noch zu Hause lebt. Die Situation zu Hause ist angespannt. Die Mutter ist sehr belastet von der schwierigen Situation.

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Das Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz der Stadt Bern berichtet über eine junge Frau, die aus Lehrstellen-Frust tätlich wurde. (Symbolbild) - Keystone

Die Tochter steckt zurzeit in einer persönlichen Krise. Ihre Lehre wurde pausiert, da ihr Lehrbetrieb, ein Restaurant, vorübergehend geschlossen wurde. Die Unsicherheit, ob die Lehre abgeschlossen werden kann und sie eine Stelle finden wird, belastet sie.

Was für Entspannung essenziell wäre, ist im Moment nicht möglich – es fehlt der Ausgleich in der Freizeit. Clubs und Freizeitanlagen sind geschlossen, Sport ist nur noch eingeschränkt möglich. Wegen des Coronavirus sind ihre sozialen Kontakte stark eingeschränkt.

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Dazu kommt: Die Eltern arbeiten im Homeoffice, die Platzverhältnisse sind eng. Alle Familienmitglieder halten sich mehr oder weniger in der Wohnung auf.

Tochter wirft mit Gegenständen um sich

Die Mutter gelangt an ihre Grenzen. Übermässiger Medienkonsum und sozialer Rückzug: Die Tochter ist nicht mehr erreichbar für ihre Eltern. Stellen sie Forderungen wie zum Beispiel das Beteiligen bei der Hausarbeit, reagiert die 17-Jährige aggressiv mit Beschimpfungen und Beleidigungen.

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Übermässiger Medienkonsum und sozialer Rückzug: Die junge Bernerin war für ihre Eltern nicht mehr erreichbar. (Symbolbild) - Pixabay

Sie wirft Gegenstände in der Wohnung herum. Die Situation spitzt sich zu und es kommt zu Handgreiflichkeiten wie Schubsen.

Überforderte Mutter meldet sich bei Gewalt-Fachstelle

Die Mutter fühlt sich überfordert und hilflos, sucht nach Unterstützung bei der Fachstelle Häusliche Gewalt. «Im gemeinsamen Gespräch mit der Mutter besprechen wir Verhaltenstipps für eine gewaltfreie Kommunikation. Wir geben Tipps, wie zuspitzende Konfliktsituationen entspannt werden können», schreibt die Fachstelle.

«Zusammen mit der Mutter schauen wir zudem, was sie schon unternommen hat.» Weiter spreche man mit der Mutter darüber, wo die Tochter stehe und welche Unterstützung die Betroffenen in Anspruch nehmen könnten.

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Die Fachstelle Häusliche Gewalt begleitet Betroffene, bis sich die Situation entspannt. (Symbolbild) - Pixabay

«Wir vernetzen die Beteiligten dazu auch mit anderen Beratungsstellen», so die Fachstelle weiter. «Wir begleiten die Mutter in diesem längeren Prozess.» Und das, bis sich die Situation entspanne und Lösungsoptionen gefunden worden seien.

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Brauchen Sie Hilfe?

Falls Sie oder eine Person aus Ihrem Umfeld eine ähnliche Situation erlebt haben, wenden sie sich an die Beratungsstelle in Ihrem Kanton.

Rufen Sie in akuten Situationen die Polizei unter der Telefonnummer 117.

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