Die neue Ampel am Winterthurer HB behindert Blinde
Die Stadt Winterthur hat die Ampel am HB angepasst. Für Blinde ist die Änderung nicht nur positiv.

Die Ampeln am Bahnhof sind verstummt, sie piepsen nicht mehr. Zumindest nicht mehr automatisch bei jeder Grünphase.
Das akustische Signal, das Blinde und Sehbehinderte sicher über die vielbefahrene Strasse führt, muss nun erst von Hand aktiviert werden. Dazu hat der gelbe Drücker einen kleinen Knopf an der Unterseite.
Es reicht aber auch schon, mit der Hand vor dem Gerät zu wischen. Es ist eine von 31 städtischen Ampeln, die auf 24-Stunden-Betrieb umgestellt wurde. Sie haben also aufgehört in der Nacht gelb zu blinken.
Wunsch nach altem System
Die Anlage mag moderner sein, eine Verbesserung sei sie allerdings nicht, wie Janka Reimmann sagt. Die blinde Winterthurerin überquert den Fussgängerstreifen beim Bahnhof fast täglich mit ihrem Blindenführhund.

«Die neue Anlage finde ich absolut mühsam. Vorher war es viel besser», sagt sie. So sei es für sie schon hilfreich, wenn sie in der Nähe des Fussgängerstreifens das akustische Piepsen hört.
«Wenn ich von den Archhöfen komme und höre, dass die Grünphase bereits vorbei ist, muss ich mich nicht so beeilen», sagt Reimmann. Zudem sei beim Fussgängerstreifen oft ein Menschengedränge.
«Wenn ich dann noch zum Pfosten drängeln muss, um den Knopf zu drücken, ist das mühsam. Gerade mit dem Blindenführhund.» Sie hofft, dass die Stadt wieder die alten Anlagen montiert. Das ist bei der Stadt kein Thema.
«Die neuen Drücker wurden vorsorglich installiert, bevor es zu Lärmbeschwerden kommt. Diese wären nämlich ansonsten zu erwarten gewesen», sagt Michael Graf, Mediensprecher Departement Bau und Mobilität.
Ohne Umrüsten hätte die Ampel nach der Umstellung auf 24-Stunden-Betrieb auch nachts minütlich gepiept.
Signal besser zuordnen
Trotz der Kritik an den neuen Anlagen: Fachorganisationen stehen hinter dem System, bei dem das akustische Signal mit einem Knopf aktiviert werden muss.
Im Rahmen des Behindertengleichstellungsgesetzes, das Städte und Gemeinden verpflichtet, ihre Fussgängerstreifen für Sehbehinderte und Blinde zugänglich zu machen, hat sich die Schweizer Fachstelle Hindernisfreie Architektur für diese Lösung eingesetzt.
«Uns war die Sicherheit beim Queren wichtiger, weshalb die Schweizer Fachkommission für Blinden- und Sehbehindertengerechtes Bauen – auch betroffene Menschen mit Sehbehinderung – sich für eine Lösung eingesetzt hat, bei der das Signal während dem Queren akustisch führt sowie Grün- und Gelbphase anzeigt, auch wenn dazu das Aufsuchen des Mastes notwendig ist», sagt Eva Schmidt, Leiterin der Fachstelle.
Das decke sich auch mit dem Bedarf, am taktilen Signalgeber zu überprüfen, welche Ampel tönt, wenn mehrere Querungen an einem Knoten mit Akustik ausgestattet werden.
«In Altstätten hatten wir schon das Problem, dass aufgrund der Windverhältnisse nicht immer eindeutig war, welche Querung man nun piepen hört», so Schmidt.
Hinweis
Sandro Portmann ist Redaktionsleiter bei der «Winterthurer Zeitung».








