Basel baut 40 Hochhäuser – Vorbild für andere Städte?
Basel plant den Bau von rund 40 neuen Wohnhochhäusern. Laut Expertin ist ein Boom dort sinnvoll, wo lebendige Quartiere mit kurzen Wegen entstehen könnten.

Das Wichtigste in Kürze
- In Basel entstehen rund 40 neue Wohnhochhäuser in zehn Jahren.
- Eine Expertin sagt zum Hochhaus-Boom: «Die Zukunft ist dichter, aber nicht zwingend hoch.»
- Hochhäuser seien dort sinnvoll, wo ganze Quartiere entstehen könnten.
Der Wohnungsmarkt in Schweizer Städten bleibt angespannt.
In Basel soll nun der Bau von Wohnhochhäusern für Entlastung sorgen. In den kommenden zehn Jahren sind satte 40 neue Hochhäuser geplant.
Derzeit gibt es in Basel erst drei Wohnhochhäuser, die höher als 60 Meter sind.
Der neue Hochhaus-Boom unterscheidet sich dabei deutlich von früheren Projekten. Während in Basel in den vergangenen Jahren vor allem Bürotürme entstanden, soll nun der Fokus auf Wohnungen liegen. Darüber berichtete die «Basler Zeitung».
«Ausgleich zur bisher bürodominierten Hochhaus-City»
Für Raumplanerin Sibylle Wälty ist dieser Kurswechsel nachvollziehbar. Gegenüber Nau.ch spricht sie von einem «Ausgleich zur bisher bürodominierten Hochhaus-City».
Denn neue Bürohochhäuser haben direkte Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt. «Ein einzelner Turm wie der Roche-Bau löst eine Nachfrage in der Grössenordnung von vier bis fünf Wohnhochhäusern aus.»
Ob Hochhäuser die Lebensqualität verbessern, hängt laut Wälty jedoch nicht in erster Linie von ihrer Höhe ab.
«Entscheidend sind Lage, Nutzungsmischung und belebte Erdgeschosse», erklärt die ehemalige Forschungsleiterin am ETH Wohnforum. Positiv bewertet sie deshalb, dass Basel mehrere Hochhaus-Cluster entwickelt. Denn: Etwa am Messeplatz, im Klybeck oder in der Hagnau entstehen mit dem Bau auch gleich eigene Quartiere.
Kritisch sieht die Raumplanerin hingegen den Bau einzelner, isoliert stehender Hochhäuser.
Hochhäuser auch in anderen Städten sinnvoll?
Bei der Planung sei vor allem das richtige Verhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Wohnungen wichtig.
«Wünschenswert wären rund zwei Einwohner je Arbeitsplatz», sagt Wälty. Im Klybeck sei das Verhältnis mit rund 8500 Einwohnern zu 7500 Arbeitsplätzen noch immer stark auf Arbeitsplätze ausgerichtet.
Ob auch andere Schweizer Städte dem Beispiel Basels folgen sollten, sieht Wälty differenziert. «Grundsätzlich ist das Hochhaus ein Werkzeug, kein Ziel», betont sie.
Ein Hochhaus-Boom sei dort sinnvoll, wo lebendige Quartiere mit kurzen Wegen entstehen könnten. Also die sogenannte Zehn-Minuten-Nachbarschaft. Sodass die Menschen, die im Hochhaus arbeiten, auch in der Nähe wohnen, einkaufen, zum Coiffeur und mehr können.
Gleichzeitig lasse sich die nötige Dichte oft auch ohne Türme erreichen – etwa mit klassischer Blockrandbebauung. Darunter versteht man eine städtische Bauweise, bei der mehrere Gebäude eines gesamten Häuserblocks direkt aneinandergereiht sind. Dabei umschliessen sie einen gemeinsamen Innenhof.
Hochhäuser seien vor allem dort sinnvoll, wo Bauland knapp sei. Etwa wegen Topografie oder Waldflächen.
«Zukunft ist dichter, aber nicht zwingend hoch»
Andere Städte sollten deshalb nicht einzelne Türme isoliert bewilligen, sondern ganze Hochhauszonen an gut erschlossenen Standorten planen.
Für Wälty steht fest: Die Schweiz wird künftig dichter bauen müssen. Das bedeute aber nicht automatisch immer höhere Gebäude.
«Die Zukunft ist dichter, aber nicht zwingend hoch», sagt sie.

Hochhäuser könnten dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Denn sie schonen Landschaften und bestehende Quartiere und ermöglichen dort hohe Dichten, wo dies anders kaum machbar wäre.
Letztlich bleibe der Turm aber nur Mittel zum Zweck. «Das Ziel ist genügend Wohnraum an den richtigen, gut erschlossenen Lagen.»













