Coronavirus: So berichtet ein Schweizer über die Situation vor Ort

    Felix Müller
    Felix Müller

    Spanien,

    Mallorca gehört neu zum Coronavirus Risikogebiet. Laut einem Unternehmer auf der Insel auch, weil sich die Touristen nicht immer an die Massnahmen hielten.

    Coronavirus - Mallorca
    Leute tragen Mund-Nasenschutz bei ihrem Gang durch Palma de Mallorca. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mallorca wird von der Schweiz, Deutschland und Österreich neu als Risikogebiet eingestuft.
    • «Das war klar» sagt ein Unternehmer, der zwischen der Schweiz und der Insel pendelt.
    • Viele Touristen nehmen die Corona-Massnahmen nicht gleich ernst wie die Einheimischen.

    Erst fiel nur der Ballermann auf Mallorca dem Coronavirus zum Opfer, jetzt die ganze Insel. Die Optionen für die Strand-Liebhaber unter Herr und Frau Schweizer werden weniger und weniger.

    Die Balearen rutschten zusammen mit Malta, Belgien und Indien am Dienstag auf die Liste der Coronavirus Risikoländer des Bundes. Ab morgen Donnerstag müssen alle Rückkehrer aus diesen Ländern in der Schweiz zehn Tage in Quarantäne.

    Nachvollziehbarer Schritt

    Francesco D'Alessandro pendelt von April bis Dezember regelmässig zwischen der Schweiz und Mallorca. Sein Lebensmittelpunkt liegt aber am Bodensee. Eigentlich wäre er am Montag zurück in die Schweiz geflogen, erzählt der 50-Jährige. Weil er aber Freunde und Familie nicht anstecken oder in die Quarantäne schicken will, bleibt er vorerst auf Mallorca.

    coronavirus mallorca
    Francesco D'Alessandro pendelt normalerweise zwischen Mallorca und der Schweiz. Wegen dem Coronavirus steckt der Entrepreneur derzeit auf der Insel fest. - ZVG

    D'Alessandro hat die Einstufung der Balearen als Risikogebiet kommen sehen. «Wenn man die Entwicklung hier beobachtet hat, war das klar», sagt der Unternehmer.

    Coronavirus ist omnipräsent

    Der Respekt vor dem Virus sei deutlich spürbar: «Angst ist hier vielerorts nur der Vorname, seit Juni trägt hier wirklich jeder eine Maske.» Man sei sehr diszipliniert. Im Laden werde gar durch Securitas kontrolliert, ob man sich auch die Hände am Eingang desinfiziert habe. Auch im Restaurant darf nur während dem Essen am Tisch die Maske abgelegt werden.

    mallorca corona
    15.08.2020, Spanien, Palma: Menschen sonnen sich und schwimmen am Strand von Arenal auf Mallorca. - dpa

    Die Urlauber nehmen die Massnahmen wegen des Coronavirus aber nicht gleich ernst. D'Alessandro schätzt, dass es derzeit rund 60 Prozent weniger Touristen auf der Insel hat als sonst. «Es hat vor allem noch Russen, Polen und Italiener.»

    Diese sähen das Ganze oft lockerer. «Man stellt einen klaren Unterschied zwischen den Touristen und den Einheimischen fest».

    mallorca bierstrasse Tui
    Der grosse Partyurlaub in Mallorca oder Ibiza ist in diesem Jahr nicht möglich. Tui empfiehlt den Kunden einen «ruhigen Erholungsurlaub». (Symbolbild) - dpa

    Durch die Quarantänebestimmungen von Deutschland und Grossbritannien fallen die beiden grössten Touristengruppen weg. «Das ist schrecklich für den Tourismus», meint D'Alessandro betroffen. «Knapp 75 Prozent der Einheimischen hier arbeiten in dem Sektor.»

    Corona-Krise führt zu Immobilien-Boom auf Mallorca

    Er selber ist auf Mallorca im Immobiliensektor tätig und musste sich darum auch neu organisieren. «Viele Einheimische konnten ihre Mieten nicht mehr bezahlen», erzählt der Unternehmer. Gefragt seien jetzt individuelle Lösungen, so dass niemand auf der Strasse lande.

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    Wegen der Coronakrise können viele Einheimsiche auf Mallorca ihre Mieten nicht mehr zahlen. - Pixabay

    Anders sehe es beim Immobilienkauf aus. «Es ist verrückt, verkauft werden gar mehr Immobilien als noch vor der Krise». Besonders im Luxus-Segment sei der Absatz extrem gestiegen.

    «Viele reiche Leute haben wegen der Krise aus Angst ihre Aktien verkauft. Dieses Kapital muss jetzt neu investiert werden.» Oft werde so eine teure Finca am Telefon verkauft – ohne dass der Käufer sie je gesehen hätte.

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