Die Schweizerische Vergiftungsinformationsstelle stellte eine «beunruhigend» starke Zunahme der beabsichtigten Vergiftung bei Jugendlichen unter 16 Jahren fest.
Coronavirus in Hamburg
Erstmals ist in Hamburg eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Es handele sich um einen Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2021 wurde eine starke Zunahme der beabsichtigten Selbstvergiftung beobachtet.
  • Dies wurde insbesondere bei Jugendlichen unter 16 Jahren festgestellt.
  • Die Selbstvergiftung wird mit Medikamenten und Haushaltsprodukten durchgeführt.

Beabsichtigte Selbstvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen sind 2021 stark gestiegen. Das zeigt eine provisorische Auswertung der Vergiftungsinformationsstelle Tox Info Suisse.

Konkret sind die beabsichtigten Vergiftungen bei Personen unter 16 Jahren von 650 Fällen 2020 auf 934 im vergangenen Jahr gestiegen. Das entspricht einer Zunahme von rund 40 Prozent.

Zwar hat die Zahl in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Dieser starke Anstieg hat aber sogar die Fachstelle überrascht. Dies sagte Colette Degrandi von Tox Info Suisse. Die Informationsstelle bezeichnet die Entwicklung als «beunruhigend».

Mögliche Zunahme aufgrund Corona-Pandemie

Gründe für den starken Anstieg werden von der Informationsstelle nicht erhoben. Möglich sei, dass die Zunahme an Vergiftungen durch die Corona-Pandemie verursacht wurde, sagte Degrandi. Die Informationsstelle sei jedoch nicht der geeignete Ort, um dies zu untersuchen.

Corona
Seit der Corona-Krise läutet beim Giftnotruf in München häufiger das Telefon, weil Kinder Desinfektionsmittel oder ähnliche Substanzen getrunken haben. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn - dpa-infocom GmbH

39'581 Personen haben den Anrufservice der Giftberatung 2021 in Anspruch genommen. Das sind leicht weniger als das Jahr zuvor. Hingegen hat die Anfrage zu Medikamenten um gut fünf Prozent zugenommen. Die Website wurde vergangenes Jahr über 666‘000 Mal aufgerufen.

Medikamente und Haushaltsprodukte

Von den Vergiftungen waren mit etwas mehr als zur Hälfte Kinder betroffen, davon 83 Prozent im Vorschulalter. Intozikiert wurden sie dabei am häufigsten mit Medikamenten und Haushaltsprodukten. Das hat sich laut Fachstelle seit Jahren nicht verändert.

Bei Kindern handelt es sich typischerweise um Unfälle. Bei Jugendlichen und Erwachsenen stehen beabsichtigte Selbstvergiftungen im Vordergrund. Zu einem Grossteil Suizidversuche und zu einem kleinen Teil Substanzmissbrauch.

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Die schweizerische Notfallauskunftsstelle für Vergiftungen, Tox Info Suisse, hat seit Ausbruch der Corona-Pandemie auch vermehrt Anfragen zu Desinfektionsmitteln erhalten. - sda - KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Tox Info Suisse ist rund um die Uhr und ganzjährig erreichbar. Die Stelle steht Laien und Fachleuten zur Verfügung.

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