Brennhaare: Gift-Raupe verbreitet sich – auch in Zug?
Der Eichenprozessionsspinner sorgt derzeit in mehreren Regionen der Schweiz für Schlagzeilen. Im Kanton Zug gibt es bislang keine bekannten Vorkommen.

Nachdem in den vergangenen Wochen Freibäder, Fussballplätze und sogar einzelne Waldabschnitte in verschiedenen Regionen der Schweiz wegen des Eichenprozessionsspinners zeitweise gesperrt werden mussten, wächst auch andernorts die Aufmerksamkeit für die unscheinbare Raupe.
Für den Kanton Zug gibt es derzeit jedoch Entwarnung. Wie das Amt für Wald und Wild auf Anfrage mitteilt, sind weder aktuelle Sichtungen noch frühere Befallsherde bekannt. Auch eine gezielte Überwachung der Eichenbestände findet derzeit nicht statt.
Ganz ausgeschlossen wird ein Auftreten der Art in Zukunft allerdings nicht. Als wärmeliebendes Insekt könnte der Eichenprozessionsspinner grundsätzlich auch im Kanton Zug geeignete Lebensräume finden. Hinweise auf eine Ausbreitung liegen derzeit jedoch keine vor.

Eine Raupe mit ungewöhnlichem Namen
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, der in weiten Teilen Europas vorkommt. Bekannt ist er vor allem wegen seiner Raupen, die bevorzugt auf Eichen leben. Ihren Namen verdanken sie ihrem auffälligen Verhalten: Wenn sie sich auf Nahrungssuche begeben, marschieren sie oft in langen Reihen hintereinander her.
Diese Formationen erinnern an eine Prozession, weshalb die Art den Namen «Eichenprozessionsspinner» erhielt. Tagsüber verstecken sich die Raupen meist in Gespinstnestern an Stämmen oder in Astgabeln von Eichen.
Erst in den Abendstunden ziehen sie gemeinsam in die Baumkronen, um dort Blätter zu fressen. Besonders wohlfühlen sie sich an sonnigen und warmen Standorten. Einzelstehende Eichen, Waldränder oder Bäume in Parks und Siedlungsgebieten gehören zu ihren bevorzugten Lebensräumen.
Fachleute gehen davon aus, dass die Art von den steigenden Temperaturen profitiert. In verschiedenen Regionen Europas hat sich der Eichenprozessionsspinner in den vergangenen Jahren weiter ausgebreitet. Besonders warme und trockene Frühjahre begünstigen seine Entwicklung.
Die eigentliche Gefahrist kaum sichtbar
Auf den ersten Blick wirken die Raupen harmlos. Die eigentliche Gefahr geht jedoch nicht von den gut sichtbaren Haaren aus, sondern von tausenden winzigen Brennhaaren. Diese entwickeln sich ab dem dritten Larvenstadium im Frühling und sind nur Bruchteile eines Millimeters lang.
Die Brennhaare enthalten ein Eiweissgift namens Thaumetopoein. Werden sie durch Wind verbreitet oder gelangen auf die Haut, können sie heftige Reaktionen auslösen. Typische Bechwerden sind Hautausschläge, starker Juckreiz, gerötete Augen oder Atemwegsprobleme.
Besonders Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen reagieren empfindlich. Problematisch ist zudem, dass die Brennhaare lange in der Umwelt verbleiben können. Sie sammeln sich in alten Nestern, im Gras oder im Unterholz an und bleiben teilweise über Monate hinweg wirksam.
Nicht nur Menschen können betroffen sein. Auch Hunde, Katzen und andere Haustiere reagieren empfindlich auf die Brennhaare. Besonders Augenmerk aber bei den Hunden, denn sie können zum Beispiel beim Schnüffeln leicht mit Raupen oder Nestern in Kontakt kommen.

Mögliche Folgen sind Schwellungen im Maulbereich, starker Speichelfluss, Augenreizungen, Erbrechen oder Atembeschwerden. Tierärzte empfehlen deshalb, Tiere von verdächtigen Raupenansammlungen fernzuhalten und bei Symptomen rasch medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Im Kanton Zug bisher keine Spur
Trotz der aktuellen Schlagzeilen aus anderen Regionen der Schweiz sind die Behörden im Kanton Zug derzeit noch nicht mit dem Eichenprozessionsspinner konfrontiert. Dem Amt für Wald und Wild sind weder aktuelle Sichtungen noch frühere Befallsherde bekannt.
Eine gezielte Überwachung der Eichenbestände findet deshalb momentan nicht statt. Sollten jedoch Beobachtungen aus der Bevölkerung oder von Fachpersonen eingehen, würden diese überprüft. Ganz ausschliessen lässt sich ein Auftreten der Art in Zukunft allerdings nicht.
Das Amt für Wald und Wild weist darauf hin, dass der Eichenprozessionsspinner als wärmeliebendes Insekt grundsätzlich auch im Kanton Zug geeignete Lebensräume finden könnte. Hinweise auf eine Ausbreitung im Kanton liegen derzeit jedoch keine vor.
Was tun bei einer Sichtung?
Wer Raupennester an Eichen entdeckt, sollte diese nicht berühren oder selbst entfernen. Aufgrund der gesundheitlichen Risiken wird empfohlen, Sichtungen dem Amt für Wald und Wild zu melden.
Personen, die nach einem möglichen Kontakt Hautreaktionen, Augenreizungen oder Atembeschwerden entwickeln, sollten ärztlichen Rat einholen. Für die Bevölkerung im Kanton Zug besteht aktuell kein Anlass zur Sorge.
Die jüngsten Ereignisse in anderen Kantonen zeigen jedoch, dass sich die Situation in Zukunft verändern könnte. Die Behörden verfolgen die Entwicklung deshalb aufmerksam.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.








