Experten zu US-Zwischenwahlen: Regieren für Trump wird schwieriger

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    Zürich,

    In den USA zeichnet sich bei den Zwischenwahlen ein fulminanter Sieg der Demokraten ab. Damit dürfte es für die regierende Parteien von US-Präsident Donald Trump schwieriger werden, bestimmte Vorhaben einfach umzusetzen. Dies könnte auch wirtschaftliche Folgen haben. Experten geben hierzu erste Einschätzungen.

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    US-Präsident Donald Trump. - keystone

    MIGROSBANK, Santosh Brivio: Die ersten Resultate der US-Midterms sprechen für einen Machtverlust der Republikaner. Aktien und Dollar geben nach, Anleihen legen zu. Für die Schweiz zeichnet sich dennoch keine Entwarnung ab: Der Franken erstarkt, das Zollrisiko bleibt. Ökonomisch wäre dieses Ergebnis vor allem eine Blockade: Trump bleibt im Weissen Haus, verlöre aber den parlamentarischen Rückhalt für zusätzliche Steuersenkungen und grosse Ausgabenprogramme. Die Inflation kann durch die Wähler aber nicht abgewählt werden – hohe Energiepreise und die Folgen des Iran-Kriegs bleiben bestehen. Bei Aktien gerät gemäss ersten Indikationen insbesondere Technologie unter Druck, weil Anleger Abstriche an Trumps Deregulierungs- und Investitionsagenda einpreisen. Während US-Staatsanleihen profitieren, verliert der Dollar gegenüber dem Franken an Wert. Die Schweiz erhält mit diesem Wahlausgang vorerst keine verlässlichere Geschäftsgrundlage, sondern eine neue Mischung bekannter Risiken. Weniger parlamentarischer Spielraum für Trump heisst nicht automatisch weniger Handlungsspielraum in seiner Handelspolitik.

    VP BANK, Thomas Gitzel: Es ist ein blauer Tsunami. Eine «geteilte Regierung», also dass der Präsident mit seiner Partei nicht beide Kongresskammern dominiert, war in der Vergangenheit eher die Regel als die Ausnahme. Dabei waren dies für die Wirtschaft und auch für die Finanzmärkte gute Zeiten. An den Finanzmärkten sorgt man sich wohl um eine stärkere Regulierung des KI-Sektors durch die Demokraten. Anleger sollten die erste Reaktion an den Finanzmärkten nicht überinterpretieren. Für die Aktienmärkte war es historische betrachtet nämlich nicht so entscheidend, wer wie viele Sitze gewinnt oder verliert. Denn in den letzten 75 Jahren gab es gemäss unserer Analyse in den 100 Tagen nach den Midterms immer ein Plus, und zwar ein kräftiges. Positiv zu werten ist auch die erste Reaktion von Donald Trumps der New York Times gegenüber, wonach er das Ergebnis akzeptieren werde und die Zusammenarbeit mit dem Demokraten suchen werden. Unruhen sind demnach nicht zu erwarten, was für die Finanzmärkte ebenfalls positiv wäre.

    VONOTBEL, Jean-Philippe Bertschy: Die US-Wahlen könnten dem defensiven Profil des Schweizer Aktienmarkts grundsätzlich zugutekommen. Ein stärkerer Franken könnte diesen Vorteil allerdings vorübergehend begrenzen. Befürchtungen hinsichtlich einer strengeren Regulierung von KI und Einschränkungen beim Ausbau von Rechenzentren könnten Schweizer Industrie- und Technologieunternehmen belasten. Bislang schlagen sich die Auswirkungen vor allem in der Marktstimmung nieder und weniger in konkreten Anpassungen der Gewinnprognosen. Entscheidend für die längerfristigen Folgen wird letztlich die Umsetzung der politischen Vorhaben sein – und nicht allein der Wahlausgang.

    IG, Salah-Eddine Bouhmidi: Mit klareren Mehrheitsverhältnissen könnte zumindest die wahlbedingte Unsicherheit nachlassen. Die geopolitischen Risiken bleiben jedoch bestehen. Insbesondere der Iran-Konflikt und eine mögliche Eskalation im Nahen Osten dürften Anleger weiterhin beschäftigen. Für den mittelfristigen Aktienmarktausblick macht die Historie Mut: Nach allen elf US-Zwischenwahlen zwischen 1982 und 2022 stand der S&P 500 zwölf Monate später höher – durchschnittlich um rund 14 Prozent.

    SWISSQUOTE, Ipek Ozkardeskaya: Die Märke reagieren weltweit auf den Wahlausgang. Besonders Indizes mit hoher Tech-Gewichtung kommen unter Druck. Grund sind Befürchtungen, dass die KI-Branche wegen ihrer Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Umwelt stärker unter die Lupe genommen werden könnte. Insgesamt könnten die Ergebnisse der Midterms eine weitere Rotation weg vom Tech-Sektor und hin zu traditionelleren Branchen begünstigen. Am Anleihemarkt begrüssen Anleger indes die Aussicht auf politische Blockaden. Dadurch können beispielsweise unfinanzierte Steuersenkungen die das Defizit nach oben treiben schwerer durchgesetzt werden. Ein geringerer fiskalpolitischer Stimulus bedeutet aber gleichzeitig weniger Wachstum, was auf dem Dollar lasten dürfte.

    LUKB, Björn Eberhardt: Da die Märkte sich bereits auf eine Mehrheit der Demokraten zumindest im Repräsentantenhaus eingestellt hatten, kommt der sich abzeichnende Wahlausgang nicht gänzlich unerwartet. Etwas unter Druck kommen könnten Aktien aus dem KI-Bereich, da die Opposition gegen Rechenzentren unter den Demokraten ausgeprägter ist, während Aktien aus dem Gesundheitsbereich davon profitieren könnten, dass die Demokraten sich gegen einen weiteren Abbau von Subventionen im Gesundheitsbereich nun besser wehren können. Sollte es im Iran-Krieg zu einer Eskalation kommen, könnten die Inflationserwartungen steigen und damit weitere Zinsschritte durch die US-Notenbank eingepreist werden. Der Dollar könnte dann wieder aufwerten, auch gegenüber dem Franken.

    LBBW, Katja Müller: Mit einer Kongressmehrheit der Demokraten dürften grössere Gesetzesvorhaben der Regierung schwieriger durchzusetzen sein. Insbesondere bei Haushaltsverhandlungen drohen ernste Konflikte. Im kommenden Jahr könnte erneut eine Anhebung der US-Staatsschuldenobergrenze notwendig werden. Der dann demokratisch dominierte Kongress könnte diese Anhebung blockieren, um die eigenen Anliegen der Demokraten gegenüber Präsident Trump durchzusetzen. Wie bereits des Öfteren in der Vergangenheit dürfte ein Streit um die Schuldenobergrenze einen Belastungsfaktor für den US-Dollar darstellen. Die Wahlergebnisse setzte auch die Aktienmärkte in Asien unter Druck. Anleger befürchten eine stärkere Regulierung von KI. Zudem könnte der Ausbau von KI-Rechenzentren ausgebremst werden.

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