Handwerker lacht über KI-Angst – Kritiker: Freu dich nicht zu früh!
Handwerker lachen über die Angst vor KI – zumindest noch. Denn hinter einem viralen Post zeigt sich: Auch auf Baustellen holen KI und Roboter auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein KI-Bild eines tränenlachenden Handwerkers sorgt auf Linkedin für Diskussionen.
- Der Luzerner Holzbauer Sandro Schärer ist überzeugt: KI wird das Handwerk nicht ersetzen.
- Branchenverbände und Unternehmen sehen grosses Potenzial bei der KI.
- Es wird an Robotern gearbeitet, die gewisse Arbeiten auf Baustellen erledigen sollen.
Die Reaktion auf dem Bild sagt wohl schon alles, schreibt Sandro Schäfer auf Linkedin. Auf dem mit Künstlicher Intelligenz (KI) bearbeiteten Bild sieht man den Handwerker tränen lachend. Schäfer ist Inhaber der Schärer Solarholzbau GmbH in Wikon LU.
Dazu sein Spruch: «Wenn du einen Handwerker fragst, ob er Angst vor KI hat.»
KI könne zwar Texte schreiben, Bilder generieren oder Meetings zusammenfassen. «Aber wenn draussen 35 Grad sind und du mit Werkzeug auf dem Dach stehst, hilft dir kein Algorithmus der Welt.»
In Kanada deckt schon der KI-Roboter das Dach
Mit dieser Aussage trifft Schäfer einen Nerv. Sein Beitrag geht viral. Über 470 Personen unterstützen seine Beruhigungspille für Handwerker. Doch es gibt auch kritische Stimmen.
«Ich halte diesen ‹Handwerk ist sicher›-Hype für völlig illusorisch», schreibt eine Userin. Denn: «Ich nehme dank KI immer mehr Reparaturen und Renovierungen selbst in die Hand.»
Ein anderer gibt zu bedenken: «KI wird nicht den Handwerker ersetzen. Aber auch Handwerker müssen ja irgendwie zu ihren Aufträgen kommen. Hier könnte KI durchaus eine Rolle spielen.»
Und manche blicken bereits in die Zukunft: «Hier in Kanada gibt es bereits einen KI-Roboter, der das Dach deckt.»
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Die Frage bleibt also: Wie sicher ist das Handwerk wirklich vor KI?
Eine Umfrage von Nau.ch zeigt: Auch das Handwerk kann sich der Künstlichen Intelligenz nicht entziehen.
KI analysiert Gestein und Verträge
Der Baukonzern Implenia schreibt auf Anfrage von Nau.ch: «Grundsätzlich teilen wir die Einschätzung, dass Anwendungen von KI den Bauprozess effizienter gestalten werden. Insbesondere in den Bereichen Planung, Steuerung von Projekten, Administration und im Übergang von Planung zur Ausführung.»
Implenia nutzt heute bereits KI für das automatische Analysieren und Identifizieren von ausgebrochenem Gestein. Auch die sogenannte Bauwerkvertrags-Überprüfung übernimmt ein automatisiertes KI-Tool.
Trotzdem stellt das Unternehmen klar: «Für die physische Arbeit auf den Baustellen wird es auch weiterhin ausgebildete Fachleute brauchen.»
Roboter seien noch nicht tauglich, schreibt Implenia in einem Blogeintrag. «Die Roboter müssten sich an ständig wechselnde Situationen anpassen – und dazu sind sie noch nicht in der Lage.»
Baumeister sehen in KI eine grosse Chance
Auch der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) glaubt nicht an das baldige Ende des Handwerks. Im Gegenteil.
Sprecherin Jacqueline Theiler sagt zu Nau.ch: «Der SBV sieht KI als grosse Chance für das Handwerk und insbesondere für die Bauwirtschaft.»
Schon heute helfe die Technologie dabei, Planungs- und Kostenrisiken zu reduzieren und Baustellen effizienter zu organisieren. KI werde etwa bei der Planung, Qualitätskontrolle oder Baustellendokumentation eingesetzt.
Gleichzeitig betont der Verband: «KI ersetzt das Fachwissen und die Erfahrung der Berufsleute nicht, sondern ergänzt diese.»

Für klassische Bauarbeiter gibt der Baumeisterverband deshalb vorerst Entwarnung. «Die Wahrscheinlichkeit, als Bauarbeiter ersetzt zu werden, ist relativ gering.»
Der Grund: «Im Bauwesen ist jedes Bauprojekt ein Prototyp.» Baustellen seien dynamisch und verlangten Flexibilität sowie situative Entscheidungen.
Wahrscheinlicher sei deshalb ein Zusammenspiel von Mensch, Maschine und digitalen Assistenzsystemen – statt eines Wegfalls des Handwerks.
Schreiner: KI verändert die Branche bereits
Auch der Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) rechnet mit Veränderungen. «KI wird auch die Schreinerbranche verändern. Wie schnell und wie fundamental, ist aktuell schwer abschätzbar.»
Schon heute kommen KI-Tools vor allem bei der Planung, Visualisierung und im Backoffice zum Einsatz. Künftig dürften auch Produktionsprozesse stärker betroffen sein.

Auch bei Robotern schliessen die Schreiner wenig aus. «Humanoide Roboter sind denkbar, aber auch hier ist schwer abschätzbar, wohin die Reise geht.»
Der VSSM verweist darauf, dass in modernen Produktionsprozessen bereits heute industrielle Roboter eingesetzt werden.
Maler und Gipser: Roboter stehen schon bereit
Beim Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV) heisst es hingegen: Roboter sind längst keine Zukunftsmusik mehr.
«Es gibt bereits einfache Roboter, die malen und verputzen können. Diese sind aber nicht serienreif und werden noch weiterentwickelt», sagt der Verband gegenüber Nau.ch.
Zum Einsatz kommen sie vor allem bei grossen, gleichmässigen Flächen – etwa in Tiefgaragen. Doch bei vielen Arbeiten stossen die Maschinen an ihre Grenzen.
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«Arbeiten wie Abdecken, Beschichten von kleinen Räumen und komplexeren Bauteilen oder das Abziehen des Putzes bleiben Handarbeit.»
KI spiele derzeit vor allem im Büro eine Rolle. Sie helfe etwa bei der Informationssuche, der Bearbeitung von Dokumenten oder der Automatisierung administrativer Abläufe.
Langfristig könnten sich aber ganze Prozesse verändern – von der Ausschreibung über die Erstellung von Offerten bis zur Auftragsabwicklung.
Trotzdem sieht der Verband die Handwerker nicht auf dem Abstellgleis. Im Gegenteil: «Klar ist, dass es den Handwerker und die Handwerkerin weiter brauchen wird.»
Die Begründung liefert der SMGV gleich selbst: «Wie die Bezeichnung Handwerk sagt, geht es um ein Werk der menschlichen Hand, deren Fähigkeiten gerade bei Detailarbeiten entscheidend sind.»
KI verändert klassisches Bauen langfristig
Was humanoide Roboter künftig leisten können, ist laut den Malern und Gipsern schwer abzuschätzen. Vieles sei derzeit noch Spekulation.
Ganz ausgeschlossen seien weitere Fortschritte aber nicht. KI und Robotik könnten künftig auch im Maler- und Gipsergewerbe stärker zum Einsatz kommen.
So könnten Maschinen dereinst «komplexe Abläufe» übernehmen. Der Mensch bleibe aber vorerst unverzichtbar.
Möglich sei jedoch, dass sich die Baubranche langfristig an die Fähigkeiten der Roboter anpasst. Das «klassische» Bauen könnte sich in den nächsten Jahren verändern, «um den grösstmöglichen Nutzen aus Robotik und KI zu ziehen».
Auch Sandro Schärer, der die KI-Debatte im Handwerk angestossen hat, betont gegenüber Nau.ch: «Ich bin keineswegs gegen KI – im Gegenteil. Ich nutze sie selbst regelmässig. Ich bin einfach überzeugt, dass sie das Handwerk nicht ersetzen, sondern verändern wird.»
Grosses Potenzial sieht er rund um die Administration, bei der Planung oder bei der Materialoptimierung. «So bleibt mehr Zeit für das eigentliche Handwerk. Und genau das, was wir Handwerker am liebsten machen.»
Handwerker liebäugelt mit Lastenroboter – statt Schleppen
Für Schärer ist klar: «Wer KI clever einsetzt, wird effizienter und auch attraktiver als Arbeitgeber. Aber auf der Baustelle selbst werden Menschen noch lange eine zentrale Rolle spielen.»
Gutes Handwerk sei mehr als nur Wissen, sagt er. «Es geht um Erfahrung, Gefühl, Verantwortung und Improvisation. Gerade im Holzbau ist kein Objekt wie das andere.»
Vor allem alte Gebäude seien voller Überraschungen. «Da braucht es Menschen, die Situationen einschätzen, pragmatische Lösungen finden und Verantwortung übernehmen können.»
Dennoch wünscht auch er sich, dass gewisse Aufgaben künftig wegfallen. «Ich wünsche mir Lastenroboter, die mir das Material herumtragen», sagt er.
Auch beim Thema KI und Handwerk gilt also: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
















