Crans-Montana: Skifahrer muss ins Spital – und entschuldigt sich
Die Trauer über die Tragödie in Crans-Montana ist gross – ebenso wie die Solidarität: Der Aufruf, Ressourcen zu schonen, zeigte Wirkung.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Silvesternacht kam es in einer Bar in Crans-Montana VS zum verheerenden Brand.
- Die Bevölkerung wurde angehalten, nicht zusätzlich die Notaufnahme zu aufzusuchen.
- Der Aufruf hat gefruchtet: Die Ressourcen wurden über die Neujahrstage geschont.
Die Tragödie erschütterte an Neujahr die ganze Welt: Bei einem Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS kamen 40 Menschen ums Leben.
116 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Aufgrund der Vielzahl an Schwerverletzten mussten die Opfer in verschiedene Spitäler in der Schweiz sowie ins Ausland verlegt werden.
Um Überlastungen in Sitten zu vermeiden, gab der Kanton Wallis am 1. Januar die Anweisung heraus, sich bei nicht lebensbedrohlichen Notfällen an andere Spitäler im Wallis zu wenden: «Um das Spital von Sitten, das die Versorgung der Unglücksopfer koordiniert und zum Grossteil übernimmt, nicht zu überlasten, werden alle, die sich wegen nicht lebensbedrohlicher Notfälle ins Spital begeben, gebeten, die Notaufnahmen von Siders und Martinach aufzusuchen.»
Wenige Stunden später betonte auch Staatsratspräsident Mathias Reynard an einer Pressekonferenz in Sitten: «Wenn Sie sich nützlich machen wollen, seien Sie vorsichtig. Kommen Sie nicht noch zusätzlich in die Notaufnahme, wenn Sie warten können. Damit wir uns im Spital um die Betroffenen dieser Katastrophe kümmern können.»
Wurde die Anweisung eingehalten? Die Antwort ist eindeutig Ja. Rettungs-Kräfte berichten gegenüber Nau.ch von überwältigender Solidarität – die reichte sogar bis auf die Skipisten.
Eliane Zürcher, Sprecherin von Air-Glaciers, berichtet gegenüber Nau.ch: «Im Vergleich zum Vorjahr sind die Rettungshelikopter der Air-Glaciers zwischen dem 2. und 4. Januar 2026 weniger ausgerückt.» Der Rückgang betrage etwa ein Drittel.
Air Glaciers: «Person entschuldigte sich nach Pistenunfall»
Ein Air-Glaciers-Mitarbeiter schilderte einen besonders eindrücklichen Fall: Eine bei einem Pistenunfall verletzte Person habe sich «unter starken Schmerzen sogar entschuldigt, dass sie Hilfe benötigte und ins Spital geflogen werden musste – nach dem Drama von Crans-Montana.»
Der Rückgang der Einsätze könne laut Einschätzung der Rettungsteams auf den Aufruf zurückgeführt werden, so Zürcher: «Allerdings ist auch zu beachten, dass die Anzahl Rettungseinsätze Schwankungen unterliegt. Denn Faktoren wie beispielsweise das Wetter haben einen grossen Einfluss.»

Das gleiche Bild zeichnet Fredy-Michel Roten, Direktor der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO): «Man sieht eine Halbierung der angeforderten Mittel durch den Pistenrettungsdienst und die Sanitätsnotrufzentrale 144 der KWRO.»
Die Zahlen zeigen einen deutlichen Rückgang nach dem Aufruf zur Vorsicht:
2025: 1. Januar 34 Einsätze, 2. Januar 30 Einsätze, 3. Januar 32 Einsätze.
2026: 1. Januar 14 Einsätze, 2. Januar 24 Einsätze, 3. Januar 20 Einsätze.
Roten betont, dass das kantonale Rettungsdispositiv an diesen Tagen dadurch «geschont» worden sei: «Wir bedanken uns bei der Bevölkerung und unseren Gästen.»
Spital Wallis verzeichnete geringeren Zustrom
Auch im Spital Wallis in Sitten wird die Solidarität gelobt. Spital-Sprecher Joakim Faiss erklärt gegenüber Nau.ch, dass keine detaillierten Statistiken zu Unfallursachen geführt würden: «Aber in den letzten Tagen haben wir tatsächlich einen deutlich geringeren Zustrom als üblich zu dieser Jahreszeit festgestellt.»
Dies sei höchstwahrscheinlich auch auf vorsichtigere Skifahrer zurückzuführen: «Es ist wahrscheinlich, dass die Zahl der Wintersportunfälle infolge dieses Aufrufs zurückgegangen ist.»
















