Deutsche Bahn darf wegen Verspätung nicht in den Zürcher HB
Schaffhausen statt Zürich: Ein Zug der Deutschen Bahn darf wegen Verspätung nicht in den HB fahren. Die SBB zieht ab sechs Minuten Verspätung die Reissleine.
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Das Wichtigste in Kürze
- Eine Passagierin der Deutschen Bahn staunt nicht schlecht, als die die Zug-Durchsage hört.
- Statt in Zürich hält der Zug schon in Schaffhausen. Wegen 13 Minuten Verspätung!
- Der Grund: Die SBB greifen zum Schutz ihres eigenen Fahrplans bei Verspätungen durch.
Die deutsche Zug-Durchsage auf dem Weg in die Schweiz beginnt harmlos mit «willkommen an Bord». Doch dann kommt die «sehr wichtige» Information: Dieser Zug halte nicht wie geplant am Zürcher Hauptbahnhof, sondern schon in Schaffhausen. «Wir dürfen nicht rein», sagt der Zugbegleiter ganz unverblümt.
Die Begründung in der Durchsage der Deutschen Bahn: «Der Schweizer Zugfahrplan wird sonst durcheinandergebracht.»
Die Passagierin des Intercity 187, die auf Geschäftsreise ist, kommentiert: «Die Schweizer sind wenigstens konsequent...»
Der Vorfall ist kein Einzelfall. Um ihren Fahrplan zu schützen, greifen die SBB bei Verspätungen internationaler Verbindungen seit Längerem durch.
Verspätete Züge werden vorzeitig gestoppt
Dass bereits verspätete Züge aus Deutschland teilweise nicht bis zu ihrem eigentlichen Ziel in der Schweiz weiterfahren dürfen, hatte die SBB schon im Sommer 2024 zu Massnahmen gezwungen.
Gemäss der «Süddeutschen Zeitung» mussten im ersten Quartal 2024 elf Prozent der Züge auf der Strecke München – Zürich vorzeitig enden. Auf der Strecke Freiburg im Breisgau – Basel waren es sogar 12,4 Prozent.
Der Hintergrund: Das Schweizer Bahnnetz ist eng getaktet. Kommen internationale Züge verspätet an, übertragen sie diese Verspätungen auf nachfolgende Verbindungen. Davon wären deutlich mehr Reisende betroffen als nur jene im deutschen Zug.
Die SBB setzen deshalb auf Ersatzzüge, die innerhalb der Schweiz möglichst pünktlich verkehren sollen.
Ab sechs Minuten kommt Ersatzzug zum Einsatz
Besonders im Fokus steht die Intercity-Verbindung zwischen Stuttgart und Zürich über Schaffhausen. Die SBB und die Deutsche Bahn haben für diese Strecke ein angepasstes Betriebskonzept eingeführt.
Seit Dezember 2025 fährt jeder zweite Zug aus Stuttgart planmässig nur bis Singen. Dort können die Reisenden in einen Zug nach Zürich umsteigen. Bei den weiterhin durchgehenden Verbindungen kann zudem ab Schaffhausen ein Ersatzzug eingesetzt werden, wenn die Verspätung zu gross ist.
Und die Schweizer fackeln nicht lang.
Auf Anfrage von Nau.ch erklärt SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg: «Ab einer prognostizierten Verspätung von mehr als sechs Minuten ab Schaffhausen wird der Ersatzzug vorbereitet und sofern betrieblich möglich eingesetzt.»
Wie viele Züge aus Deutschland insgesamt wegen Verspätungen vorzeitig gestoppt werden, will die SBB nicht genauer beziffern.
Pünktlichkeit verbessert
Die Massnahmen zeigen laut SBB Wirkung: Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 habe sich die durchschnittliche Ankunftspünktlichkeit in Zürich um rund 20 Prozentpunkte auf über 80 Prozent verbessert.
Im Februar 2026 hiess es, dass der Ersatzzug ab Schaffhausen seit der Einführung des neuen Konzepts bereits rund 100-mal zum Einsatz gekommen sei.

Das Konzept soll vorerst bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 weitergeführt werden. Gleichzeitig arbeiten die beiden Bahnunternehmen daran, die Direktverbindung zwischen Stuttgart und Zürich langfristig zuverlässiger zu machen.
Für die betroffenen Passagiere bedeutet das allerdings weiterhin: Kommt der Zug aus Deutschland mit zu grosser Verspätung an, kann die Reise in der Schweiz abrupt früher enden als geplant.















