Ex-Kosovo-Präsident muss 25 Jahre in Haft
Der Ex-Präsident des Kosovos, Hashim Thaci, muss 25 Jahre hinter Gitter. Das hat das Kriegsverbrechertribunal im Kosovo entschieden.

Das Wichtigste in Kürze
- Kosovos Ex-Präsident wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt.
- Dem ehemaligen Oberbefehlshaber der Befreiungsarmee des Kosovo werden Kriegsverbrechen zugeschreiben.
- Das Kosovo-Sondertribunal macht Thaci für den Tod von 96 politischen Gegnern verantwortlich.
Der Ex-Präsident des Kosovos, Hashim Thaci, wurde wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Der Prozess gegen Thaci und drei weitere ehemalige Kader der Befreiungsarmee des Kosovos begann im April 2023 vor dem Kosovo-Sondertribunal in Den Haag.

Die Anklage hatte für den 58-Jährigen 45 Jahre Haft gefordert. Seine Verteidigung verlangte einen Freispruch. Thaci hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sich als vollständig unschuldig bezeichnet.
Thaci war ein führender Kommandeur der Befreiungsarmee des Kosovos (UCK). Die UCK war eine ethnisch-albanische Miliz, die von 1998 bis 1999 für die Loslösung des Kosovos von Serbien kämpfte.
Das Tribunal machte Thaci für den Tod von 96 politischen Gegnern und mutmasslichen Kollaborateuren der serbischen Sicherheitskräfte verantwortlich. Zudem wurde er wegen Folter und rechtswidriger Inhaftierung schuldig gesprochen. Nach Angaben des Gerichts wurden 385 Menschen illegal festgehalten und 303 gefoltert.
Thaci selbst hatte sämtliche Anschuldigungen zurückgewiesen. Gegen das Urteil kann er Berufung einlegen.
Schweizer Ermittler brachte den Stein ins Rollen
Die Grundlage für die späteren Ermittlungen lieferte der Schweizer Sonderermittler Dick Marty. Er arbeitete im Auftrag des Europarats und legte Ende 2010 einen Bericht über mutmassliche Verbrechen der UCK vor.
Marty bezeichnete Thaci darin als führende Figur der sogenannten Drenica-Gruppe, die er mit organisierter Kriminalität in Verbindung brachte.
Laut Marty soll diese Gruppe unter anderem für Entführungen und Drogenhandel verantwortlich gewesen sein. Sein Bericht enthielt zudem schwere Vorwürfe über Organentnahmen an Gefangenen.
Marty zufolge sollen Gelder der UCK auf ausländischen Bankkonten gelegen haben, darunter in der Schweiz. Sein Bericht war ein wesentlicher Auslöser für weitere Untersuchungen und schliesslich für die Einrichtung des Kosovo-Sondergerichts in Den Haag.
Das Sondergericht wurde 2015 auf internationalen Druck eingerichtet. Es gehört zum Justizsystem des Kosovos, ist aber mit internationalen Richtern und Anklägern besetzt und hat seinen Sitz aus Sicherheitsgründen in Den Haag.
















