Unser Nachbarland Österreich befindet sich seit dieser Woche erneut im Lockdown. Ökonomen ordnen ein, was ein ähnliches Szenario in der Schweiz bedeuten würde.
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Menschenleere Marktgasse in der Berner Altstadt – auch die Schweiz setzte auf Lockdowns. (Archivbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Erste europäische Länder befinden sich wegen hoher Corona-Zahlen erneut im Lockdown.
  • Hierzulande schliesst der Bundesrat eine Verschärfung der Massnahmen nicht aus.
  • Ein Ökonome glaubt, dass ein dritter Lockdown verheerende Folgen hätte.

Erste europäische Länder sind wegen der zunehmenden Corona-Fallzahlen schon wieder im Lockdown. Der Bundesrat wartet zwar noch ab, schliesst eine Verschärfung der Massnahmen allerdings nicht aus. Ökonomen bewerten die Auswirkungen eines möglichen weiteren Lockdowns in der Schweiz unterschiedlich.

Natürlich würde ein weiterer Lockdown in der Schweizer Wirtschaft keine Freude auslösen. «Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, einen weiteren Lockdown mit dem ersten Lockdown vom Frühling 2020 zu vergleichen», sagte etwa KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Ein neuer Lockdown hätte weit weniger schlimme Auswirkungen.

CS-Ökonom: «Haben gelernt, mit Virus umzugehen»

Auch Claude Maurer, Chefökonom Schweiz bei der Credit Suisse, hält die Erfahrungen der vergangenen Monate für zentral: «Die Haushalte haben gelernt, mit dem Virus umzugehen. Und auch die Unternehmen könnten dank der Erfahrungen, zum Beispiel durch die Arbeit im Homeoffice, jetzt agiler darauf reagieren.»

Sollte es wirklich zu weiteren Schliessungen kommen, würde sich in den betroffenen Branchen die Nachfrage aufstauen und im Frühling wieder ein Nachholkonsum zeigen, ist Maurer überzeugt.

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Das Hauptquartier der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. - Keystone

Im dritten Quartal hat das BIP um 1,7 Prozent zugelegt und übertrifft nun wieder das Vorkrisenniveau. Dass sich die Schweizer Wirtschaft so schnell wieder von den beiden bisherigen Lockdowns erholt hat, überrascht Maurer positiv.

«Es ist erstaunlich, dass das BIP-Niveau und die Beschäftigung inzwischen bereits wieder über Vorkrisenniveau sind, die Arbeitslosigkeit gesunken ist und die Kurzarbeit viel weniger in Anspruch genommen wird», sagte er. Zumindest zu Beginn der Pandemie seien die Prognosen der Ökonomen darum wohl eher etwas zu vorsichtig gewesen, gibt er an.

Ökonom befürchtet verheerende Folgen durch dritten Lockdown

Verhaltener sieht das der Ökonom Klaus Wellershoff vom Beratungsunternehmen Wellershoff & Partners. Ihm zufolge hätte ein dritter Lockdown verheerende Folgen und würde wohl viele Unternehmen an den Rand der Existenz drängen.

«Wenn jetzt durch einen dritten Lockdown nochmals so ein Rückschlag kommt, rechne ich wegen des schwachen Ausgangspunktes damit, dass die Folgen für die Wirtschaft schlimmer wären als vergangenen Winter», sagte er.

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Ein geschlossenes Restaurant. (Archvibild) - Lehtikuva/AFP

Viele Statistiken würden sich um den Handel mit Gütern drehen. «Aber wir vergessen dabei, dass es beispielsweise im Dienstleistungsbereich noch überhaupt nicht gut läuft», so Wellershoff.

Neben der Gastronomie, Hotellerie und der Reisebranche vergesse man etwa den grossen Sektor der sogenannten unternehmensnahen Dienstleistungen wie Unternehmensberater, Treuhänder oder Rechtsanwälte, die ebenfalls deutlich schlechter ausgelastet seien als vor der Krise.

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