Berner lässt Schwangere verprügeln – kein Einzelfall
Gewalt gegen Frauen ist ein allgegenwärtiges Thema. Betroffen davon sind häufig auch Schwangere. Warum ist das so?

Das Wichtigste in Kürze
- Immer wieder werden schwangere Frauen Opfer häuslicher Gewalt.
- Grund dafür: Die Schwangerschaft ist eine «kritische Phase» in einer Beziehung.
- Auch Stress und die Konkurrenz zwischen dem Partner und dem ungeborenen Baby seien ein Problem.
Sie gehört zu den verletzlichsten Phasen im Leben einer Frau: die Schwangerschaft. Doch ausgerechnet in diesen Zeiten erleben viele Frauen häusliche Gewalt.
Ein besonders heftiger Fall sorgte kürzlich für Schlagzeilen: Ein Mann aus dem Berner Emmental liess seine schwangere Ex-Partnerin von zwei Männern verprügeln. Sein niederträchtiges Ziel: Das ungeborene Baby in ihrem Bauch zu töten.
Nun ist er dafür verurteilt worden: Er muss für fünf Jahre und elf Monate ins Gefängnis. Die Straftat ereignete sich im Jahr 2021.

Im Juli wurde in Bülach ZH ein Mann verurteilt, weil er seine schwangere Partnerin geschlagen, gewürgt und sexuell genötigt hatte.
2022 wurde auch ein Basler verurteilt – er hatte seiner schwangeren Frau mehrmals in den Bauch getreten.
Keineswegs Einzelfälle. In Grossbritannien schlagen Hebammen Alarm: Ihnen würden jährlich 20’000 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. Bei dieser Zahl handelt es sich um aktuellen Missbrauch in der Schwangerschaft, aber auch um Gewalttaten, die länger zurückliegen.
Doch warum sind gerade Schwangere, die besonders verletzlich sind, so oft von häuslicher Gewalt betroffen?
«Viele erzählen, dass Gewalt während Schwangerschaft begann»
Gegenüber Nau.ch erklärt Pia Allemann, Co-Geschäftsleiterin von der Beratungsstelle für Frauen gegen Gewalt in Ehe und Partnerschaft (BIF): «Viele gewaltbetroffene Frauen erzählen uns, dass Gewalt in der Beziehung während der Schwangerschaft begann.»
Die Schwangerschaft sei «eine kritische Phase in einer Beziehung». Denn: «Sie stellt Gewohnheiten in Frage und kann Kontroll- oder Gewaltmuster zum Vorschein bringen oder verstärken.»
Das zeige sich etwa dann, wenn der Partner den Anspruch habe, dass seine Partnerin jederzeit für ihn verfügbar sein müsse. Dann sei ein Baby plötzlich ein «Konkurrent».
«Manche Partner realisieren auch, dass ihre Partnerin abhängiger ist und nutzen das gezielt aus», erklärt Allemann.
Eine Schwangerschaft kann «Gewalt hervorrufen»
Und: «Einige Männer sind überfordert mit der zukünftigen Rolle als Vater oder fühlen sich verpflichtet, die Ernährer-Rolle zu übernehmen.»
«Eine Schwangerschaft ist ein einschneidender Schritt in eine neue Lebensphase», erklärt zudem Mirjam von Felten. Sie ist Leiterin der Fachstelle Häusliche Gewalt im Kanton Aargau.
«Emotionale, soziale, physische und finanzielle Herausforderungen können Gewalt hervorrufen.»
Kann man also davon ausgehen, dass schwangere Frauen vergleichsweise öfter von häuslicher Gewalt betroffen sind?
Expertin fordert: Gewalt- wie Diabetes-Risiko besprechen
Zahlen dazu gibt es nicht, erklären sowohl Allemann als auch von Felten. Aber: In der Schweiz sei jede fünfte Frau von Partnerschaftsgewalt betroffen. Ein grosser Teil dieser Frauen sei im Alter, in dem sie Kinder bekommen oder bekommen können.
Von Felten meint zudem: «Für die Zeit der Schwangerschaft und Nachgeburtszeit ist aber mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen.»
Deshalb brauche es Schutzmassnahmen und Präventionsangebote. «In den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft sollte Gewalt in der Partnerschaft systematisch abgefragt werden», findet Allemann.
«Ähnlich wie man Bluthochdruck oder Diabetes kontrolliert in der Schwangerschaft, sollen andere Risiken besprochen werden.» Denn: «Gewalt ist ein Gesundheitsrisiko für das Ungeborene und die Schwangere.»











