Ampel bleibt rot – was du jetzt nicht tun darfst!
Frust für einen Autofahrer: Die Ampel scheint kaputt – sie wird einfach nicht grün. Darf man irgendwann trotzdem einfach weiterfahren? Was gilt.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Autofahrer muss minutenlang vor einem Tunnel warten, weil die Ampel nicht grün wird.
- Das Problem: Sie funktioniert mit Bewegungsmelder – und der scheint eine Störung zu haben.
- Von alleine wird sie nicht mehr grün. Weiterfahren ist in solchen Fällen aber ein No-Go.
Daniel K.* nervt sich. Er steht schon seit mehr als sieben Minuten vor einer roten Ampel im Berner Emmental, die einfach nicht grün wird.
Von einer Seitenstrasse her will er durch die Unterführung unter den Gleisen beim Bahnhof Hasle-Rüegsau BE auf die Hauptverkehrsachse gelangen. Die Unterführung ist einspurig, die Ampel schaltet an der Seitenstrasse nur auf grün, wenn ein Auto kommt.
Sie funktioniert also mit einem Bewegungsmelder. Eigentlich. Doch an diesem Abend im Januar scheint der kaputt zu sein.
Pferdeknopf rettet Autofahrer
Der Nau.ch-Leser sagt: «Ich bin mehrmals vor der Ampel vor und zurück gefahren, aber sie erkannte mich einfach nicht.»
Irgendwann steht für ihn fest: Diese Ampel wird heute nicht mehr grün. Er steigt aus. «Zum Glück sah ich, dass es auch einen Knopf gibt, den Reiter drücken können», berichtet er.

Und siehe da! Endlich wird es grün. Hastig steigt K. wieder ins Auto und fährt los.
Doch was wäre, wenn es keinen Pferdeknopf gegeben hätte? Er fragt sich: Darf man in solchen Fällen irgendwann trotzdem fahren?
So musst du bei Dauer-Rot reagieren
Das Bundesamt für Strassen Astra stellt gegenüber Nau.ch klar: Über eine rote Ampel fahren ist auch dann nicht erlaubt, wenn man einen Defekt vermutet.
Rotes Licht bedeute immer «Halt» und müsse in jedem Fall beachtet werden, sagt Astra-Sprecherin Martina Wirth. «Dabei müssen gegebenenfalls auch längere Wartezeiten in Kauf genommen werden, beispielsweise bei Baustellen.»
Bei Tunnels können Ampeln laut dem Astra dauerhaft auf rot gestellt sein, falls sich beispielsweise ein Unfall ereignet hat.
«Wir möchten festhalten, dass eine dauerhaft rot leuchtende Ampel nahezu ausgeschlossen werden kann», betont Wirth. «Bei Störungen schalten Anlagen in der Regel ab oder blinken gelb; dann gelten die allgemeinen Verkehrsregeln.»

Wer den Eindruck habe, dass eine Ampel nicht korrekt reagiert, sollte zunächst sicherstellen, dass er bis zur Haltelinie vorgefahren ist. «Gegebenenfalls kann ein kurzes Zurücksetzen und erneutes Heranfahren helfen», rät Wirth.
«Schaltet die Ampel auch danach nicht auf grün, ist die Polizei zu verständigen. Eine Weiterfahrt trotz Rotlicht ist verboten.»
Harte Konsequenzen drohen – auch, wenn Ampel scheinbar spinnt
Wer trotzdem über rot fährt, riskiert happige Strafen. Das gilt auch, wenn man als Fahrerin oder Fahrer den Eindruck hat, die Ampel sei kaputt.
Die Astra-Sprecherin sagt: «Das Überfahren eines Rotlichts wird mindestens mit einer Ordnungsbusse in der Höhe von 250 Franken geahndet.»
Es kommt jedoch auf die konkrete Verkehrssituation an. «Sollten beispielsweise andere Verkehrsteilnehmende gefährdet werden, kann das Überfahren eines Rotlichts auch zu einer Anzeige führen.»
Darum wechselte Emmentaler Ampel nicht auf grün
Zurück zu der vermeintlich kaputten Ampel im Emmental. Woran hat es in diesem Fall gelegen, dass sie für Nau.ch-Leser Daniel K. nicht auf grün wechselte?
Er selbst vermutet, dass «der Bewegungsmelder wegen der herrschenden Minustemperaturen nicht funktionierte».
Zuständig für die Anlage ist das Tiefbauamt des Kantons Bern. Stefan Brendel von der Fachstelle Verkehrsmanagement erklärt bei Nau.ch: «Die Vermutung des Fahrers, dass die Ampel aufgrund von Minustemperaturen nicht funktioniert hat, ist falsch.»
Störungen an Ampeln wegen Kälte kämen praktisch nie vor. Sie sind nach den Schweizer Anforderungen für Temperaturen bis -25 °C ausgelegt, wie er sagt. Der Grund für das bleibende Rot war laut Brendel ein anderer.
«Aus dem vorliegenden Foto kann man herleiten, dass der Fahrer den weissen Haltebalken vor der Unterführung deutlich überfahren hat.»
Das Problem dabei: Damit die Ampel erkennt, dass sie auf grün schalten muss, muss ein Auto mehrere Sekunden vor dem Haltebalken stehen bleiben. «Das ist grundsätzlich bei jeder roten Ampel einzuhalten», sagt Brendel.
Nur so löst die Anmeldeschleife im Boden – der Bewegungsmelder – das Signalprogramm für eine Grünphase an der Durchfahrt aus.
Fährt man nur kurz drüber und hält dann zu weit vorne, erhält die Ampel kein entsprechendes Signal.
Auch, dass der Autofahrer mehrmals vor und zurückgefahren ist, hilft da nichts, wie Brendel erklärt. Denn: Auch dann war er nicht oder nur kurz auf der Anmeldeschleife.
Ist das nicht ein wenig umständlich?
Anlage ist in die Jahre gekommen
«Grundsätzlich nicht», sagt Brendel. Neueste Technologie ist es sicherlich jedoch auch nicht, wie der Verkehrsmanager zugibt.
«Aber sie funktioniert. Heute werden zunehmend Alternativen wie Kamerasysteme verbaut, die dann auch zusätzlich für Velos funktionieren.»
Die konkrete Anlage sei in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. «Zudem ist der Fahrbelag in schlechtem Zustand», sagt Brendel. Die Anlagenerneuerung ist für 2026 in Planung, erklärt er.
Der Grund, warum die Ampel nur auf grün wechselt, wenn ein Auto länger auf dem Bewegungsmelder stehen bleibt: Fahren drei Autos vor der Unterführung bei grün über den Bewegungsmelder, würde die Ampel sonst dreimal ihren normalen Signalplan unterbrechen.
Stattdessen würde sie dreimal das «Sonderprogramm» aktivieren – heisst: drei Mal hintereinander immer wieder auf grün schalten. Das wäre aber in diesem Fall natürlich nicht nötig.
Zudem würde es den Verkehr auf der anderen Seite der Unterführung – eine wichtige Hauptachse – länger als erforderlich stoppen. Die Hauptachse erhält nämlich jedes Mal rot, wenn ein Auto von der Seitenstrasse aus der Unterführung fahren darf.
*Name von der Redaktion geändert











