Diebe klauen Altöl von Beizen & Raststätten – für Diesel
Nau.ch fand heraus: In Schweizer Gastro-Betrieben kommt es immer häufiger zu Diebstählen von altem Frittieröl. Besonders Recycling-Unternehmen leiden darunter.

Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland liegt der jährliche Schaden durch Altöl-Diebstähle im Millionenbereich.
- Auch die Schweiz verzeichnete in den letzten Jahren einen Anstieg an Altöl-Diebstählen.
- Recycling-Firmen leiden besonders darunter.
Jährlicher Millionenschaden durch Diebstahl von altem Frittierfett: Davon berichtet ein deutscher Bundesverband, der unter anderem für die Entsorgungswirtschaft zuständig ist.
In den letzten Jahren nahmen Diebstähle von altem Speisefett in Deutschland stark zu. Recycling-Unternehmen sprechen von einem hohen Organisierungsgrad der Täter, was von den Behörden nicht wahrgenommen werde. Strafanzeigen seien oft erfolglos.
Das ist auch hierzulande ein Problem.
Wie Nau.ch-Recherchen zeigen, haben auch Schweizer Recycling-Unternehmen und Restaurants stark mit Altspeisefett-Diebstählen zu kämpfen.
Der Grund: Altes Speisefett ist ein begehrtes Gut, das von Recycling-Firmen zu Biodiesel weiterverarbeitet wird. In Deutschland bekommt man für 1000 Liter aufbereitetes Speisefett rund 900 Euro. Umgerechnet sind das etwas über 800 Franken.
Auf Anfrage von Nau.ch bestätigt Patrick Humbel, Geschäftsführer der Recycling Energie AG, dass die Preise in der Schweiz in einem ähnlichen Bereich liegen.
Diebstähle haben in den letzten Jahren stark zugenommen
Humbels Aargauer Unternehmen verarbeitet jährlich zwei Millionen Liter Frittieröl in einem mehrtägigen Prozess zu Biodiesel.
Rund fünf Prozent des produzierten Diesels verwendet das Unternehmen für ihre eigene Fahrzeugflotte. Und die restlichen 95 Prozent? «Unser Biodiesel wird nicht an öffentlichen Tankstellen verkauft, sondern nur an Private, welche mit unserem Biodiesel schweizweit fahren. Teils als Beimischung B7 und B100», so das Unternehmen.
Die Firma ist selbst von Altspeisefett-Diebstählen betroffen. «Seit ungefähr zwei bis drei Jahren haben die Diebstähle von Gebinden und Frittieröl stark zugenommen», sagt Humbel.
Jetzt ist Klauen dank der Mega-Preise an den Tankstellen besonders lukrativ.
Besonders in dicht besiedelten Regionen trete das Problem häufig auf. «Vor allem bei Gastrobetrieben, bei welchen die Gebinde mit Frittieröl frei zugänglich stehen.» Als Beispiel nennt er Autobahnraststätten und Innenhöfe von Gastronomiefirmen.
Täter geben sich als Abhol-Unternehmen aus
Humbel beschreibt, wie dreist die Täter vorgehen: «Es ist häufig ein Kastenwagen aus der Welschschweiz, welcher von unseren Kunden beschrieben wird. Sie geben vor, im Auftrag vom Entsorger das Frittieröl abzuholen.»
Oder noch dreister: «Sie geben vor, dass sie jetzt neu einen Vertrag mit dem Kunden haben und das Frittieröl ab sofort mitnehmen.»
«Mittlerweile erleben wir dies jede Woche»
Nau.ch weiss von einem weiteren Unternehmen, das rechtmässig Altspeiseöl abholt und stark von den Diebstählen betroffen ist. «Mittlerweile erleben wir dies jede Woche, manchmal auch mehrmals», sagt der Inhaber des Unternehmens.

Er beschreibt eine ähnliche Masche wie Patrick Humbel: «Wir wissen von verschiedenen Firmen, welche in der Schweiz unterwegs sind und das Altöl in den Restaurantbetrieben unerlaubt entwenden.»
«Sie nehmen es oft ohne das Wissen der Wirte mit»
Teilweise gehen die Täter dabei besonders perfid vor: «Sie nehmen es oft ohne das Wissen der Wirte mit.»
Die Altöl-Fässer gehören dem Abholunternehmen selbst und stehen laut dem Inhaber häufig draussen. Somit sind sie leicht zugänglich, auch für die Täter.
Während die einen die Fässer einfach entwenden, hintergehen andere die Restaurantbesitzer hinterlistig: «Sie sagen, sie kommen wegen dem Altöl, erwähnen aber nicht, von welcher Firma sie sind», so der Geschäftsführer des Abholunternehmens.
Dieser Fehler werde dann meist erst bemerkt, wenn der Kunde sich schon länger nicht mehr gemeldet habe. Stehe bei der Abholung schliesslich ein fremdes Fass dort, sei der Fall klar.
Der Gipfel der Dreistigkeit: «Es hat jüngst auch Fälle gegeben, bei denen sich ein Fahrer als Mitarbeiter von uns ausgegeben hat», sagt der Inhaber.
Administrativer und finanzieller Schaden
In vielen Fällen würden die Restaurantbesitzer diese Firmen auch wegschicken und sagen, sie hätten jemand anderen, der das Altöl abholt. «Daraufhin informieren sie uns dann auch über den Vorfall.»
Nebst dem finanziellen Schaden entsteht so auch ein administrativer Aufwand. Mittlerweile füllt das Unternehmen bei jedem Schadenfall ein Formular mit allen erforderlichen Informationen aus. Auch Anzeige bei der Polizei wird bei jedem der Fälle gestellt.
Die lokale Polizei bestätigt auf Anfrage, dass in der Vergangenheit ein Fall von Altöl-Diebstahl gemeldet wurde. Der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt und der Kantonspolizei Aargau sind hingegen keine Altöl-Diebstahlfälle bekannt.














