ChatGPT soll für Nutzer shoppen – Experten warnen vor Risiken
Visa integriert Zahlungen in den KI-Dienst von OpenAI. Forscher sehen Komfort, aber auch Fragen zu Kontrolle und Datenschutz.

Das Wichtigste in Kürze
- Visa integriert Zahlungen in ChatGPT – Einkaufen per KI wird konkret.
- Schutz sollen Limits, Händlerfreigaben und Bestätigungen vor dem Kauf bieten.
- Kritisch bleiben Transparenz, Manipulation, Fehlkäufe und sensible Einkaufsdaten.
ChatGPT kann künftig nicht nur Produkte empfehlen, sondern auch gleich bezahlen: Der Finanzdienstleister Visa gab diese Woche bekannt, dass er sein Zahlungsnetzwerk in den KI-Dienst von OpenAI integriert hat.
Nutzerinnen und Nutzer können dort künftig ihre Visa-Karte hinterlegen. Wer dem Chatbot dann etwa die Anweisung gibt: «Kauf mir kabellose Kopfhörer unter 150 Franken», kann den gesamten Einkauf über ihn abwickeln lassen.
Das System sucht dabei passende Produkte, vergleicht Angebote und schliesst die Transaktion ab. Visa übernimmt im Hintergrund die Zahlungsautorisierung und die Betrugsüberwachung.
KI-Einkäufe werden massentauglicher
Für Mykola Makhortykh, KI-Forscher an der Universität Bern, kommt die Kooperation nicht ganz überraschend. Es handle sich «sowohl um eine wichtige als auch um eine ziemlich natürliche Entwicklung», sagt er gegenüber Nau.ch.
Denn KI-Einkaufsagenten sind keine völlig neue Idee. Start-ups und grosse Tech-Firmen entwickeln solche Systeme bereits seit einiger Zeit intensiv.
Neu ist laut Makhortykh hingegen die mögliche Reichweite: Die Zusammenarbeit von Visa und OpenAI könne solche Einkäufe «für ein breites Publikum viel zugänglicher machen».
ChatGPT übernimmt die Produktsuche
Auch Automatisierung gibt es im Online-Handel schon länger – etwa bei den Produktempfehlungen auf Amazon. KI-Agenten gehen aber einen Schritt weiter: Sie minimieren die Beteiligung des Menschen nochmals, erklärt Makhortykh.
«Man muss nicht mehr auf eine Online-Shopping-Plattform gehen, eine Suchanfrage eingeben und dann die Ergebnisse prüfen. Stattdessen bittet man ChatGPT, dies für einen zu übernehmen.»

Makhortykhs Kollegin Qian’ge Liu betont gleichzeitig, dass ein solcher Einkauf wohl nicht ohne menschliche Kontrolle abläuft.
Nutzerinnen und Nutzer dürften vorher Regeln festlegen: Wie viel darf ausgegeben werden? Welche Händler sind erlaubt? Muss jeder Kauf einzeln bestätigt werden?
Gerade diese Bestätigung hält Liu für zentral. Es sei realistisch, dass Kunden den Kauf vor Abschluss nochmals freigeben müssten, damit ein KI-Agent nicht unkontrolliert Geld ausgeben könne.
Auch Visa stellt solche Schutzmechanismen in Aussicht – etwa Ausgabelimits, freigegebene Händler und Bestätigungsschritte. So soll verhindert werden, dass die KI unkontrolliert Geld ausgibt oder Betrüger das System ausnutzen.
KI-Agenten könnten neue Produkte finden
Makhortykh sieht im KI-gesteuerten Einkaufen durchaus Vorteile. KI-Agenten könnten etwa Wünsche in Alltagssprache verstehen, Produkte vergleichen und neue Optionen finden, die man selbst vielleicht nicht entdeckt hätte.
Besonders praktisch könne das für Menschen sein, die wenig Zeit haben oder sich nicht lange durch Angebote klicken wollen.
Ob KI-Agenten tatsächlich immer die besten Preise finden, sei aber offen. Das hänge davon ab, wie gut sie mit Online-Shops und Marktplätzen verbunden seien, sagt Makhortykh.
Händler könnten Empfehlungen manipulieren
Die grössten Bedenken sieht der Forscher bei der fehlenden Transparenz. Für Kundinnen und Kunden könnte es schwer nachvollziehbar sein, warum die KI ein bestimmtes Produkt auswählt.
Makhortykh warnt zudem vor Manipulation. Händler könnten versuchen, ihre Produkte so zu platzieren, dass sie von der KI bevorzugt werden – auch wenn sie für den Kunden nicht die beste Wahl sind.

Zudem sei unklar, wie gut solche Systeme die tatsächlichen Vorlieben der Nutzer erkennen. Gerade bei Nischenprodukten könnten die Empfehlungen schlechter ausfallen, sagt Makhortykh.
Auch der Zufall spiele eine Rolle: KI-Systeme liefern nicht immer bei jeder Anfrage exakt dasselbe Ergebnis. Kunden könnten deshalb unterschiedlich gute Angebote erhalten.
Kaufhistorie verrät sensible Details
Zuletzt müsse auch der Datenschutz gewährleistet sein. Denn Einkaufsdaten sagen viel über eine Person aus: Was sie braucht, was sie sich leisten kann, wofür sie sich interessiert – und möglicherweise auch, in welcher Lebenssituation sie sich befindet.
Makhortykh mahnt: «Die Kaufhistorie ist eine sehr sensible und datenreiche Informationsquelle.»











