Diese neue Radikalisierungsform schockt Schweizer Behörden
Der gewalttätige Nihilismus verherrlicht Gewalt um ihrer selbst willen. Vor allem Jugendliche sind von dieser neuen Form des Extremismus betroffen.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine neue Form der Radikalisierung beunruhigt die Schweizer Behörden.
- Der gewalttätige Nihilismus ist eine Form von Extremismus, der Gewalt verherrlicht.
- Gewalttaten in dieser Szene können bis zum Suizid oder Mord führen.
Bekannte Formen der Radikalisierung folgen meist einer politischen oder religiösen Ideologie.
Anders ist das beim gewalttätigen Nihilismus. Es handelt sich um eine neue Form des Extremismus, die den Schweizer Behörden Sorgen bereitet, wie SRF berichtet.
Im Nihilismus werden moralische Werte und gesellschaftliche Normen grundsätzlich infrage gestellt. Das heisst, es existieren keine moralischen Normen wie «Gewalt ist falsch» oder «Helfen ist richtig».
Die Szene des gewalttätigen Nihilismus besteht aus zahlreichen miteinander vernetzten Gruppen und verherrlicht und fördert Gewalt.
Dabei spielt die Anonymität des Internets eine wichtige Rolle. Täter von Massentötungen werden verehrt oder Anleitungen zur Begehung von Gewalttaten veröffentlicht.
Es werden gezielt Jugendliche rekrutiert
Bei der Rekrutierung werden gezielt verletzliche Jugendliche ins Visier genommen. Diese werden unter Druck gesetzt, sich selber zu verletzen, Tiere zu quälen oder sexuelle Handlungen zu filmen.
Innerhalb dieser Gruppen steigt das Ansehen jener Mitglieder, die Gewalttaten begehen und dokumentieren. Solche Gewalttaten können bis zu Suizid oder Mord führen.
Gegenüber SRF erklärt Ahmed Ajil, Kriminologe an der Universität Luzern und Extremismus-Experte: «Die Anonymität im Internet erleichtert es, eine gewisse Faszination für Gewalt auszuleben, ohne strafrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen.»
Auf Plattformen wie TikTok könne man bereits nach kurzer Zeit mit problematischen Inhalten in Kontakt kommen. «Man verliert leicht das Bewusstsein dafür, wie schwerwiegend die Dinge sind, die man sagt, oder die Inhalte, die man konsumiert.»
Radikalisierung bleibt oft unbemerkt
Es sei schwierig, diese Art der Radikalisierung zu erkennen, so Der Experte.
Denn der Zusammenhang zwischen einer scheinbar isolierten Straftat und einem Netzwerk lässt sich oft nur schwer herstellen. Entsprechende Verbindungen bleiben deshalb nicht selten unerkannt.
Das tatsächliche Ausmass der nihilistischen Szene in der Schweiz sei schwer zu erfassen. Die Forschung dazu sei noch in ihren Anfängen. Es sei wichtig, das Bewusstsein für dieses beunruhigende Phänomen zu steigern.
Serge Terribilini, Leiter der Präventionseinheit gegen Radikalisierung des Kantons Waadt, äusserte sich im Forum-RTS besorgt: «Es ist ein Trend, von dem wir annehmen können, dass er zunehmen wird. Und wir müssen bereit sein, ihm zu begegnen.»











