Briten-Wirt gibt Rabatt bei Bargeld - in der Schweiz selten
Mit fünf Prozent Rabatt treibt ein englischer Pub-Betreiber den Anteil an Barzahlungen in die Höhe. In der Schweiz ist das selten – trotz hoher Kartengebühren.

Das Wichtigste in Kürze
- Digitale Zahlungen belasten Betriebe durch teils hohe Gebühren.
- Ein Pub in England fördert Barzahlung mit fünf Prozent Rabatt – mit Erfolg.
- In der Schweiz bleiben solche Rabatte selten – diese gibt es eher bei kleinen Betrieben.
Kreditkarten, kontaktloses Bezahlen, Mobile Payment: Was für Gäste bequem ist, sorgt bei vielen Betrieben zunehmend für Frust. Denn mit jeder digitalen Zahlung fallen Kommissionen und Transaktionsgebühren an – Kosten, die direkt zulasten der Betriebe gehen.
Auch Alan Davies bereiten die steigenden Gebühren Kopfzerbrechen. Der Besitzer eines Pubs in der englischen Stadt Ledbury könnte mit dem eingesparten Geld problemlos eine zusätzliche Arbeitskraft beschäftigen. Das sagte er kürzlich gegenüber der «BBC».
Doch die Not hat Davies erfinderisch gemacht: Als Reaktion gewährt er Gästen nun einen Rabatt in Höhe von fünf Prozent, wenn sie mit Bargeld bezahlen. Mit Erfolg: Innert kurzer Zeit sei der Anteil der Barzahlungen massiv gestiegen, berichtet Davies.
Kleine Schweizer Betriebe besonders betroffen
In der Schweiz zahlen Betriebe für Kartenzahlungen im Durchschnitt Gebühren zwischen 1,3 und über zwei Prozent des Umsatzes. Der Prozentsatz ist unter anderem abhängig von Kartenart (Kredit, Debit, Prepaid) und Anbieter.
Dies sei eine «spürbare betriebswirtschaftliche Belastung», heisst es beim Restaurant-Verband Gastrosuisse. Das gelte umso mehr fürs Gastgewerbe mit seinen tiefen Margen und vielen Kleinbeträgen.
Rechtlich sind die Betriebe frei: Es besteht keine Pflicht, Bargeld oder andere Zahlungsmittel zu akzeptieren, sofern dies klar kommuniziert wird. Ebenso dürfen Rabatte auf Bezahlungen mit einem bevorzugten Bezahlungsmittel gewährt werden.
Doch: In der Praxis werde davon wenig Gebrauch gemacht, sagt der stellvertretende Direktor von Gastrosuisse, Patrik Hasler-Olbrych, zu Nau.ch.
Zwar zeige eine Umfrage der Schweizerischen Nationalbank: Kleinere Unternehmen gewähren häufiger Preisnachlässe bei Barzahlung als grosse. Insgesamt bleibe dies aber die Ausnahme.
Ungleichgewicht bei den Verhandlungsmargen
Das Schweizer Gastgewerbe ist stark von kleineren, oft Familienbetrieben geprägt, betont Hasler-Olbrych. Doch: Von besseren Konditionen bei den Zahlungsmitteldienstleistern würden vor allem grosse Unternehmen profitieren. Sie verfügen über mehr Verhandlungsmacht, während kleinere Betriebe die Gebühren kaum beeinflussen könnten.
Zudem deklariere etwa Visa Bezahlungen im Restaurant oder Hotel nicht als «every day spend», folglich würden höhere Interchange-Fee-Gebühren anfallen. «Dieses Interbankenkentgelt ist störend. Im heutigen System bezahlt der Händler die ganze Zeche», kritisiert Hasler-Olbrych.
Im Parlament ist derzeit eine Motion hängig, die mehr Transparenz bei diesen Gebühren verlange. Was Hasler-Olbrych ebenfalls zuversichtlich stimmt: «Die Branche reagiert überwiegend pragmatisch, indem sie Optimierungsmöglichkeiten innerhalb bestehender Bezahlsysteme nutzt.»
Gastinteressen wiegen schwerer als Gebühren
Klar ist: Auf digitale Zahlungsangebote zu verzichten, kann sich heute kaum ein Betrieb mehr leisten. Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Bar & Club Kommission Zürich, sagt zu Nau.ch: «Schlussendlich richten wir uns im Gastgewerbe nach den Interessen der Gäste.»
Die Nachfrage nach bargeldlosem Bezahlen habe seit der Pandemie deutlich zugenommen. Dieser Trend lasse sich «auch durch Rabatte und andere Massnahmen nicht aufhalten», sagt Bücheli. Entsprechend seien derlei Ideen «aktuell kein grosses Thema».
Zusammenschluss und neue Technik als Ausweg
Hasler-Olbrych gibt ausserdem zu bedenken: «Da die Branche bereits unter Kostendruck steht, wären Rabatte für Barzahlungen betriebswirtschaftlich meist nur schwer tragbar.»
Mitentscheidend für die Höhe der Kartengebühren ist das Volumen: Höhere Umsätze führen meist zu besseren Konditionen. «Insofern ist es sinnvoll, einzelne Betriebe zusammenzunehmen und einen Zahlungsanbieter zu wählen», rät Bücheli.
Auch eine mögliche Deckelung der Gebühren, wie sie in der EU existiert, könnte Entlastung bringen. «Davon würden vor allem kleine Betriebe profitieren.»
Gastrosuisse setzt seine Hoffnung zudem in neue Technologien. Digitale Lösungen wie Instant Payment könnten künftig tiefere Händlergebühren ermöglichen, so Hasler-Olbrych.











