Bombendrohungen häufen sich: Lehrer verunsichert

Bedrohungen an Schulen in Reute AR und Zweisimmen BE haben Evakuierungen ausgelöst. Polizei und Lehrerverband warnen vor zunehmender Verunsicherung.

Schulzimmer
An zwei Schulen kam es in den letzten Tagen wegen Bedrohungen zu vorübergehenden Schliessungen. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In Reute AR und Zweisimmen BE kam es in den letzten Tagen zu Bedrohungen an Schulen.
  • In beiden Fällen wurden Schulhäuser vorsorglich geräumt oder geschlossen.
  • Lehrerverband und Polizei warnen vor wachsender Verunsicherung bei Betroffenen.

In den vergangenen Tagen ist es in der Schweiz gleich zweifach zu Bedrohungen an Schulen gekommen. Sowohl in Reute AR als auch in Zweisimmen BE mussten die Schulhäuser vorsorglich evakuiert werden.

In Reute im Kanton Appenzell Ausserrhoden blieb die Primarschule am 22. und 23. Januar geschlossen. Gemäss einem Schreiben der Schule wurden eine Lehrperson und Schulkinder durch einen Elternteil bedroht.

Die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden bestätigte, über die Schliessung informiert worden zu sein. Es habe jedoch keinen Polizeieinsatz und bislang keine Anzeige gegeben.

Schule Zweisimmen
An der Schule in Zweisimmen kam es letzte Woche zu einer Evakuierung. - Gemeinde Zweisimmen

Im Fall von Zweisimmen ging am 19. Januar eine Drohung gegen die Schule ein. Die Kantonspolizei Bern rückte mit einem grösseren Aufgebot aus, sperrte das Gelände ab und überprüfte das Schulhaus.

Der Unterricht wurde für den betroffenen Tag eingestellt. Im Zuge der Ermittlungen wurden zwei Jugendliche von der Polizei angehalten.

Verletzt wurde in beiden Fällen niemand. Doch die Vorfälle sorgen für zunehmende Verunsicherung bei Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern.

«Jede Drohung wird ernst genommen»

Auf Anfrage von Nau.ch bestätigt die Kantonspolizei Bern, dass es sich nicht um die einzigen Fälle handelt: «Ja, es gab vereinzelte Fälle von Bedrohungen an Schulen in anderen Teilen des Kantons.»

Die Art der Drohungen sei jedoch unterschiedlich und könne auch variieren.

Klar sei aber: «Jede Meldung einer Bedrohung wird von der Kantonspolizei Bern ernst genommen. Und es werden sofort Massnahmen ergriffen, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten.»

Wie diese Massnahmen konkret aussehen, hängt vom jeweiligen Fall ab. «Da jeder Vorfall anders gelagert ist, ist eine pauschale Antwort nicht möglich», so die Polizei.

Braucht es mehr Massnahmen gegen Drohungen an Schulen?

Priorität habe immer die Sicherheit aller Betroffenen. Parallel dazu würden Ermittlungen aufgenommen, um mögliche Tatpersonen zu identifizieren.

Zusätzlich verfügt die Kapo Bern über eine spezialisierte Präventionsabteilung, wie sie schreibt. Sie unterstütze die Schulen auch bei der Bewältigung der Situation nach einer Drohung.

«Verunsicherung ist spürbar»

Auch der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) beobachtet die Entwicklung mit Sorge. «Die Verunsicherung ist spürbar und ernst zu nehmen», sagt Beat Schwendimann, Leiter Pädagogik.

Beat Schwendimann
Beat Schwendimann ist Leiter Pädagogik beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer (LCH). - LCH

Bedrohungslagen an Schulen seien kein Randphänomen: «Rund zwei Drittel der Lehrpersonen haben in einem Zeitraum von fünf Jahren Gewalt oder Bedrohungen im beruflichen Kontext erlebt.» Das zeigt eine Gewaltstudie des LCH.

«Solche Vorfälle belasten das Sicherheitsgefühl im Schulalltag erheblich», stellt Schwendimann klar.

Der LCH unterstütze Lehrpersonen deshalb unter anderem mit rechtlicher Orientierung und klaren Leitfäden für professionelles Handeln in Krisensituationen.

Auch Schülerinnen und Schüler leiden unter den Vorfällen

Doch nicht nur Lehrpersonen, sondern auch Kinder reagieren sensibel auf Bombendrohungen.

«Solche Ereignisse können bei Schülerinnen und Schülern Ängste auslösen und stark belastend sein», hält Beat Schwendimann fest. Evakuierungen, Polizeipräsenz und der Ausnahmezustand würden Spuren hinterlassen.

Wurdest du auch schon einmal nach einer Bedrohung evakuiert?

Je nach Alter, Vorerfahrungen und Betreuung könne ein solcher Vorfall sogar traumatisierend wirken.

Während manche Kinder unmittelbare Stressreaktionen zeigen, würden andere das Erlebte erst verzögert verarbeiten. Mögliche Folgen: Schlafstörungen oder anhaltende Ängste.

Alle Unterstützung können eine Traumatisierung verhindern oder mildern», erklärt Schwendimann.

Prävention allein reicht nicht aus

Sowohl Polizei als auch Lehrerverband setzen auf Prävention. Die Kantonspolizei Bern bietet Schulungen für Schulleitungen, Lehrpersonen und weiteres Schulpersonal an. Etwa zu Krisenvorsorge, Früherkennung oder Nachbearbeitung.

Zudem können Schulen bei Bedarf Sicherheitsberatungen zu baulich-technischen Massnahmen in Anspruch nehmen.

Broschüren und Handbücher zur Erstellung von Notfall- und Krisenkonzepten werden ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Schulzimmer
Der LCH empfiehlt, dass jede Schule über ein Interventions- und Krisenkonzept verfügt. (Symbolbild) - keystone

Der LCH empfiehlt, dass jede Schule über ein Interventions- und Krisenkonzept verfügt. «Darüber hinaus setzen wir uns für den flächendeckenden Ausbau der Schulsozialarbeit ein», sagt Beat Schwendimann. Diese fungiere als Frühwarnsystem und könne Eskalationen oft im Vorfeld verhindern.

«Prävention ist das Fundament – sie allein reicht aber nicht aus», betont Schwendimann.

Entscheidend seien auch ausreichende Ressourcen für Intervention und Nachbetreuung sowie eine enge Zusammenarbeit mit Polizei und externen Fachstellen. Nur so könne die Schule langfristig ein sicherer Ort für alle bleiben.

Kommentare

User #5843 (nicht angemeldet)

Ueberwachungskameras installieren und lokal je nach Anzahl Vorkomnissen einschalten oder hoffentlich bald wieder ausschalten.

User #5843 (nicht angemeldet)

Sozial Media Polizei einrichten. Hass, Fake News, Mobbing etc zeitnah in den Sozial Medien offen legen immer niederschwelliger bis die anzahlen nachlassen.

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