Crans-Montana: Rom wollte das Bern-Treffen am Mittag abbrechen

    Cheri Reinhardt
    Cheri Reinhardt

    Bern,

    Nach dem Crans-Montana-Brand wächst der Ärger in Rom. Ein Treffen in Bern sollte beruhigen. Offenbar stand es kurz vor dem Abbruch.

    Crans-Montana
    Italiens Generalstaatsanwalt Francesco Lo Voi und Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud an der Medienorientierung in Bern zum Fall Crans Montana. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Rom wirft Bern im Crans-Montana-Fall weiter mangelnde Kooperation vor.
    • Das Treffen in Bern stand laut «NZZ» kurz vor dem Abbruch durch die Italiener.
    • Italien fordert eine gemeinsame Ermittlungsgruppe und zog dafür den Botschafter ab.

    Die Krise mit Italien verschärft sich. Im Streit um die Ermittlungen zur Brandkatastrophe von Crans-Montana soll Rom ein Treffen in Bern fast abgebrochen haben.

    Ausgerechnet der Gastgeber steht im Fokus. Dem Bundesamt für Justiz wird laut «NZZ» Respektlosigkeit vorgeworfen.

    Dabei sollte das Treffen eigentlich beruhigen. Italiens Generalstaatsanwalt Francesco Lo Voi und Wallis Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud zeigten sich am 19. Februar nach aussen demonstrativ geeint. Man wolle die Zusammenarbeit verstärken, sagten sie vor Journalisten in Bern.

    Rom wirft Bern «respektloses» Verhalten vor

    Doch hinter den Kulissen soll es geknallt haben. Eine offizielle italienische Quelle sagt anonym, Vertreter des Bundesamts für Justiz hätten sich «respektlos» gegenüber den Gästen aus Italien verhalten.

    Darum wollte die Delegation das für den ganzen Tag angesetzte Treffen bereits um die Mittagszeit abbrechen, schreibt die «NZZ».

    Streitpunkt ist die gemeinsame Ermittlungsgruppe

    Im Zentrum steht eine Forderung, die Rom seit Wochen wiederholt. Italien will eine gemeinsame Ermittlungsgruppe zur Brandkatastrophe.

    Der Druck wurde bereits am 24. Januar sichtbar. Rom zog seinen Botschafter in Bern ab, bis eine solche Gruppe eingerichtet werde.

    Wie soll die Schweiz auf den Druck aus Rom reagieren?

    Italiens Aussenminister Antonio Tajani bekräftigte das zwei Tage nach dem Treffen in der Zeitung «Il Giornale». Es gebe «Widerstand» gegen gemeinsame Ermittlungen, sagte er. Und er setzte nach: «Solange wir nicht die Bereitschaft zur uneingeschränkten Zusammenarbeit vorfinden, wird unser Botschafter in Rom bleiben.»

    Bern sagt: Kein Antrag aus Italien

    Das Bundesamt für Justiz hielt dagegen. Italien habe bis heute keinen Antrag für eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gestellt, sagte das Amt am Dienstag gegenüber RTS.

    Nur passt diese Aussage nicht sauber zu einem Schriftverkehr, der nun bekannt wird.

    E-Mails setzen Bern unter Druck

    Nach «NZZ»-Informationen schickte die Staatsanwaltschaft Rom dem Bundesamt für Justiz vorab eine E-Mail. Darin betonte sie ihre «Bereitschaft», eine gemeinsame Ermittlungsgruppe einzurichten.

    Beatrice Pilloud
    Wallis Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud an der Medienorientierung in Bern zum Fall Crans-Montana. Laut «NZZ» sorgt der Streit mit Rom weiter für Ärger. - keystont

    Gut eine halbe Stunde später antwortete das Bundesamt. Es werde erwartet, dass die mögliche Bildung einer solchen Ermittlungsgruppe während des Treffens in Bern diskutiert werde.

    Lo Voi sagt: Thema wurde nicht erörtert

    Lo Voi sagte später zu italienischen Journalisten, das Thema sei während des Treffens nicht erörtert worden. Er erklärte: «Uns ging es darum, die Zusammenarbeit voranzubringen, und darauf konnten wir uns einigen.»

    Eine italienische Quelle behauptet laut «NZZ» jedoch das Gegenteil. Die Delegation habe während des Treffens sehr wohl einen Antrag gestellt. Das Bundesamt für Justiz habe ihn abgelehnt. Danach hätten beide Seiten angeblich vereinbart, den Streit öffentlich zu verschweigen.

    Nächstes Treffen im März in Sitten

    Im Wallis soll nun der nächste Anlauf folgen. Beatrice Pilloud hat ihre römischen Amtskollegen für März nach Sitten eingeladen. Damit verlagert sich das Gespräch vom Bundesbern zurück an den Ort, wo die Ermittlungen geführt werden.

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