Axa ist Versicherung von Crans-Montana und Bar

Nach der Brand-Katastrophe in Crans-Montana VS wächst der Druck auf die Gemeinde und die Ermittlungsbehörden. Alles Wichtige erfährst du im News-Ticker.

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In einem Video auf X ist der Schreckmoment in der Bar in Crans-Montana festgehalten. Das Feuer verbreitet sich rasant, Panik bricht aus. - X/@media_express_e

Das Wichtigste in Kürze

  • In Crans-Montana VS kam es am Neujahrsmorgen zu einer Feuertragödie.
  • 40 Menschen starben, 116 sind verletzt – alle Personen sind mittlerweile identifiziert.
  • Gegen die Betreiber des Lokals wurde eine Strafuntersuchung eröffnet.

Nach der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» gibt es zahlreiche ungeklärte Fragen. Die Schuldfrage rückt dabei immer mehr in den Fokus. Gegen die Betreiber läuft eine Strafuntersuchung. Doch auch Kritik an der Gemeinde sowie den Ermittlungsbehörden wird lauter.

Im aktuellen Ticker von Nau.ch bleibst du auf dem Laufenden:

21.20: Die Axa ist die Grundhaftpflichtversicherung der Gemeinde Crans-Montana und die Betriebshaftpflichtversicherung der Bar «Le Constellation», wie sie bekanntgibt.

Zur Sicherung der finanziellen Entschädigung der Opfer und Hinterbliebenen regt sie die Bildung eines «Runden Tisches» an. Die Idee sei, dass an diesen Rundtischgesprächen sämtliche involvierten Parteien wie Vertreter der Opfer und der öffentlichen Hand sowie die involvierten Haftpflicht-, Sach-, Unfall- und Krankenversicherer unbürokratische und langfristig tragfähige Lösungen definierten.

Dies, um für die finanziellen Schäden der überlebenden Opfer und Hinterbliebenen aufzukommen: Das schreibt die AXA-Versicherung in einer Mitteilung vom Donnerstag. «Idealerweise» würden die Gespräche vom Bund geleitet.

Axa: Versicherungssummen reichen nicht aus

Im Communiqué steht weiter, dass sowohl die Gemeinde Crans-Montana als auch die Barbetreiber branchenübliche Standardprodukte mit einer vertraglich limitierten Deckungssumme bei der AXA abgeschlossen hätten. «Wer für den entstandenen Schaden haftet, lässt sich erst nach Abschluss der laufenden (Straf-)Untersuchung beurteilen», heisst es weiter.

Fest stehe weiter, dass die Versicherungssummen der Gemeinde und der Bar im Fall einer Haftung «bei weitem nicht ausreichen, um für alle finanziellen Schäden der überlebenden Opfer und Hinterbliebenen aufzukommen.»

Auch Staatsanwaltschaft Rom eröffnet Ermittlungsverfahren

16:32: Brandstiftung und fahrlässige Tötung: Aufgrund dieser Tatverdachtsmomente hat die Staatsanwaltschaft Rom ein Ermittlungsverfahren zum Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana eröffnet.

Dies teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag gemäss der italienischen Nachrichtenagentur askanews mit.

Bei der Brandkatastrophe in Crans Montana VS in der Silvesternacht kamen 40 Menschen ums Leben, darunter sechs italienische Jugendliche.

Zuvor hatten bereits die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz Wallonisch-Brabant und die Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung der Brandkatastrophe eingeleitet.

Suva-Kliniken bereiten sich auf Rehabilitation von Verletzten vor

15:50: Die Suva-Kliniken wollen in einigen Monaten Verbrennungspatientinnen und -patienten von der Brandkatastrophe in Crans-Montana aufnehmen. Dann beginnt die Rehabilitationsphase der Brandopfer.

Wann genau die Patienten eintreffen würden, könne man nicht sagen, sagte Burga Martinelli, Leiterin Marketing und Kommunikation der Suva-Kliniken in Sion VS und Bellikon AG, am Donnerstag auf Anfrage von Keystone-SDA.

Die Aufnahme sei frühestens in zwei Monaten geplant.

SUVA
Die Aufnahme von Verbrennungspatienten in die Suva-Kliniken ist frühstens in zwei Monaten geplant. (Symbolbild) - keystone

Nach diesem schweren Unglück stehe zunächst die lebensrettende Akutbehandlung von Verbrennungspatienten im Vordergrund, hiess es in der Medienmitteilung.

Darauf folge eine spezialisierte, oft langfristige Rehabilitation, die für die körperliche und psychische Genesung der Betroffenen von entscheidender Bedeutung sei.

Diese Phase beginne erst in zwei bis sechs Monaten, je nach Schweregrad der Verletzungen, so Martinelli. Erst dann könne man mehr sagen, auch dazu, wie viele Patienten man aufnehme.

14.46: Die Kantonspolizei Waadt hat mehrere betrügerische Online-Spendeaktionen auf bekannten Plattformen entdeckt.

Das gab der «eCop François», der für die Prävention der Kantonspolizei in den sozialen Netzwerken verantwortlich ist, am Mittwoch in einem Instagram-Video bekannt.

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Die Kantonspolizei Waadt warnt vor Personen, die Bilder der Todesopfer für angebliche Spendenzwecke nutzen. - Instagram / @ecop.francois

Offenbar nutzen die Betrüger Bilder der Verstorbenen, um an das Geld zu kommen, das als Spende für die Opfer der Tragödie in Crans-Montana VS gedacht ist. Bei der Kantonspolizei Waadt wurde deshalb bereits eine Anzeige eingereicht.

Die Behörden bitten die Angehörigen, gefälschte Spendenaktionen zu melden und eine Anzeige einzureichen, «sofern sie die Kraft dazu haben».

13.18: Am Freitag, am internationalen Trauertag der Brandkatastrophe von Crans-Montana, soll das Betreiberpaar Moretti zum ersten Mal als Beschuldigte verhört werden.

Gemäss «Le Matin», unter Berufung auf eine anonyme Quelle aus dem Umfeld der Ermittlungen, findet der Termin um acht Uhr morgens statt.

Die beiden sind wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässigen Entfachens einer Feuersbrunst angeklagt.

13.10: Die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz Wallonisch-Brabant hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ziel sei es, Kontakte zwischen den Familien der Opfer mit Wohnsitz in Wallonisch-Brabant und den Schweizer Behörden zu erleichtern.

Eine Schülerin der sechsten Klasse einer Schule in Rixensart war bei dem Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht ums Leben gekommen, wie die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz der Nachrichtenagentur Belga am Donnerstag weiter mitteilte.

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Die Pariser Staatsanwaltschaft hat ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet. - KEYSTONE

Am Montag hatte bereits die Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung der Brandkatastrophe von Crans-Montana eingeleitet.

Auch sie will die französischen Familien bei den von den Schweizer Behörden durchgeführten Ermittlungen begleiten. Das Aussenministerium in Paris hatte neun tote Franzosen bestätigt, darunter mehrere Minderjährige und 23 Verletzte.

12.40: Basile Couchepin, Präsident des Walliser Justizrats, erklärte gegenüber dem «Tagesanzeiger», dass er sich im Fall Crans-Montana für befangen erklärt und daher zurückzieht.

Seit dem Sommer ist Couchepin Vorsitzender des Walliser Justizrats, der die Aufsicht über die kantonalen Gerichte und die Staatsanwaltschaft führt.

Ein Walliser Polizist sendete Brandopfern von Crans-Montana im Auftrag der Staatsanwaltschaft eine Liste mit drei Anwälten zur Koordination von Klagen. Dadurch entstand der Verdacht, die Opferanwälte beeinflussen zu wollen, so der «Tagesanzeiger». Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud zog die Liste zurück und räumte ein, der Versand sei ein Fehler gewesen.

Auf der Liste befand sich der Name von Basile Couchepin. Dieser versicherte, nichts davon gewusst zu haben.

12.02: Der Waadtländer Staatsrat ergreift Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen. Der Gebrauch von pyrotechnischen Gegenständen in Innenräumen wird verboten.

Die Kontrollen der Brandschutznormen werden verschärft. Die Regierung kündigte am Donnerstag «verschiedene dringende Massnahmen an, um die Sicherheit von rund 4000 Gastronomie- und Unterhaltungsbetrieben im Hinblick auf Brandschutznormen zu überprüfen und zu gewährleisten», heisst es in einer Mitteilung.

Ziel sei es, die Bevölkerung zu beruhigen und die zahlreichen Fragen zu beantworten, die seit dem 1. Januar und dem Drama von Crans-Montana aufgetaucht seien.

«Den Gemeinden wird ein Schreiben zugestellt, um sie an die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen zu erinnern, die sie in ihrer Funktion als Aufsichtsbehörde unterstützen», schreibt die Regierung.

Um einen klaren und soliden rechtlichen Rahmen zu schaffen, möchte der Staatsrat auch eine gründliche Analyse der geltenden kantonalen Vorschriften durchführen, wie er hinzufügt.

11.20: Am Freitag wird in Martigny VS an der offiziellen Gedenkfeier der Brandopfer von Crans-Montana gedacht. Neben mehreren Bundesräten werden auch Vertreter aus 30 Staaten erwartet.

Sechs Todesopfer aus der Silvester-Tragödie stammen aus Italien. Zurzeit befinden sich daher auch viele Medienschaffende aus Italien in der Schweiz.

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Leonardo Zellino, Reporter bei «RAI TV» äussert sich kritisch: «In diesem Lokal wurden aber offenbar seit sechs Jahren keine Kontrollen durchgeführt.» - SRF, Tagesschau

Die italienischen Journalisten kritisieren die Schweizer Behörden: Gigi Sironi, Reporter bei «News Mediaset» sagt gegenüber in der Schweizer «Tagesschau» vom Mittwoch: «Die Tatsache, dass sich der Gemeindepräsident gestern an der Medienkonferenz nicht entschuldigte, obwohl er Fehler eingestanden hatte, kommt gar nicht gut an.

Auch Leonardo Zellino, Reporter bei «RAI TV» äussert sich kritisch: «Was in diesen Tagen passiert ist, zeigt ein Bild der Schweiz, dass wir nicht gewöhnt sind. Wir kennen die Schweiz als Land der Präzision und der strengen Kontrollen. In diesem Lokal wurden aber offenbar seit sechs Jahren keine Kontrollen durchgeführt. Das ist schwerwiegend. Wir sind erschüttert.»

10.40: Nach der Brand-Tragödie in Crans-Montana rüsten die Schweizer beim Thema Brandschutz auf.

Gegenüber SRF heisst es etwa von der Firma Abrifeu SA in Riddes bei Sitten, dass es selten eine so hohe Nachfrage gegeben habe. Seit dem Feuer seien Brandschutzgeräte «extrem beliebt.»

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Hier im Bild ist Corinne Dessimoz, Verwaltungsteam von Abrifeu SA. - SRF, Tagesschau

Plötzlich wollen alle ihre Feuerlöscher warten oder kontrollieren lassen. «Man spürt schon ein bisschen Panik», so Corinne Dessimoz vom Verwaltungsteam.

Genauso klingt es bei diversen anderen Unternehmen. Und der Online-Händler Digitec Galaxus schreibt, dass seit Jahresbeginn acht Mal mehr Feuerlöscher verkauft wurden als im Vorjahreszeitraum.

10.10: Zürcher Spitäler haben aus den Niederlanden 9,3 Quadratmeter Spenderhaut für Brandopfer von Crans-Montana erhalten. Das gab die holländische Gewebebank auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekannt.

Die Haut von toten Spendern sei in drei Lieferungen per Kurier zum Universitätsspital und zum Kinderspital Zürich gebracht worden, so die Gewebebank «ETB-BISLIFE».

Das Universitätsspital Zürich bestätigte auf Anfrage, Spenderhaut aus den Niederlanden erhalten zu haben. «Glücklicherweise zeigten sich die Schweizer Zollbehörden sehr kooperativ», sagte ein Sprecher der Gewebebank in Haarlem.

Spenderhaut wird als temporärer Hautersatz eingesetzt, bis eine dauerhafte Deckung – meist mit körpereigener Haut – möglich ist.

08.46: Bei Lokalen für über 200 Personen müssten die Treppen auf einem Fluchtweg mindestens 1,20 Meter breit sein. In der Bar «Le Constellation» waren sie das aber laut Berichten der «NZZ» nicht.

Die Treppe Richtung Ausgang wurde vor rund zehn Jahren auf 1,37 Meter Breite stark verengt. Auf dem Papier scheint sie damit dennoch den Vorschriften zu entsprechen.

Doch am oberen Ende der Treppe befindet sich eine Zwischentür. Die Tür selbst ist nur rund 90 Zentimeter breit und nach innen geöffnet. Recherchen der «NZZ» zeigen, dass weder die Aussentür noch die Zwischentür der Bar «Le Constellation» eine Breite von 1,20 Metern aufweisen.

Vater von Brand-Verletztem: «Warum ist das Besitzerpaar nicht in Haft?»

05.00: Der Vater eines schwer verletzten italienischen Jugendlichen äussert scharfe Kritik am Vorgehen der Schweizer Ermittlungsbehörden. Umberto Marcucci, dessen 16-jähriger Sohn Manfredi nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana mit schweren Verbrennungen auf der Intensivstation liegt, zeigt «schockiert» über die bisherigen Ermittlungen.

Crans-Montana
Der Italiener Umberto Marcucci sorgt sich um seinen Sohn, der mit ungewisser Prognose im Spital liegt. Er betont, dass er die Vorgehensweise der Schweizer Ermittlungsbehörden nicht verstehen könne. - Screenshot/roma.corriere.it

In einem Interview mit «Corriere della Sera» antwortet er auf eine entsprechende Frage: «Ich, und nicht nur ich, sondern auch einige Angehörige der Opfer, sind zutiefst ratlos angesichts der Entscheidungen der Schweizer Justiz.»

Was er damit genau meint? «Warum wurden die Besitzer von ‹Le Constellation› nicht verhaftet?», fragt Marcucci. Angesichts der sich verdichtenden Ermittlungsergebnisse sei für ihn nicht nachvollziehbar, weshalb bislang keine Konsequenzen gezogen worden seien – auch nicht gegen die Gemeinde, die Kontrollen im Lokal unterlassen habe.

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