Streik

Bus-Streik in Winterthur: «Rufe Geschäft an, dass ich zu spät komme»

Das Buspersonal in Winterthur fordert bessere Arbeitsbedingungen. Am Dienstagmorgen arbeitet es deshalb grösstenteils nicht – mit Erfolg?

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Ronja Jansen von der Gewerkschaft VPOD über den Warnstreik des Winterthurer Buspersonals. - Nau.ch/Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Winterthurer Buspersonal streikte am Dienstagmorgen während vier Stunden.
  • Pendlerinnen und Pendler warteten am Bahnhof vergebens und kamen zu spät zur Arbeit.
  • Führen die nun angekündigten Verhandlungen zu nichts, droht ein ganztägiger Streik.

In Winterthur streikten am Dienstagmorgen von 4.30 bis 8.30 Uhr die Busfahrerinnen und -fahrer. Statt 60 standen nur 20 Fahrzeuge im Einsatz.

Der Warnstreik war am Montag angekündigt worden – und könnte nicht der letzte sein, wie die Gewerkschaft VPOD zu Nau.ch sagt.

Betroffen sind die vielen Pendlerinnen und Pendler im Morgenverkehr, die deswegen zu spät zur Arbeit erscheinen.

Verspätete Pflegerin: «Es sind Leute auf mich angewiesen»

«Ich sollte eigentlich pünktlich zur Arbeit erscheinen», sagt Michelle (33) am Bahnhof. «Ich arbeite in der Pflege und es sind Leute auf mich angewiesen, die erwarten, dass ich pünktlich beginne.»

Für sie sei der Streik dementsprechend «en Seich».

Die Pflegekraft hat aber auch Verständnis für das streikende Buspersonal: «Man muss ein Zeichen setzen.»

Als betroffene Pendlerin bleibt ihr am Bahnhof schliesslich nur eines: «Das Geschäft anrufen und sagen, dass ich zu spät komme.»

Auch Leyla (18) steckt am Dienstagmorgen am Winterthurer Bahnhof fest. Sie zeigt Verständnis für die Streikenden. Trotzdem: «Es ist halt ein bisschen blöd für alle.»

Leyla hat am Dienstagmorgen aber Hoffnung: Einige Busse fahren trotz des Streiks, so auch ihrer.

Jene Busse werden am Bahnhof jedoch teilweise von Gewerkschaftlerinnen und Gewerkschaftlern blockiert und ausgepfiffen. «Ob meiner losfährt, sehen wir», so die 18-Jährige.

Pendler Samil (31) findet: «Solange das nicht jeden Tag geschieht, finde ich es eine gute Sache.»

Heute sei er halt noch früher als sonst schon aufgestanden und habe einen der fahrenden Busse erwischt.

Gewerkschaft spricht von aggressiven Konfrontationen

Die Gewerkschaft VPOD klagt, man habe versucht, die Mitarbeitenden von der Ausübung ihres verfassungsmässig garantierten Streikrechts abzuhalten.

Warst du schon an einem Streik beteiligt?

Busfahrerinnen und Busfahrer seien nach Mitternacht aufgefordert worden, Fahrzeuge nicht im Depot, sondern an alternativen Standorten abzustellen.

Zudem sei es zu aggressiven Konfrontationen durch Vorgesetzte von Stadtbus Winterthur gekommen. Eine Stellungnahme von Stadtbus dazu lag zunächst nicht vor.

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Vor dem Winterthurer Bus-Depot wird gestreikt. - Nau.ch/Nico Leuthold

Aufnahmen von Nau.ch zeigen, wie sich die Streikenden am Dienstagmorgen auch vor besagtem Bus-Depot versammelt haben.

Pensioniertes Personal soll Busse gefahren haben

«Einzelne Busse sind gefahren, der Grossteil der Busse blieb aber im Depot und steht still», sagt Ronja Jansen, Fachsekretärin Kampagnen beim VPOD, nach Sonnenaufgang zu Nau.ch.

Es seien teilweise nicht reguläre Fahrerinnen und Fahrer angefragt worden, am Dienstagmorgen zu fahren, so Jansen. Man gehe davon aus, dass die im Einsatz stehenden Busse grösstenteils von ihnen gelenkt werden.

Dabei handle es sich um pensionierte Personen oder solche, die in anderen Funktionen bei Stadtbus Winterthur arbeiten.

Bus-Streik Winterthur
Ex-Juso-Präsidentin Ronja Jansen, mittlerweile Fachsekretärin Kampagnen bei der Gewerkschaft VPOD, freut sich über die vielen Teilnehmenden am Streik in Winterthur. - Nau.ch/Nico Leuthold

«Wir sind vor allem glücklich darüber, wie viele Leute heute solidarisch zusammenstehen und gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.» Am Ende entscheide jede und jeder selbst, ob er sich am Streik beteilige.

Ein «riesiger Anteil» der 260 Fahrerinnen und Fahrer von Stadtbus Winterthur sei anwesend.

Einige seien bereits die halbe Nacht vor Ort, viele seien «aufgebracht und auch sehr hässig über die bisherige Verweigerung, auf die Verhandlung einzutreten».

Kommt es zum nächsten Streik?

Nach 8 Uhr waren die ersten Gespräche beim Bus-Depot in Winterthur Geschichte. Der zuständige Stadtrat habe das Angebot nicht erweitern können, sagt ein VPOD-Mitglied dem streikenden Personal.

Am Donnerstag werde er aber auf Verhandlungen eintreten – mit einer neu formierten Verhandlungsdelegation. «Das ist unser Verdienst.»

Bus-Streik Winterthur
Das streikende Buspersonal in Winterthur fordert Verhandlungen für bessere Arbeitsbedingungen. - Nau.ch/Nico Leuthold

Die Reaktionen fallen gemischt aus. Eine Person ruft: «Wir haben mehr erwartet.» Eine andere meint: «Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.» Ein Streikender sagt: «Wir müssen zusammenbleiben.»

Schliesslich einigen sich die Beteiligten darauf, bei nicht stattfindenden Verhandlungen erneut zu streiken. Das nächste Mal jedoch einen ganzen Tag lang ...

Taxifahrer erhofften sich besseres Geschäft

Vom Ausfall der Busse profitieren wollten am Dienstagmorgen die Winterthurer Taxifahrer.

Doch das Geschäft blieb zunächst unter den Erwartungen, wie Taxifahrer Dino zu Nau.ch sagt. «Es sollte ein guter Tag sein, aber bis jetzt ist es nix. Die Busse fahren trotzdem und wir haben noch nicht profitiert.»

Winterthur Taxifahrer Dino
Taxifahrer Dino kann vom Bus-Streik in Winterthur nicht gross profitieren. - Nau.ch/Nico Leuthold

Man habe extra mehrere Taxis an den Bahnhof gestellt, um die Lücke zu füllen.

Mitarbeiter: «Keine andere Wahl, als in den Streik zu treten»

Hintergrund des Warnstreiks ist ein seit längerem schwelender Konflikt um die Arbeitsbedingungen.

Der VPOD kritisiert kurzfristige sogenannte Springertage mit möglichen Minusstunden, zu tiefe Nachtzuschläge sowie Mängel bei Ersatzdiensten und Dienstplanung.

Zudem müssten sich Angestellte an Schäden beteiligen, ohne ausreichende rechtliche Grundlage.

Stadtbus Winterthur
«Ohne uns steht Winterthur wortwörtlich still», schreibt die Gewerkschaft VPOD zu Nau.ch. - Stadtbus Winterthur

Ein anonymer Mitarbeiter erklärte: «Wir Busfahrer haben in den letzten Jahren unhaltbare Arbeitsbedingungen ausgehalten, um den Nahverkehr in dieser Stadt zu sichern. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem es so nicht weitergeht. Der Stadtrat lässt uns keine andere Wahl, als in den Streik zu treten.»

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Kommentare

User #9742 (nicht angemeldet)

Bei den Gewerkschaften sind nur Leute tätig, welche in der Arbeitswelt nicht gebraucht werden. Alle wo diesen Leuten folgen, müssen sich überlegen warum sie das tun. Es macht keinen Sinn.

User #9742 (nicht angemeldet)

Typisch Gewerkschaft, diese tun eigenlich nichts anderes als Ihre Gehälter zu rechtfertigen, würde man die Gewerkschaften abschaffen und das eingesparte Geld in die Arbeitnehmer investieren, würde es alle besser gehen.

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