Darum kann ChatGPT in Schweiz nicht verboten werden

    Felix Müller
    Felix Müller

    Bern,

    Italien und andere Länder verbieten ChatGPT aus Datenschutz-Bedenken. In der Schweiz wäre ein solches Verbot erst ab September möglich. Mit einem Aber.

    ChatGPT
    ChatGPT kann Sätze formulieren, die von denen eines Menschen kaum zu unterscheiden sind. - Philipp Brandstädter/dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Italien hat das KI-Sprachmodell ChatGPT auch aus Datenschutzgründen vorläufig verboten.
    • In der Schweiz wäre ein solcher Schritt erst ab September möglich.
    • Tatsächlich müsse klar sein, welche Daten die KI verarbeitet, sagen Experten.

    Chatbots wie ChatGPT, Googles Konkurrenz-Software Bard sowie Programme, die Bilder auf Basis von Text-Beschreibungen erzeugen können, sorgen aktuell für viel Aufsehen. Doch sie erwecken auch Angst vor Missbrauch: Anfangs April wurde ChatGPT von der italienischen Datenschutz-Aufsichtsbehörde GPDP gesperrt.

    Auch ETH-Datenwissenschaftler Eliott Ash spricht sich gegenüber Nau.ch für Vorsicht bei den Sprachmodellen aus. Er warnt: «Technologien wie ChatGPT sollten reguliert werden, aber nicht zu streng. Es muss Transparenz darüber herrschen, wie die Modelle trainiert werden.»

    Schadet Künstliche Intelligenz der Menschheit mehr, als dass sie nützt?

    In der Schweiz wäre ein solch drastischer Schritt wie ein Verbot aktuell noch gar nicht möglich. «Ich sehe aus heutiger Sicht keine rechtlichen Möglichkeiten für ein allgemeines Verbot von ChatGPT in der Schweiz», sagt Datenschutz-Experte Martin Steiger zu Nau.ch.

    Martin Steiger Datenschutz
    Martin Steiger ist Anwalt und Unternehmer für Recht im digitalen Raum. (Archiv) - keystone

    Die Schweiz bekommt ab dem 1. September 2023 ein neues Datenschutzgesetz. Dann wäre ein Verbot zwar durch den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten theoretisch möglich.

    Aber: «Ich gehe allerdings davon aus, dass ChatGPT in der Schweiz weder gegen das geltende noch gegen das neue Datenschutzrecht verstösst», so der Rechtsanwalt.

    Entscheid birgt Signalwirkungspotential

    Steiger glaubt aber, dass der Entscheid Italiens insbesondere für den EU-Raum Signalwirkung haben könnte. Denn das Schweizer Datenschutzrecht ist wesentlich offener gehalten als das Datenschutzrecht der Europäischen Union. «Ich hoffe, dass das vorläufige Verbot eine fruchtbare Diskussion über Datenschutz und Künstliche Intelligenz auslöst.»

    Tatsächlich sind seither in mehreren EU-Ländern ab dem italienischen Entscheid Diskussionen entbrannt. In Deutschland forderte das Digitalministerium eine EU-Regulierung für Künstliche Intelligenz.

    Im Idealfall könne so Rechtssicherheit geschaffen werden. «Was in Italien entschieden wird, hat aufgrund der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Auswirkungen auf den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).»

    Kommentare

    Weiterlesen

    chatgpt
    134 Interaktionen
    Anwalt «enttäuscht»
    chatbot
    23 Interaktionen
    Datenschutz-Bedenken
    1 Interaktionen
    Algorithmen

    MEHR AUS STADT BERN

    Ferienmesse
    2 Interaktionen
    Tourismus
    Mathias Zopfi Reto Nause
    56 Interaktionen
    «Politmarketing»
    SC Bern
    2 Interaktionen
    Verletzt