Bilder: Berner fährt nachts heim – und trifft Wolf auf Feld
Ein Wolf zieht aktuell im Kanton Bern umher. Nachdem er am Neujahrstag im Oberaargau gesichtet wurde, tauchte er am nächsten Tag bereits im Emmental auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Florin R. begegnet am Neujahrstag im Oberaargau einem Wolf auf einem Feld.
- Bereits am nächsten Tag meldet jemand anderes eine Wolfssichtung im Emmental.
- Wahrscheinlich handelt es sich bei beiden Sichtungen um denselben umherziehenden Wolf.
Es ist Donnerstag, der Neujahrstag, kurz nach 21 Uhr. Florin R.* ist mit dem Auto auf dem Weg nach Hause. Im Vorbeifahren entdeckt er auf einem Feld zwischen Lotzwil und Madiswil BE ein Tier.
Um sich zu vergewissern, dreht er um und erkennt: Es handelt sich tatsächlich um einen Wolf. Im Kanton Bern gab es seit Monaten keine Wolfssichtung mehr. Und schon gar nicht im Oberaargau.
Florin R. fährt nach Hause und kehrt kurze Zeit später mit seinem Mitbewohner zum Feld zurück. Noch immer steht der Wolf da und beobachtet das Auto der beiden. «Wir waren etwa 20 Meter von ihm entfernt», erzählt der junge Mann aus der Region gegenüber Nau.ch.
Das Tier habe sich insgesamt bestimmt 15 Minuten auf dem Feld aufgehalten, ehe es in Richtung Madiswil im Wald verschwand.
Am darauffolgenden Nachmittag ruft Florin R. den Wildhüter an, um die Sichtung zu melden. Zu seinem Erstaunen wurde der Wolf inzwischen bereits ein zweites Mal gesichtet.
Am nächsten Tag im Emmental
Etwas mehr als zwölf Stunden, nachdem Florin R. den Wolf gesehen hatte, erhielt der Wildhüter eine weitere Meldung einer Wolfssichtung. Die Meldung stammte aus dem rund 13 Kilometer entfernten Affoltern im Emmental BE. Der Wildhüter vermutet, dass es sich um dasselbe Tier handelt.
Auch die Stiftung Kora, die sich für die Erhaltung der Raubtiere einsetzt, hat Kenntnis über eine Sichtung: «Wir wissen von einer Sichtung in der Region», so die Kommunikationsverantwortliche Nicole Bosshard.
Wohl ein vom Rudel abgewanderter Wolf
Gemäss Florin R. vermutet der Wildhüter, dass der Wolf von seinem Rudel abgewandert und nun auf der Suche nach einer Gattin ist.

Diese Aussage scheint plausibel. Sobald Jungwölfe geschlechtsreif werden, verlassen sie ihr Rudel und suchen ein neues Territorium für die Familiengründung.
«Es ist wahrscheinlich, dass es ein umherziehendes Einzeltier ist. In der Region gibt es weder Rudel, Paar noch einen residenten Einzelwolf», sagt auch Nicole Bosshard.
Bis zu 50 Kilometer pro Nacht
Umherziehende Jungwölfe legen teils beachtliche Distanzen zurück. Auch das Jagdinspektorat des Kantons Bern bestätigt: «Es ist gut möglich, dass es sich um das gleiche Tier handelt.» Distanzen zwischen 20 und 50 Kilometern pro Nacht seien völlig normal.
Gemäss dem Jagdinspektorat hält sich bereits seit einiger Zeit ein Wolf rund um den Sempachersee auf. Dieser könnte möglicherweise auch einen Abstecher in den Kanton Bern gemacht haben. Eine Identifikation sei ohne genetische Bestimmung jedoch nicht möglich.
*Name der Redaktion bekannt














