Coronavirus: Epidemiologe bestätigt zweite Welle in der Schweiz

    Annina Reusser
    Annina Reusser

    Bern,

    Die Infektionen mit dem Coronavirus steigen sprunghaft an. Was heisst das? Braucht es neue Massnahmen? Ein Epidemiologe ordnet ein.

    Coronavirus Maske
    Ein Mann trägt seine Hygienemaske zum Schutz vor dem Coronavirus an seiner Jacke. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Corona-Zahlen in der Schweiz sind sprunghaft angestiegen.
    • Laut Epidemiologe Andreas Cerny ist die zweite Welle damit erreicht.
    • Es brauche eine Maskenpflicht überall dort, wo der Abstand nicht eingehalten werden könne.

    700 und 1077 neue Fälle an einem Tag, eine Positivitätsrate von fast zehn sowie über 7 Prozent. Die Infektionen mit dem Coronavirus in der Schweiz sind am Dienstag und Mittwoch sprunghaft angestiegen. Und das nicht lange, nachdem der Herbst das Wetter übernommen hat.

    Namhafte Wissenschaftlerinnen wie Isabella Eckerle und Emma Hodcroft sehen das nicht als gute Nachricht, wie sie auf Twitter schreiben. Durch das kalte Wetter bleiben die Leute drinnen und drehen die Heizung auf. Das sind Faktoren, die die Verbreitung des Coronavirus erleichtern.

    Epidemiologe Cerny: «Klar eine zweite Welle!»

    Doch was bedeutet der sprunghafte Anstieg? Ist das jetzt die befürchtete zweite Welle? Epidemiologe Andreas Cerny bejaht: «Es ist eine zweite Welle, ganz klar. Wir sind jetzt wieder auf halber Höhe von Ende März.»

    Da die Reproduktionszahl mit 1,2 wieder über dem kritischen Wert von eins liegt, steigen die Infektionen auch wieder exponentiell an. So steckt eine infizierte Person im Moment 1,2 weitere Personen an. Im Vergleich zur ersten Welle gebe es aber viel weniger Schwerkranke und Todesfälle, so Cerny.

    Coronavirus
    Klinikdirektor Andreas Cerny von der Clinica Luganese Moncucco. Als Virologe beobachtet er die Entwicklung des Coronavirus. - Epatocentro Ticino

    Der Einfluss des Wetters sei «ein wichtiger Faktor», so Cerny. In geheizten Innenräumen ist etwa der Abstand weniger gut einzuhalten als draussen und die Luft zirkuliert weniger. Das Wetter mache aber nicht den entscheidenden Unterschied. «Die Lockerungsmassnahmen sind sicher der Hauptfaktor», so Cerny.

    Positivitätsrate zeigt effektiv grössere Ausbreitung des Coronavirus

    Mit den Fallzahlen ist diese Woche auch die Positivitätsrate gestiegen. Das heisst, der Anteil der Corona-Tests, die positiv ausfallen. Am Dienstag lag dieser Wert bei knapp zehn Prozent, am Mittwoch bei 7,1 Prozent.

    Coronavirus
    Eine Frau lässt sich auf das Coronavirus testen. - Keystone

    Doch was bedeutet das? Wird einfach gezielter getestet, oder steigt die Verbreitung des Coronavirus effektiv? Epidemiologe Cerny sagt: «Das ist ein realer, nicht ein künstlicher Anstieg.»

    Der Anteil an grippeähnlichen Symptomen, die durch das Coronavirus ausgelöst wurden, sei also grösser geworden, im Vergleich zu anderen Erkrankungen. Denn: «Die Teststrategie hat nicht geändert.»

    Kantone sind gefordert

    Laut Cerny müssen die Kantone nun handeln und neue Massnahmen treffen. Er sagt: «Eine allgemeine Maskenpflicht dort, wo man die Abstandsregeln nicht einhalten kann, wäre aus meiner Sicht das Einfachste.»

    Bis eine Massnahme gegen das Coronavirus wirkt, dauert es zwei bis drei Wochen. Der aktuelle Anstieg gehe unverändert weiter, wenn man jetzt nichts mache, warnt Cerny.

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