Ein Festival in Altdorf zeigt, was alles Volksmusik ist

Keystone-SDA
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Uri,

Seit 20 Jahren wird im Haus der Volksmusik in Altdorf zu Schweizer Liedgut geforscht, getanzt und Wissen darüber weitergegeben. Zum Jubiläum treten am kommenden Wochenende am zweijährlichen Volksmusikfestival Formationen aus allen 26 Kantonen auf.

Volksmusikfestival
Die Schweizer Alphornistin Lisa Stoll spielt am kommenden Sonntag gemeinsam mit der Organistin und Sängerin Fabienne Romer am Volksmusikfestival in Altdorf. - keystone

So soll das Publikum die musikalische Diversität der Schweiz erleben können, wie Markus Brülisauer, Geschäftsführer des Hauses und Programmverantwortlicher des Festivals, zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Auf verschiedenen Bühnen in Altdorf spielen über 40 Formationen.

Als Musterbeispiel für die unterschiedlichen Traditionen, die sich in der Schweiz auf kleinem Raum entwickeln, gilt für Brülisauer die Musik der Gotthardregion: Während auf Tessiner Seite Saiteninstrumente wie die Mandoline im Fokus stehen und oft alle Mitglieder einer Formation in melancholischen Gesang mit einstimmen, ertönen im Kanton Uri Schwyzerörgeli und Handorgel in lüpfiger Stubete-Manier.

Das volksmusikalische Erbe am Leben halten: Diesem Ziel verschreibt sich das Haus der Volksmusik, das mehrheitlich von den Zentralschweizer Kantonen, der Gemeinde Altdorf und der Dätwyler Stiftung finanziert wird. «Für die Weiterentwicklung der Musik ist es wichtig, ihre Wurzeln zu kennen», so Brülisauer. Dabei gehe es nicht darum, sie in vermeintlich purer Form zu konservieren: «Die Volksmusik lässt einem die Freiheit, sie zu gestalten, wie es einem danach ist.»

Eine Modernisierung habe auch sie erlebt, sagt Brülisauer. Zwar laufe diese «sanfter» und etwas langsamer ab als in der Popmusik, doch sei auch die Volksmusik «in Bewegung» und fliesse ihrerseits in den Pop mit ein, wie etwa Trauffer und Gölä zeigten. Typischere Volksmusikgruppen wie die Rusch-Büeblä und Genderbüebu feiern kommerzielle Erfolge, was wiederum im Laienbereich zu einem Aufschwung führe. «In der breiten Gesellschaft hat die Volksmusik in den letzten Jahren an Ansehen gewonnen», bilanziert Brülisauer. Auch an Nachwuchs fehlt es nicht.

Das zeigt etwa der Auftritt der Kapelle Gontner Loft am Samstagvormittag. Im Festzelt Lehnplatz gibt das junge Quartett Innerschweizer Tänze, Oberkrainer-Klänge und die Musik ihrer Heimat Appenzell zum Besten. Die Gewinner des Folklorenachwuchs-Wettbewerbs 2023 kennt Brülisauer schon lange. Als Kinder nahmen sie an den Sommerlagern des Hauses der Volksmusik teil. Mittlerweile treten sie regelmässig auf und stehen am Volksmusikfestival ebenbürtig neben gestandenen Namen wie der Urner Formation Echo vom Poschtsack oder Traktorkestar & Harmonie Lausannoise.

Wobei: Zählt die Blasmusik von Traktorkestar & Harmonie Lausannoise überhaupt zur Volksmusik? Für Brülisauer ist die Antwort Ja. Was Volksmusik generell ausmacht, sei jedoch schwierig zu beantworten. «Wir haben dazu keine Kriterien auf Papier festgehalten», sagt er mit einem Schmunzeln. Als Orientierung gelte: Die Musik müsse einen Anteil einer «gewissen Tradition» haben, an frühere Formen von Volksmusik anknüpfen. Diese Kontinuität aufzeigen: Dafür soll das Haus der Volksmusik auch in den kommenden Jahren da sein.

Bei all dem bisherigen Engagement findet Brülisauer: «Wir könnten noch einiges mehr machen.» Womöglich künftig an anderer Adresse. Denn der Raum am heutigen Standort im Zeughaus ist beschränkt. «Wir platzen aus allen Nähten», sagt der Geschäftsführer. Dass das Haus der Volksmusik 2026 noch ein solches «Entwicklungspotenzial» hat, zeigt für Brülisauer vor allem eins: «Die Tradition ist lebendig.»

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