Belastet Gesundheit: Arzt warnt vor Sex-Mangel
Wer sexlos lebt, sollte aufpassen: Frust und Stress steigen, weil Glückshormone fehlen. Körper und Psyche leiden, wenn die körperliche Nähe dauerhaft ausbleibt.

Das Wichtigste in Kürze
- Fehlender Sex belastet den Körper und die Psyche, warnt ein deutscher Arzt.
- Sexlose Paare sollten die Ursachen abklären lassen, rät der Experte.
- Weltweit nimmt die sexuelle Aktivität junger Menschen ab, besonders bei Männern.
Fehlender Sex kann weit mehr belasten als nur das Liebesleben. Ein deutscher Spezialist warnt nun im «Focus» vor Sex-Mangel.
Laut Christoph Nitsche, Facharzt für Innere Medizin, wirkt sich Sex direkt auf Körper und Psyche aus: Hormone wie Oxytocin und Endorphine steigern das Wohlbefinden, bauen Stress ab und fördern erholsamen Schlaf.
Auch Herz-Kreislauf-System und Immunsystem profitieren. Fällt die sexuelle Aktivität länger aus, fehlen diese positiven Effekte.
Yoga und Meditation als Sex-Alternative
«Sexlosigkeit ist auch psychisch fordernd», warnt Nitsche. Mangelnde körperliche Nähe kann Frust, Unsicherheit oder emotionale Distanz erzeugen.
Während einige Paare gut damit leben, empfinden andere die Enthaltsamkeit als belastend. Entscheidend sei, dass die Bedürfnisse beider Partner berücksichtigt werden und die Beziehung erfüllend bleibt.
Sex helfe zudem, Stress abzubauen. Wer darauf verzichtet, sollte alternative Wege finden: Sport, Yoga oder Meditation können das psychische Gleichgewicht stabilisieren.
Kommunikation ist laut dem Arzt deshalb zentral: Nur wer offen über Wünsche spricht, könne Distanz vermeiden und neue Formen von Nähe entwickeln. Schweigen verschärfe hingegen Spannungen.
Arzt rät Sexlosen zu Check-up
Dazu komme: Hinter fehlender Sexualität stecken oft körperliche Ursachen: Hormonelle Veränderungen wie Testosteronmangel oder Wechseljahre, chronische Krankheiten, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Erschöpfung.
Psychische Faktoren wie Stress, Ängste oder ungelöste Konflikte wirkten oft zusätzlich hemmend.
Nitsche rät im «Focus»: «Eine ganzheitliche Abklärung ist daher essenziell.» Medizinische Untersuchung und therapeutische Begleitung helfen, Ursachen zu verstehen und gezielt anzugehen.
Paare sollten nicht warten, bis der Druck wächst, sondern sich professionelle Hilfe holen.
Die jüngste Sex-Studie des Schweizer Erotikfachspezialisten Amorana aus dem Jahr 2024 mit 1000 Teilnehmenden aus der Schweiz ergab: Rund 56 Prozent sind nicht zufrieden mit ihrem Sexleben.
Einer der Gründe: Viele kommen nicht zum Höhepunkt. 36,2 Prozent der Frauen gaben an, gelegentlich einen Orgasmus vorzutäuschen. 12,4 Prozent täuschen ihn sogar ständig vor.
Dazu kommt: Besonders Junge tauschen immer weniger Zärtlichkeiten aus.
Jungen Männern vergeht Lust auf Sex
Eine Untersuchung des «Journal of Sex Research» in 33 Ländern ergab: In fast allen nahm die sexuelle Aktivität junger Menschen ab, in keinem einzigen nahm sie zu.
Besonders Männer haben immer weniger Lust, wie die Basler Sexologin Melina Dobroka gegenüber Nau.ch erklärte.
«Es ist denkbar, dass unter anderem der weltweit sinkende Testosteronspiegel von Männern einen Einfluss auf deren Bedürfnis nach Sex hat.»
Hinzu kommen weitere Faktoren – etwa Krankheiten, die häufiger diagnostiziert werden. «Diabetes zum Beispiel hemmt die Lust», erklärt die Sexologin.
Und: Es ist heute so einfach wie nie, an Pornos zu kommen. «Auch das kann sich negativ auf die Lust auswirken», erklärte die Expertin.



















