FDP-Politiker geht Drama an Aarauer Rave «unter die Haut»
Reto Weiss geht gerne auf Technopartys. Der Amok-Tag an der Aarauer Rave-Party geht dem FDP-Politiker nicht nur deshalb besonders nahe.

Das Wichtigste in Kürze
- Er habe die schreckliche Nachricht gleich seiner Kollegin weitergeleitet, sagt Reto Weiss.
- Vor einem Jahr feierte der FDP-Politiker selbst am Aarauer Rave.
- «Die Party damals war schön und friedlich», erinnert er sich.
Maria S.* war ein Technofan. Habe es irgendwo einen Rave gegeben, sei sie hingegangen, sagt ein Nachbar dem «Corriere della Sera». Vom Aarau-Rave in der Reithalle in Schachen AG kehrte die 22-jährige Italienerin nicht mehr zurück.
Sie wurde von einem Amok-Täter getötet. Sechs Personen erlitten teilweise schwere Verletzungen.
Auch Reto Weiss geht gerne auf Technopartys. Das Drama geht ihm nicht nur deshalb besonders nahe.
Weiss besucht drei Partys pro Jahr
Als der 30-Jährige Zuger am Sonntagmorgen von der Schiesserei erfuhr, kontaktierte er eine Kollegin. «Ich leitete ihr die schreckliche Nachricht gleich weiter», sagt Weiss zu Nau.ch. «Genau vor einem Jahr besuchten wir den Rave in Schachen selbst.»
Weiss arbeitet in einem Maschinenbauunternehmen und kandidiert im Oktober für den Grossen Gemeinderat der Stadt Zug. Mit elektronischer Musik wie Techno und House kann er sich gut entspannen. Rund dreimal pro Jahr besucht der Zuger eine Rave-Party.
Neben der Street Parade stehen für Weiss jeweils auch kleinere Festivals in der Region auf dem Programm. Diesen Sommer besuchte er das Tech am See in Cham ZG. Hin und wieder feiert er auch auf Technopartys im Ausland, zum Beispiel dem Tomorrowland Belgium.
«Geht unter die Haut»
«Was am Rave in Aarau passierte, geht unter die Haut», sagt Weiss. Auch hätte er dort niemals mit einem solch schrecklichen Ereignis gerechnet. «Die Party damals war schön und friedlich», erinnert er sich.
Viele junge, aber auch ältere Leute hätten dort gefeiert. «Es gab keine Leute, die negativ auffielen.» Auch habe er das Gefühl gehabt, dass die Gäste aufeinander Rücksicht genommen hätten. «Wäre es jemandem zum Beispiel schlecht gegangen, hätte man die Person angesprochen.»
Der Konsum von Drogen ist auf Techno-Partys und Raves besonders verbreitet. «Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass es sicher auch Gäste hatte, die Drogen konsumierten», sagt Reto Weiss. Jemanden dabei beobachtet habe er an diesem Abend aber nicht. «Da Drogen bei mir selbst kein Thema sind, bekäme ich es wohl ohnehin nicht mit.»
«Es gab eine Gepäckkontrolle»
Am Aarauer Rave fühlte sich Reto Weiss sicher. «Beim Eingang gab es eine Gepäckkontrolle», sagt er. Er könne sich deshalb nicht vorstellen, dass jemand verbotene Gegenstände dort reinschmuggeln könne. Während des Raves sei die Security zudem immer präsent gewesen.
Dies bestätigt Nico Hajdaraj, Geschäftsführer des zuständigen Sicherheitsdienstes 360 Grad Security, gegenüber «Tele M1». «Die Taschen jedes Gastes werden durchsucht, damit keine Waffen in das Festival geschmuggelt werden können», sagt er.
Der Veranstalter der Rave-Party verteidigt das Sicherheitskonzept auf dem Gelände.
«Einen bewaffneten Angriff auf eine grosse Menschenmenge kann man höchstens mit einem riesigen Polizeiaufgebot verhindern.» Dies sagte Olivier Grein, Chef von Urban Agency Events. «Wenn es aber einen solchen Angriff von aussen gibt, wüsste ich nicht, was wir tun könnten.»
«Würde wieder an Aarauer Rave gehen»
Der Rave endete am Sonntag gegen halb drei Uhr morgens. Als die Besuchenden das Gelände verliessen, eröffnete ein 43-Jähriger Schweizer das Feuer auf eine Personengruppe.
Öffentliche Organe dürfen im Kanton Aargau öffentlich zugängliche Räume mit Kameras überwachen. Voraussetzung ist eine entsprechende Bewilligung.
Aus Datenschutzperspektive gebe es viele Herausforderungen mit Überwachungskameras, sagt Reto Weiss. Sollten Kameras bei der Identifikation des Verdächtigen aber geholfen haben, müsse man die Lehren daraus ziehen. «Dies würde bestätigen, dass die Kameras in der Kriminalitätsbekämpfung sinnvoll sind.»
Matthias Schildknecht, Gesamteinsatzleiter der Sonderlage, gab an einer Medienkonferenz am Mittwoch Details zu den Ermittlungen bekannt. Über 100 Fahrzeuge seien aufgund der Beschreibung als mögliches Tatfahrzeug infrage gekommen, sagte er. «Aufgrund ausgewerteter Videoaufnahmen konnte diese Anzahl im weiteren Verlauf auf wenige Fahrzeuge eingegrenzt werden.»
Die Freude an Rave-Partys hat Reto Weiss trotz des Amoklaufs nicht verloren. Er sagt: «Ich würde wieder an den Aarauer Rave gehen. Ein Restrisiko gibt es bei jedem Event.»
*Name der Redaktion bekannt.

















