Immer häufiger wird Bargeld als Zahlungsmittel nicht akzeptiert. Ein ZHAW-Experte erklärt, wie sich eine Abschaffung auswirken kann.
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Immer seltener bezahlen die Kunden mit Bargeld. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt immer mehr Orte, an denen Bargeld als Zahlungsmittel nicht mehr akzeptiert wird.
  • Strikt bargeldlos Bezahlen? Dies wird gemäss Umfrage aber mehrheitlich abgelehnt.
  • Experte Marcel Stadelmann ordnet ein, wie es um die Zukunft des «Münz» steht.

An diversen Weihnachtsmärkten in Zürich kann nur noch bargeldlos bezahlt werden. Gleichzeitig bezeichnet die SBB den Ticketverkauf an Automaten als Auslaufmodell. Der Präsident der Alliance SwissPass, René Schmied, geht davon aus, dass ab 2035 nur noch die wenigsten Bargeld nutzen werden.

Ist Bargeld wirklich ein Auslaufmodell? Nein – sagt jetzt ein Experte.

Für Marcel Stadelmann ist klar, dass Bargeld noch so lange lebt, wie ein grosser Teil der Bevölkerung darauf pocht.

Der Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erklärt auf Anfrage: «Mehr als 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung stehen einer Abschaffung von Bargeld kritisch gegenüber.»

Rund 40 Prozent, also fast die Hälfte, würden eine Abschaffung von Bargeld sogar klar ablehnen. Das zeige eine Erhebung im Rahmen des Swiss Payment Monitors.

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Die Kreditkarte hat in der Pandemie massiv an Bedeutung gewonnen. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Für Stadelmann steht fest, dass diese 40 Prozent der Schweizer grossen Widerstand leisten würde, sobald sich erste Unternehmen für eine Bargeld-Abschaffung entscheiden. «Deshalb werden sich viele Händler davor hüten, dieses Reputationsrisiko einzugehen und werden vorläufig weiterhin Bargeld akzeptieren», so der Spezialist für Customer Experience und Service Design.

Die Abschaffung von Bargeld wird laut Stadelmann erst zum Thema, wenn der Widerstand kleiner wird. Dies könne beispielsweise durch Verschiebungen in den Generationen oder ausserordentliche Ereignisse wie die Corona-Pandemie passieren.

Gefahren der Bargeld-Abschaffung

Doch reines Zahlen mit Kärtli, Twint & Co. birgt auch Risiken. Stadelmann nennt etwa technologische Abhängigkeit und die Gefahr vor Hacker-Angriffen. Datenschutz sei deshalb besonders wichtig, warnt er. Nur so könne der Missbrauch von Daten verhindert und das Vertrauen in bargeldlose Bezahlung gewährleistet werden.

Würden sie komplett auf das Bezahlen mit Bargeld verzichten?

Zudem könne ein fehlendes Gefühl für «Wertigkeit» dazu führen, dass Konsumierende mehr Geld ausgeben und sich somit verschulden. Denn der «Bezahlschmerz» ohne Bargeld in der Hand sei kleiner.

Auch ältere Generation bezahlt immer mehr digital

Stadelmann sieht aber auch positive Aspekte im bargeldlosen Bezahlen. «Ein Aussterben von Bargeld erschwert die Geldwäsche von kriminellen Geldern.» Auch das Diebstahlrisiko könne reduziert werden, weil die Konsumenten kein Bargeld mit sich herumtragen müssen. Zudem sei es schneller und effizienter, ohne Cash zu bezahlen.

Doch wie würde die Generation 60+ mit einer Abschaffung von Bargeld umgehen? Marcel Stadelmann sieht in diesem Bereich längerfristig keine grossen Hindernisse: «In der Generation 60+ nutzen mehr als 80 Prozent bereits regelmässig Debit- oder Kreditkarte».

Twint App Handy Spenden
Die App Twint ermöglicht es, digital Geld auszugeben. - keystone

Insbesondere bei den 45- bis 59-Jährigen würde sich in den letzten Jahren ein starkes Wachstum des mobilen Bezahlens zeigen. Die Corona-Pandemie habe mobile Zahlungsmittel wie Twint und auch das Bezahlen mit dem Smartphone gefördert.

Dennoch würde ein Abschaffen von Bargeld die Generation 60+ am stärksten treffen, so der Experte: «In der kurzen Frist wäre die ältere Generation sicherlich am stärksten beeinträchtigt, wenn Bargeld an verschiedenen Orten nicht mehr akzeptiert würde».

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