Europa vernetzt Zahlsysteme – aber Twint bleibt draussen
Fünf grosse Bezahlsysteme verbinden ihre Angebote für 130 Millionen Nutzer – Twint fehlt. Hürden sind Bankensysteme, Währungen und der NFC-Zugang auf iPhones.

Das Wichtigste in Kürze
- Twint bleibt im neuen europäischen Zahlungsnetz ENP vorerst aussen vor.
- Wero, Bizum, Bancomat, MB Way und Vipps vernetzen rund 130 Millionen Nutzer.
- Twint verweist auf seinen Fokus als Schweizer System für die Schweiz.
- Auslandszahlungen an Ladenkassen seien weiter geplant, aber komplex.
Twint gehört für Millionen von Schweizerinnen und Schweizern zum Alltag. Im Restaurant, im Laden oder unter Freunden ist die Bezahl-App längst etabliert.
Doch kaum ist man über der Grenze, funktioniert sie an der Kasse nicht mehr.
Europäische Bezahlsysteme vernetzen sich
Für Twint-Nutzer könnte sich die Auslandslücke künftig noch deutlicher zeigen. Denn mehrere grosse europäische Bezahlsysteme haben kürzlich angekündigt, ihre Angebote miteinander zu vernetzen.
Mit an Bord sind: Wero, Bizum aus Spanien, Bancomat aus Italien, MB Way aus Portugal und Vipps Mobile Pay aus Skandinavien.
Zusammen erreichen die beteiligten Systeme rund 130 Millionen Nutzer. Zunächst sollen grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Privatpersonen möglich werden, später auch Online- und Laden-Zahlungen.
Twint bleibt bei neuer Allianz aussen vor
Auffälliger Abwesender im sogenannten European Network for Payments, kurz ENP, ist Twint. Warum tritt die führende Schweizer Bezahl-App der neuen Allianz nicht bei?
Das Unternehmen verweist darauf, dass es sich dabei derzeit um einen Zusammenschluss von Anbietern aus der EU handle.
«Twint ist ein System aus der Schweiz für die Schweiz», sagt Sprecher Ettore Trento gegenüber Nau.ch. Daher konzentriere man sich «in erster Linie auf den Ausbau der Twint-Funktionen für die Menschen in der Schweiz».
Das ist bemerkenswert, denn Twint hatte bereits 2019 grössere Europa-Pläne. Das Unternehmen gehörte damals zu den Gründern der European Mobile Payment Systems Association – und kündigte an: Schweizer Nutzer sollten ihre App künftig auch in Europa einsetzen können.
Sieben Jahre später ist dieses Ziel noch nicht erreicht.
Internationale Onlineshops akzeptieren Twint
Immerhin: Im Internet gibt es Fortschritte. So können Schweizer Kunden bei immer mehr internationalen Onlineshops mit der App bezahlen. Dazu gehören laut Twint etwa Zalando, Booking.com, Airbnb und Netflix.
«Die Ermöglichung der Zahlung an der Ladenkasse im Ausland ist nach wie vor angestrebt, aber sehr komplex», erklärt Trento.
Ein Grund sind laut Twint die unterschiedlichen Zahlungs- und Bankensysteme in der Schweiz und im Euroraum. Hinzu kommen verschiedene Währungen, wodurch etwa beim Wechsel von Franken in Euro zusätzliche Kosten entstehen können.
NFC-Zugang erschwert Auslandseinsatz
Eine weitere Hürde betrifft eine Technik, die bei kontaktlosen Zahlungen mit dem Handy eine wichtige Rolle spielt: NFC.
NFC ermöglicht den Datenaustausch über sehr kurze Distanz. Die Technik kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn ein Smartphone zum Bezahlen an ein Kartenterminal gehalten wird.

Beim Zugang dazu sieht Twint ein Problem. Apple gewährt anderen Bezahldiensten in der Schweiz laut Twint nicht die gleichen Konditionen wie im Europäischen Wirtschaftsraum.
Dort hat die Europäische Kommission Apple dazu verpflichtet, konkurrierenden Anbietern kostenlosen Zugang zur NFC-Technologie auf iPhones zu gewähren. Die Bedingungen in der Schweiz unterscheiden sich davon.
NFC sei «ein weit verbreiteter und wichtiger Standard beim digitalen Bezahlen an der Kasse», erklärt Trento. Ein besserer Zugang sei wichtig, um gerade im Ausland eine breite Abdeckung zu erreichen.
Weko ermittelt gegen Apple
Auch die Schweizer Wettbewerbskommission Weko beschäftigt sich mit dem Thema. Ihr Sekretariat eröffnete im Dezember 2025 eine Vorabklärung zu Apples Bedingungen für den NFC-Zugang. Bei Twint begrüsst man die Ermittlungen.
Wann Schweizer erstmals im Ausland an der Kasse twinten können, bleibt damit offen. Einen konkreten Zeitpunkt nennt das Unternehmen auch sieben Jahre nach der ersten Europa-Ankündigung nicht.











