Europäische Länder: Putins Regierung tötete Nawalny mit Pfeilgift
Erstmals erheben europäische Länder offiziell den Vorwurf, dass Alexej Nawalny von Putins Regierung vergiftet worden sei. Dies erklärten mehrere Aussenminister.

Das Wichtigste in Kürze
- Alexej Nawalny wurde laut mehreren europäischen Ländern durch Pfeilgift getötet.
- Mehrere Aussenminister erklären, dass ihm dies nur vom Kreml verabreicht werden konnte.
- Das sogenannte Epibaditin ist 200 Mal so stark wie Morphium.
Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny starb im Februar 2024 in einem russischen Gefängnis.
Nun bestätigt seine Witwe Julija Nawalnaja flankiert von den Aussenministern Deutschlands, Grossbritanniens, Schwedens und der Niederlande: Nawalny wurde in Haft vergiftet.
Dies mit einem tödlichen Gift, das in ecuadorianischen Pfeilgiftfröschen vorkommt, erklärt Nawalnaja laut «Sky News» an der Münchner Sicherheitskonferenz.
Nawalny starb in einem russischen Gefängnis in Sibirien
Die «barbarische» Tat könne nur von der russischen Regierung verübt worden sein. Unklar ist, wie das Froschgift, welches als chemische Waffe eingestuft ist, Nawalny verabreicht wurde.
Denn: Dieser befand sich zum Zeitpunkt seines Todes vor fast genau zwei Jahren in einer Strafkolonie in Sibirien.

Nawalnaja sagte an der Pressekonferenz in München, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei. Bereits vor zwei Jahren hatte sie am gleichen Ort nach dem Tod ihres Mannes zum Kampf gegen Wladimir Putin aufgerufen.
200 Mal so stark wie Morphium
Deutschlands Aussenminister Johann Wadephul (CDU) sagte nun, zwei Jahre später wisse man: «Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet.» Seine sterblichen Überreste hätten ein besonders starkes Nervengift, Epibaditin, enthalten.
Die Wirkung des im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200 Mal so stark wie Morphium. «Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll», sagte Wadephul. Zunächst blieb offen, wann, wo und wie konkret die Analysen durchgeführt worden waren.
«Niemand ausser Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist», sagte Wadephul. «Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.»
Nawalny sei nicht nur das mutige Gesicht der russischen Opposition gewesen, sondern schon einmal das Opfer eines hinterhältigen Giftanschlags. Anschliessend wurde er in der Berliner Charité behandelt und kehrte trotz allem danach nach Russland zurück.
Wadephul: Putin tritt Völkerrecht jeden Tag mit Füssen
Nawalnys Tod bleibe ein Schlag für alle Menschen, die die Hoffnung auf ein freies Russland nicht aufgegeben hätten, so Wadephul. «Putin tritt Völkerrecht und Menschlichkeit nicht nur in der Ukraine jeden Tag mit Füssen.»
Auch seine Verpflichtungen nach dem Chemiewaffenübereinkommen seien Putin völlig egal. Die Vergiftung Nawalnys müsse Folgen haben, forderte der Bundesaussenminister.
Darum müsse es jetzt in den zuständigen Gremien gehen. Deshalb habe man heute auch den Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen über die Erkenntnisse informiert.
Nawalnaja: Hoffe, dass Putin irgendwann auf Anklagebank landet
Nawalnaja dankte den an den Analysen beteiligten Labors in Deutschland, Grossbritannien, Schweden und den Niederlanden. Es sei der schwerste Tag ihres Lebens gewesen, als sie vor zwei Jahren vom Tod ihres Mannes erfahren habe.
Schon damals sei sie sich sicher gewesen, dass er ermordet wurde. «Was sonst hätte mit einem jungen, charismatischen Oppositionsführer in Putins Gefängnis passieren können?»

Es sei sicher keine Neuigkeit, dass der Kremlchef ein Mörder sei. «Aber jetzt haben wir noch einen direkten Beweis dafür.»
Sie hoffe sehr, dass er irgendwann auf der Anklagebank lande, so Nawalnaja. «Und sich für alles, was er getan hat, verantworten muss.»
Grossbritannien: Moskau muss zur Rechenschaft gezogen werden
Die britische Aussenministerin Yvette Cooper bestätigte den tödlichen Giftfund im Körper von Nawalny. Die russische Regierung müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Cooper zitierte Nawalnys Worte: «Wir müssen das tun, was sie fürchten. Sagt die Wahrheit, verbreitet die Wahrheit. Das ist die mächtigste Waffe.»

«Ich bin unglaublich stolz darauf, dass wir gemeinsam dazu beitragen konnten, die Wahrheit ans Licht zu bringen.» Das sagte die schwedische Aussenministerin Maria Stenergard.
Der niederländische Aussenminister David van Weel sagte, die gute Nachricht sei, dass die Wahrheit immer ans Licht komme. Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlten zwar vielleicht langsam, aber entschlossen für Nawalny.
Tod in Strafkolonie nördlich des Polarkreises
Nawalny galt als der prominenteste Gegner von Putin in Russland. Auch weil er immer wieder Korruptionsfälle innerhalb der Elite um den Kremlchef aufdeckte.
2020 wurde er vergiftet und im Koma liegend nach Deutschland ausgeflogen, wo er in der Berliner Charité behandelt wurde.
Die russischen Behörden nahmen den Politiker im Januar 2021 bei seiner Rückkehr in die Heimat noch auf dem Flughafen fest. Zunächst wegen des angeblichen Verstosses gegen frühere Bewährungsauflagen.
Später verurteilten russische Gerichte Nawalny zu langen Haftstrafen – unter anderem wegen Extremismus. Im Gefängnis wurde er stark von der Aussenwelt isoliert.
Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Zum Todeszeitpunkt war er 47 Jahre alt – die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache.
















