Der Covid-Sondergesandte der WHO, David Nabarro, empfindet die Massnahmen der Schweiz als zu halbherzig. Laut ihm brauche es eine viel «robustere Strategie».
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David Nabarro ist der WHO-Sondergesandte im Kampf gegen das Coronavirus. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • David Nabarro, WHO-Sondergesandter, kritisiert die Schweizer Corona-Massnahmen.
  • Um eine dritte Welle zu verhindern, müsse man jetzt handeln, sagt er.
  • Von den Behörden und Einwohnern fordert er eine «viel robustere Strategie».

David Nabarro, WHO-Sondergesandter im Kampf gegen Covid-19, geht mit der Corona-Strategie der Schweiz hart ins Gericht. Die Massnahmen seien angesichts der «extrem ernsten Situation» zu halbherzig. Wie Europa habe das Land im Sommer geschlafen.

Die Behörden hätten es verpasst, die nötige Infrastruktur aufzubauen in den Sommermonaten, nachdem sie die erste Welle unter Kontrolle brachten. Dies sagte Nabarro in einem Interview mit den CH Media-Zeitungen vom Samstag.

Die Folge sei die zweite Welle. Wenn man jetzt nicht handle, werde man Anfang 2021 die dritte Welle haben.

Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie ist derzeit die alles überragende Sorge der Schweizer Bevölkerung. (Archivbild) - Keystone

Die Länder Ostasiens hätten klar gezeigt: wenn man die Fallzahlen hinuntergebracht habe wie im Sommer, lockere man die bisherigen Massnahmen nicht. «Man wartet, bis die Fallzahlen tief sind und tief bleiben.» Erst müsse man vorbereitet sein, um künftige Ausbrüche zu stoppen.

David Nabarro fordert genaue Überwachung der Menschen

In der Westschweiz sei die Situation extrem ernst, so der Experte der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Fallzahlen seien extrem hoch und es gebe wirkliche Überlastungen in den Spitälern.

Es brauche eine «viel robustere Strategie von Behörden und Einwohnern». So müsse etwa die Isolierung total sein bei einer Ansteckung. Und die Behörden müssten dies überprüfen. Die Lage in der Schweiz sei zu ernst, als dass man dies einzelnen Personen überlassen dürfe.

Nabarro
David Nabarro kritisiert die Strategie der Schweiz im Kampf gegen das Virus. - Keystone

Es braucht laut David Nabarro klare Zuständigkeiten. Bekannte von ihm in der Westschweiz zum Beispiel wüssten jedoch nicht, wer für sie verantwortlich sei, wenn sie krank würden. Das sei erstaunlich in einem Landesteil mit einer der höchsten Fallzahlen Europas. «Es überrascht mich, dass es nicht als nationaler Notstand behandelt wird.»

Andererseits sei eine grössere Nähe wichtig. Jede Gemeinde müsse die nötigen Kapazitäten haben, um mit Ansteckungen umzugehen. Die kantonale Ebene sei zu weit weg. «Es braucht eine sehr genaue Überwachung der Menschen, so dass man eine Ansteckung entdeckt.»

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