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Die iranische Filmsatire «Divine Comedy» sucht Hoffnung im Kino

Keystone-SDA
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Bern,

«Divine Comedy» erzählt von den Absurditäten der Zensur, denen sich ein iranischer Filmemacher gegenübersieht. Der Regisseur Ali Asgari setzt dies gekonnt auf tragikomische Weise um.

Auf einer rosafarbenen Vespa sausen Filmemacher Bahram und Produzentin Sadaf im Film «Divine Comedy» durch Teheran und suchen nach einem Spielort für ihren neusten Film.
Auf einer rosafarbenen Vespa sausen Filmemacher Bahram und Produzentin Sadaf im Film «Divine Comedy» durch Teheran und suchen nach einem Spielort für ihren neusten Film. - Handout/Trigon-Film

Der Independent-Filmemacher Bahram und seine Produzentin und Lebensgefährtin Sadaf sausen auf einer rosafarbenen Vespa durch die Strassen Teherans. Sie befinden sich auf der Suche nach einem Ort, an dem sie Bahrams neusten Film zeigen dürfen.

Seine Filme dreht er in seiner Muttersprache, Aserbaidschanisch. Im Iran, wo Persisch Amtssprache ist, fallen seine Werke der Zensur zum Opfer. Das gilt auch für seinen neuesten Film.

In Ali Asgaris Film vermischen sich Fiktion und Realität. Das beginnt beim Schauspielduo. Beide verkörpern je eine fiktive Version ihrer selbst: Bahram wird von dem iranischen Regisseur und Drehbuchautor Bahram Ark gespielt, während die iranische Schauspielerin Sadaf Asgari die Produzentin Sadaf gibt.

Der Schauspieler und die Schauspielerin haben in ihrer künstlerischer Tätigkeit bereits Zensur durch die iranischen Behörden erfahren müssen. Besonders der Schauspielerin wurde verboten, im Iran Filme zu drehen, nachdem sie beim Filmfestival in Cannes in einem anderen Film desselben Regisseurs, in «Terrestrial Verses» (2023), aufgetreten war. Ihre blosse Anwesenheit in «Divine Comedy» kann daher bereits als Protestakt verstanden werden.

Der Film zeigt gekonnt Widersprüche eines Systems auf, das auf Kontrolle basiert: die absurd komplizierte Bürokratie lähmt das System. Der langsame Rhythmus des Films sowie seine sarkastisch-pointierten Dialoge unterstreichen die grotesken Kontrollmechanismen.

Dass «Divine Comedy» im Iran offiziell nicht gezeigt wird, überrascht nicht. «Ich will mich nicht selbst zensieren», sagte der Regisseur Ali Asgari in einem Interview gegenüber dem italienischen Fred Film Radio anlässlich der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. «Divine Comedy» feierte dort im vergangenen September seine Weltpremiere.

In Bezug auf das gewählte Genre der Komödie erklärte Asgari, dass in diesem Fall «Lachen zu einem politischen Akt wird». Das Lachen kann man über die Absurdität der Ereignisse, wie etwa darüber, dass in dem Kino in Teheran, das die beiden Protagonisten besuchen, nur Blödelkomödien ohne jegliche Tiefe gezeigt werden.

Die Anspielung des Filmtitels auf Dante Alighieris «Göttliche Komödie» ist kein Zufall, so befinden sich die Hauptfiguren auf einer dantesken Odyssee. Und auch zur Figur von Bahram sind Parallelen auszumachen; er sehnt sich nach Erlösung und hofft, diese im Kino zu finden.

«Divine Comedy» startet am Donnerstag in den Deutschschweizer Kinos. Erst kürzlich gewann er an der 40. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Freiburg (FIFF) mit dem «Grand Prix 2026» den Hauptpreis. Und am laufenden Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon ist der iranische Filmemacher Ali Asgari Teil der Jury des Filmwettbewerbs «Burning Lights».

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