Darum kostete Zürich-Teuscher-Haus zwölf statt 8,4 Millionen Franken
Das Teuscher-Gebäude wird 3,6 Millionen über Schätzwert verkauft. «Monopoly in Zürich!», finden einige. Immo-Experten sagen, wie der Preis zustande kommt.

Das Wichtigste in Kürze
- Amag-Erbin Eva-Maria Bucher-Haefner bekommt den Zuschlag für das Teuscher-Haus in Zürich.
- Nach Zwangsversteigerung wird das Gebäude für 12 statt den geschätzten 8,4 Mio. verkauft.
- Im Netz wird diskutiert: Entkoppeln sich Marktpreise zunehmend von Bewertungen?
- Immo-Experten verneinen bei Nau.ch. Man beobachte aber so etwas wie «Trophy Hunting».
Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – verkauft!
Eva-Maria Bucher-Haefner ersteigert das traditionsreiche «Teuscher-Haus» an der Storchengasse 9 in der Zürcher Altstadt. Für zwölf Millionen Franken erhält die Amag-Erbin (Vermögen laut «Bilanz» 4,3 Milliarden Franken) den Zuschlag.
Der Verkaufs-Preis liegt damit satte 3,6 Millionen Franken über dem Schätzpreis. Das gibt zu reden.
So etwa unter einem LinkedIn-Post des Zürcher Immobilien-Maklers Dylan Grava. Sein Eindruck: «Das ist nicht einfach Markt. Das ist Wettbewerb – das ist ‹Ich will genau dieses Objekt›.»

«Monopoly in Zürich», so einer der über 100 Kommentare darunter. Grava stellt die Frage in den Raum: Entkoppeln sich Marktpreise zunehmend von Bewertungen?
Wie der 12-Millionen-Preis entsteht
Harry Büsser, Immobilienexperte bei Comparis, beobachtet dies nicht. Im breiten Markt, also bei Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäusern, bewegen sich die Preise weiterhin nahe an professionellen Schätzungen.

Das Teuscher-Gebäude ist aber ein spezieller Fall. Der Schätzwert war ein amtlich ermittelter Wert im Rahmen eines Zwangs-Verfahrens.
Hier wird vorsichtig kalkuliert und der Wert nicht auf die Maximierung des Verkaufspreises ausgelegt, so Büsser.
Bei einer Auktion (das Haus wurde zwangsversteigert) könne es zu Differenzen kommen. Gerade bei seltenen Innenstadt-Liegenschaften.
«Der Unterschied zwischen 8,4 Millionen Schätzwert und 12 Millionen Zuschlag bedeutet nicht automatisch, dass ‹über Markt› bezahlt wurde. Sondern primär, dass ein Bieterwettbewerb stattgefunden hat.»
Mehrere finanzstarke Interessenten waren involviert.
Es ist wie bei Kunst-Auktionen
Genauso sieht es Immobilien-Ökonom Stefan Fahrländer. Zwangsversteigerung, spezielles Objekt, spezielle Lage – «so etwas gibt es nicht alle Tage».

«Schauen Sie mal bei einem Auktionshaus für Kunst rein: Da gibt es einen Schätzwert und dann gibt es den bezahlten Preis. Je seltener ein Objekt ist, desto grösser kann der Unterschied werden.»
Experte: Es gibt im Immobilien-Geschäft «Trophy Hunting»
Die Monopoly-Aussage teile er nicht.
Es gebe aber so etwas wie «Trophy Hunting» (Trophäen-Jagd) in Zürich. So würden etwa an der Bahnhofstrasse «nicht wirklich nachvollziehbare» Preise bezahlt. Genauso könne das eben bei der Storchengasse 9 passieren.
Den genannten Preis halte er aber für realistisch. «Bei der gegebenen Fläche für Wohneigentum an dieser Lage und mit diesem Charme. Sicherlich etwas, das man heute zahlen kann.»
Die Käuferin, Milliardärin Buchner-Haefner, äusserte sich gegenüber Nau.ch nicht weiter zu ihrem 12-Millionen-Gebot. Genauso wenig dazu, was im Teuscher-Gebäude künftig geplant ist.
«Prestige»: Darum ist das Teuscher-Gebäude so interessant
Dafür nennt Immo-Experte Büsser vier Gründe, die die Liegenschaft an der Storchengasse 9 so interessant gemacht haben.

Erstens, die absolute Innenstadt-Lage. Zweitens, die Angebotsknappheit – «Altstadthäuser sind faktisch nicht reproduzierbar, Neubau ist ausgeschlossen».
Drittens komme auch «Prestige und Signalwirkung» dazu – «eine solche Adresse hat repräsentativen Charakter». Und viertens die langfristige Werthaltigkeit – «Toplagen in der Zürcher Altstadt haben sich historisch als sehr wertstabil erwiesen.»
Schätzung ist am Verkaufs-Tag schon veraltet
Übrigens: Eine kleine Abweichung zwischen Schätzwert und Zuschlag (fünf Prozent) kann zudem erklärt werden, da ersterer zum Verkaufs-Zeitpunkt veraltet ist. «Bewertungen sind bei der Transaktion drei bis sechs Monate alt», erinnert Fahrländer.
Es kann auch in die andere Richtung gehen, dass unter der Bewertung verkauft wird. Aktuell steigen die Preise aber.
30-Prozent-Abweichungen in Zürich häufiger
Deutliche Zuschläge bei Prestige-Objekten können auch in Genf, Zug oder vereinzelt in Basel entstehen. Zürich hat aber die grösste Anzahl potenzieller High-End-Käufer gleichzeitig im Markt, sagt Büsser.
«Solche 30-Prozent-Abweichungen treten daher in Zürich tendenziell häufiger auf als in anderen Schweizer Städten. Sie sind aber kein Massenphänomen.»















