Für die Caritas tut die Schweiz zu wenig gegen Erwerbsarmut
Angesichts der bevorstehenden Erhöhung der Krankenkassenprämien hat Caritas Schweiz den Umgang mit armutsbetroffenen Erwerbstätigen kritisiert. Laut dem Hilfswerk verdienen fast 360'000 Menschen in der Schweiz trotz Arbeit nicht genug zum Leben.

Das entspricht 8,8 Prozent aller Erwerbstätigen, wie Caritas Schweiz am Montag mitteilte. Damit sei die Zahl der von Erwerbsarmut betroffenen Personen so hoch wie noch nie seit der Einführung einer neuen Messmethode im Jahr 2014. Zähle man die im selben Haushalt lebenden Angehörigen dazu, seien über 820'000 Menschen betroffen.
Dennoch werde das Problem der sogenannten Working Poor in der Schweiz «chronisch unterschätzt», machte die Caritas geltend. In einem neuen Positionspapier schlug das Hilfswerk deshalb «gezielte Massnahmen» vor, darunter einen gesetzlichen Mindestlohn sowie genügend hohe und planbare Arbeitspensen. Hier seien auch die Arbeitgeber über Gesamtarbeitsverträge in der Verantwortung.
Als weiteres Instrument nannte die Caritas Familien-Ergänzungsleistungen, wie sie bereits fünf Kantone kennen. Diese sollen Eltern unterstützen, deren Einkommen nicht für den Familienunterhalt reicht. Zudem schlug das Hilfswerk sogenannte Arbeitsmarktstipendien vor. Diese sollen Working Poor eine berufsorientierte Weiterbildung ermöglichen, indem sie auch den Erwerbsausfall und allfällige Betreuungskosten decken.
Besonders von Erwerbsarmut gefährdet sind laut der Caritas zum Beispiel Alleinerziehende und Personen ohne nachobligatorische Ausbildung. Diese Haushalte litten oft unter Mehrfachbelastungen wie prekären Arbeitsbedingungen, teuren Mieten oder gesundheitlichen Problemen. Rund die Hälfte der Betroffenen lebe in einem Haushalt mit Kindern.










